Picasso, Dürer, Rembrandt: Dieser Schatz entging der Hamburger Kunsthalle

Hamburger Kunsthalle
Die altehrwürdige Hamburger Kunsthalle am Glockengießerwall wurde 1869 gegründet.

Rembrandt, Dürer, Goya, Käthe Kollwitz und gleich mehrfach Picasso: Beim Auktionshaus Christie’s in London ist vergangene Woche ein Teil einer der weltweit besten Sammlungen von Meister-Zeichnungen und Druckgrafiken versteigert worden. Das Rekordergebnis: rund 11,5 Millionen Euro. Die Sammlung stammt aus Hamburg, und eigentlich sollte die exquisite Kollektion in der Kunsthalle ihren Platz finden, doch die Erben hatten offenbar andere Pläne.

Klaus Hegewisch (1919-2014) kaufte seit den 1950er Jahren Zeichnungen von Weltklasse-Künstlern. Für den Importeur von Südfrüchten soll das Sammeln auch die Bewältigung eines Kriegstraumas gewesen sein. Kaum 20-jährig wurde er 1939 zur Kriegsmarine eingezogen und diente dort den ganzen Zweiten Weltkrieg über. Zweimal überlebte er Angriffe nur ganz knapp. Im Auftrag der Alliierten wurde der Marineoffizier nach Kriegsende in der Nordsee auf Minenräumern eingesetzt. 1945 lief sein Schiff auf eine Mine und sank. Nur vier Besatzungsmitglieder überlebten, Klaus Hegewisch war eines von ihnen.

Sammlung aus der Hansestadt für 11,5 Millionen Euro versteigert

Klaus Hegewisch
Der Hamburger Kaufmann Klaus Hegewisch (1919-2014) sammelte mehr als 50 Jahre lang Weltklasse-Kunst.

In Hamburg machte der Kaufmann dann mit seinem Südfrüchte-Handel ab der Wirtschaftswunderzeit ein Vermögen. Unterstützt von seiner Frau Helga und beraten auch von Zeichner-Legende Horst Janssen baute Hegewisch eine wunderbare Sammlung auf. Die Wände seines Hauses an der Elbe waren voller Meisterwerke.

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Doch der Vater von sechs Kindern wollte auch die Hamburger an seinem Kunstschatz teilhaben lassen. In den 1980er Jahren gab es Ausstellungen, und es entstand eine Freundschaft mit Werner Hofmann, der die Hamburger Kunsthalle von 1969 bis 1991 leitete. 1997 eröffnete das Haus ein „Hegewisch-Kabinett“, und die Besucher standen Schlange, um die Meisterwerke zu betrachten. Auch seinen 90. Geburtstag feierte der stolze Sammler 2009 mit Hunderten Gästen in der Kunsthalle. 120 Werke der legendären Sammlung wurden aus diesem Anlass gezeigt, und es soll der Wunsch von Klaus Hegewisch gewesen sein, dass die Sammlung nach seinem Tode an die Kunsthalle geht. Doch in seinem Testament war davon dann aus unbekannten Gründen keine Rede mehr.

Kunsthallen-Direktor bedauert Verlust der Sammlung für Hamburg

Hegewisch starb 2014, seine zweite Frau Erika erbte einen Großteil der Kollektion. Sie war selbst Künstlerin. Und starb dann vergangenes Jahr im Alter von 95, auch nach ihrem Tod ging die Kunsthalle leer aus. Hatte sich die Leitung nicht genug um das Sammlerpaar gekümmert?

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Dies bestreitet die Kunsthalle. Direktor Prof. Alexander Klar bedauert gegenüber der MOPO, dass die Sammlung für Hamburg verloren ist. Er sagt: „Sammlungen dieses Formats der Kunsthalle zu stiften, wäre ein Zeugnis des Standes der Hamburger Kultur. Wenn solche Sammlungen aufgelöst werden, verschwindet auch ein Dokument der kulturellen Höhe, auf der die Hansestadt stand.“

Im kommenden Jahr wird es bei Christie’s in London zwei weitere Versteigerungen mit Werken der „Hegewisch Collection“ geben.