Unterricht in einer Grundschule

Unterricht in einer Grundschule (Symbolbild) Foto: picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod

Petition fordert: Schluss mit der Quasi-Pflicht zum Religionsunterricht an Schulen

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Werden Hamburgs jüngste Schüler:innen zum Religionsunterricht quasi gezwungen? Ja – sagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und hat eine Petition dagegen gestartet. Eltern sollen ihren Nachwuchs einfacher abmelden können – und die sollen eine sinnvolle Alternative bekommen.

„In den Klassen 1 bis 6 werden Kinder in Hamburg quasi gezwungen, am Religionsunterricht teilzunehmen“, heißt es in einer Mitteilung der Lehrer- und Erzieher-Gewerkschaft zur Online-Petition. Der Vorwurf der GEW: Obwohl laut Grundgesetz allein die Eltern über die Teilnahme ihrer Kinder entscheiden dürften, würden sie davon weder von der Schulbehörde noch von den Schulen „vollumfänglich und zeitnah informiert“.

Dazu kommt laut GEW: „Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern“ habe Hamburg für die jungen Schüler:innen kein alternatives Unterrichtsangebot zur Reli-Stunde parat. Erst ab Klasse 7 stünde Philosophie als Alternative zur Auswahl.

GEW sieht „Quasi-Zwang“ zum Religionsunterricht

Die Folge: In den Klassenstufen 1 bis 6 gäbe es für die abgemeldeten Kinder entweder gar kein Programm – oder sie würden „bestenfalls mit wenig anspruchsvollen Ersatzaufgaben beschäftigt“, so die GEW in ihrer Petition. Und: Die Schulleitungen würden viele Eltern auch dazu bewegen wollen, Abmelde-Anträge wieder zurückzuziehen.

Die Forderungen der Gewerkschaft daher: klare Kommunikation der Möglichkeit, die Schulstunden zu Glaubensfragen auszulassen sowie Philosophie-Unterricht als Alternative bereits ab der ersten Klasse. Mit der Petition wendet sich die GEW an die Hamburgische Bürgerschaft. Mehr als 3700 Personen haben bereits unterschrieben.

Schulbehörde antwortet auf massive Kritik an Reli-Stunden

Die massive Kritik der GEW lässt die Schulbehörde nicht auf sich sitzen. Die Sorgeberechtigten würden zu Beginn des Schuljahres, in der Regel im Rahmen eines Elternabends, über die Regelungen zum Religionsunterricht informiert, heißt es auf MOPO-Anfrage. Auf die Abmeldemöglichkeit würden Eltern außerdem in der Broschüre „Zum Schulanfang“ hingewiesen.

Dass es keine Alternative zur Reli-Stunde für die Jahrgänge 1 bis 6 gibt, begründet die Schulbehörde mit der „bundesweiten Besonderheit“, die der Hamburger Religionsunterricht darstelle – und die auch über Deutschland hinaus beachtet werde: „Als ,Religionsunterricht für alle (Rufa)‘ wendet er sich an alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung. Er vermittelt Werte, thematisiert Lebensfragen und bringt die Vielfalt an Religionen und Lebensauffassungen, die sich in den Hamburger Schulklassen wiederfindet, in den Unterricht hinein.“

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Da der Religionsunterricht in den Augen der Behörde den interkulturellen Dialog fördere und für die Demokratiebildung wichtig sei, würden Schulleitungen und Lehrkräfte dies den Eltern, die ihre Kinder abmelden wollen, nochmal genau vermitteln. Die Entscheidung bleibe aber freiwillig.

Wie genau die abgemeldeten Schüler die Zeit verbringen, bleibt hingegen ziemlich vage: Sie würden am Unterricht in einer Parallelklasse teilnehmen und erhielten dort „passende Bildungsangebote“.

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