Hamburg

Pinkwashing beim CSD? Woran echte Unterstützung erkennbar ist

Demonstrierende in Berlin-Kreuzberg mit Schild „Fuck your Pinkwashing“ auf der Urbanstraße.
Anlässlich der Pride Woche wird von vielen Pinkwashing kritisiert, also die nach außen getragene Queerfreundlichkeit von Unternehmen, obwohl es intern ganz anders aussieht. (Symbolbild)

Die Teilnahme von Unternehmen am CSD wird regelmäßig diskutiert. Was ist wahre Unterstützung für die Community und wann ist es Pinkwashing?

Pünktlich zur Pride Week färben sich die Schaufenster und Werbeanzeigen verschiedenster Unternehmen regelmäßig bunt. Hautcreme, Sneaker, Uhrenarmbänder – jetzt alles auch in Regenbogen. Beim CSD-Umzug fahren seit Jahren große Konzerne wie Otto, Lufthansa oder politische Parteien mit. Was ist noch Unterstützung und wo geht es um das eigene Image?

„Ob es sich um glaubwürdiges Engagement oder um Pinkwashing handelt, lässt sich nicht allein anhand einer Teilnahme am CSD beurteilen“, sagt Julian Gebhard, Sprecher der Proutatwork-Foundation. Die Stiftung setzt sich für Chancengleichheit von LGBTQIA+ Personen am Arbeitsplatz ein. Unter anderem hat Proutatwork mit dem Hamburger Unternehmen OTTO zusammengearbeitet, das auch regelmäßig am CSD teilnimmt.

Entscheidend bei der Frage nach Pinkwashing sei, so Gebahrd, ob Unternehmen Vielfalt und Inklusion auch im Arbeitsalltag verankern – beispielsweise durch klare Diversitäts-Strategien, Netzwerke für queere Mitarbeitende, Schulungen oder ein konsequentes Vorgehen gegen Diskriminierung. Viele queere Menschen würden bei der Wahl ihres Arbeitgebers auf ein inklusives Arbeitsumfeld achten. „Werden diese Erwartungen enttäuscht, kann das zu Frustration oder Unsicherheit führen und im schlimmsten Fall gesundheitliche Folgen haben“, erklärt Gebhard weiter und verweist auf erhöhte Risiken für psychische Erkrankungen wie Depressionen.

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Gebhard empfiehlt Betroffenen, bereits im Bewerbungsprozess gezielt nachzufragen. Welche konkreten Maßnahmen gibt es für Vielfalt und Inklusion? Gibt es ein queeres Mitarbeitendennetzwerk, Schulungen für Führungskräfte oder klare Ansprechpersonen bei Diskriminierung? Diese Fragen sollen helfen, einzuschätzen, inwiefern das Unternehmen tatsächlich queerfreundlich ist.

Weniger Trucks bei Hamburger CSD – schwindende Unterstützung?

In Hamburg ist in diesem Jahr die Zahl der teilnehmenden großen Lkws beim CSD gesunken. Pressesprecher von Hamburg Pride, Manuel Opitz, sieht darin allerdings keine rückschrittliche Unterstützung. Er sagt: „In Hamburg kann keine Rede davon sein, dass Unternehmen ihre Unterstützung für queere Themen großflächig herunterschrauben. Im Gegenteil: Wir beobachten, dass viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gerade in diesen Zeiten ihr Engagement in Bezug auf die Akzeptanz queerer Menschen verstärken.“ Dies würden sie nicht nur an der Teilnahme der CSD-Demo sehen, sondern auch in Bezug auf Sponsoring, interne Workshops oder Vernetzungsveranstaltungen. 

CSD-Parade mit Regenbogenflagge, Trucks und dichtem Menschenzug auf dem Steindamm in Hamburg
Am CSD nehmen auch große Unternehmen teil. Regelmäßig wird da der Vorwurf des Pinkwashings laut. (Archivbild)

Die Entwicklung sei kein Selbstgänger, so Opitz. „Die Wirtschaftskrise und die allgemeine politische Entwicklung in Deutschland – der Aufstieg der AfD – sind eine Gefahr für dieses Engagement.“ 

Teilnahme von Unternehmen am CSD – „man braucht das Geld“

Die AfD liegt in den Sonntagsumfragen weiterhin vorn. Auch die Gewalt gegenüber queeren Menschen hat zugenommen. Das gesellschaftliche Klima spitzt sich zu. Da braucht es die Unterstützung durch große Unternehmen, findet Wolfgang Krömer (73). Krömer arbeitet ehrenamtlich als Redakteur für den „Pink Channel“, einen queeren Nachrichtensender, der 1988 gegründet wurde und seitdem über queere Themen berichtet und die jährlichen CSD-Demos begleitet.

Krömer möchte von dem Vorwurf des Pinkwashings nichts hören. „Ich sehe das als Gemecker vom Rand mit wenig Substanz“, heißt es lachend am Telefon. Die Teilnahme großer Unternehmen und der Politik am CSD findet Krömer wichtig. „Man braucht das Geld, um diese Aufmerksamkeit zu kriegen.“ Durch die Teilnahme von Parteien könne man so queere Themen in die Politik bringen.

Anderen ist der CSD zu kommerziell. In Hamburg hat sich so eine Alternativveranstaltung im Gängeviertel gebildet. „Command Queer“ heißt die Gruppe, die das „Spektakel“ organisiert. „Entstanden aus dem Wunsch nach einem queeren Raum jenseits von Kommerz und Ausschluss, verbindet es seit 2020 politische Haltung mit kollektiver Party“, heißt es auf der Website. Die größere Veranstaltung wird aber der CSD bleiben. Bis zu 250.000 Besucher*innen werden dieses Jahr erwartet.

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