Pfadfinder wollen in leerstehendes Haus ziehen – Bezirk will es abreißen

Das Kutscherhaus am Amsinckpark
Das historische Kutscherhaus aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert liegt gut versteckt am Ende eines Privatweges am Amsinckpark. Seit 2017 steht es leer. Das Bezirksamt will es abreißen.

Nur noch fünf Wochen, dann haben die Pfadfinder vom Stamm Saliskiaron in Lokstedt kein Heim mehr. 120 Kinder und Jugendliche verlieren ihren Versammlungsort am Siemersplatz, an dem sie sich treffen, zusammen singen, kochen oder spielen. Eine Lösung liegt nahe: Gleich um die Ecke im Amsinckpark gibt es ein leerstehendes Haus, in das die Pfadfinder gerne ziehen würden. Doch der Bezirk stellt sich quer.

„Seit Anfang 2024 bemühen wir uns intensiv um eine Lösung“, berichtet Gruppenleiterin Iska Treibel. Denn zum 31. Oktober müssen die Pfadfinder aus ihrem aktuellen Standort in einer ehemaligen Kneipe am Siemersplatz raus, weil das Gebäude abgerissen wird.

Die Kneipe war von Anfang an nur als Zwischenlösung gedacht gewesen. Deshalb habe es Gespräche mit dem Jugendhilfeausschuss, dem Sozialraumausschuss und dem Bezirksamt Eimsbüttel gegeben – leider ohne Ergebnis.

Pfadfinder in Hamburg: 120 Kinder und Jugendliche verlieren im Oktober ihr Freizeitheim

Entweder waren die Räumlichkeiten zu klein, für die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen neun und 22 Jahren schlecht zu erreichen oder die Mietkosten zu hoch. Im Zuge der Suche nach einem neuen Heim sei man auf das historische Kutscherhaus am Amsinckpark gestoßen, das seit 2017 leersteht und sich im Besitz des Bezirks Eimsbüttel befindet.

Pfadfindergruppe vor dem Kutscherhaus
Eine Pfadfindergruppe aus dem Stamm Saliskiaron vor dem Kutscherhaus in Lokstedt.

Problem: Das Bezirksamt will das vom Rathaus-Baumeister Martin Haller im 19. Jahrhundert entworfene Gebäude nach einem Wasserschaden abreißen. Ein Erhalt des Kutscherhauses, das trotz seiner historischen Bedeutung nicht unter Denkmalschutz steht, sei wirtschaftlich nicht sinnvoll.

„Das Bezirksamt strebt eine Nutzung als Grünfläche für diesen Bereich an. Aufgrund der starken Verdichtung in Lokstedt ist dieses aus unserer Sicht weiterhin geboten“, so eine Sprecherin des Bezirksamts zur MOPO. Das Amt trete üblicherweise nicht als Vermieter auf. Das Bezirksamt befinde sich weiter im Austausch mit den Pfadfindern und versuche, „mit allen Kräften im Rahmen seiner Möglichkeiten, die Pfadis zu unterstützen“. Dazu führe man auch Gespräche mit dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und der Finanzbehörde.

Denkmalverein Hamburg unterstützt die Pfadfinder

Die Pfadfinder haben angeboten, das Kutscherhaus selbst zu sanieren. „Der Pfadfinder:innenbund Nord ist erfahren in der Sanierung von Bestandsgebäuden und deren langfristigem Erhalt als Jugendverbandsheime, wie ein gelungenes Vergleichsobjekt im Niendorfer Gehege zeigt“, sagt Iska Treibel. „Die Lage im Grünen, die Anbindung und die Größe wären ideal für unsere Zwecke.“

Rostiger Löwenkopf mit Eisenring: Hier wurden die Kutschpferde angebunden.
Rostiger Löwenkopf mit Eisenring: Hier wurden die Kutschpferde angebunden.

Der Denkmalverein Hamburg unterstützt die Pfadfinder in ihrem Anliegen. „Auch wenn das Kutscherhaus nicht unter Schutz steht, ist es wichtig für die Geschichte von Eimsbüttel als eines der letzten Relikte der frühen Landhauskultur im Bezirk und darüber hinaus baukulturell bedeutsam als Werk des Rathaus-Baumeisters Martin Haller“, so Geschäftsführerin Kristina Sassenscheid. „Es wäre daher großartig, wenn die Pfadfinder:innen das Gebäude sanieren und ihm eine Nutzungsperspektive geben können.“

Das könnte Sie auch interessieren: Miamedes-Krise: Jetzt schaltet sich die Sozialsenatorin ein

Wenn es nicht bald eine Lösung gibt, dann verlieren 120 Kinder und Jugendliche in ein paar Wochen einen sozialen Ort, der einen wichtigen Raum in ihrem Freizeitleben einnimmt. Um dem Ausdruck zu verleihen, planen sie nun eine Kundgebung. Sie soll am 28. September vor dem Kutscherhaus stattfinden.

Nur noch fünf Wochen, dann haben die Pfadfinder vom Stamm Saliskiaron in Lokstedt kein Heim mehr. 120 Kinder und Jugendliche verlieren ihren Versammlungsort am Siemersplatz, an dem sie sich treffen, zusammen singen, kochen oder spielen. Eine Lösung liegt nahe: Gleich um die Ecke im Amsinckpark gibt es ein leerstehendes Haus, in das die Pfadfinder gerne ziehen würden. Doch der Bezirk stellt sich quer.