Penetrant und nervig: Merkwürdiger Summton bei Ikea irritiert Kunden
Ein merkwürdiger, hochfrequenter Summton bei Ikea in Altona verwirrt Kunden wie Angestellte und sorgt für Kopfschmerzen und genervte Reaktionen. Ikea will von alledem nichts wissen – doch Messungen der MOPO zeigen: Das penetrante Geräusch gibt es wirklich, aber nicht alle können es hören. Im Internet werden bereits absurde Theorien zur Ursache diskutiert.
Beim Ikea-Besuch die Kinder mitnehmen? In der Filiale an der Großen Bergstraße sollte man sich nicht wundern, wenn die Kinder über Kopfschmerzen klagen oder sich die Ohren zuhalten. Auch im Internet klagen Menschen über einen nervigen, sehr hohen Ton, der fast im gesamten Möbelhaus zu hören sei.
Ikea in Hamburg: „Manche Kinder halten sich gequält die Ohren zu“
Vor Ort bestätigen zwei junge Mitarbeiter, dass das Geräusch schon länger existiert. „Manche Kinder laufen hier durch und halten sich gequält die Ohren zu“, sagt der eine. „Je älter die Leute sind, desto seltener wird es, dass sie das Geräusch hören. Ich selbst nehme es schon nicht mehr wahr.“
Der zweite arbeitet noch nicht lange bei Ikea Altona. „Ich habe mich am Anfang gefragt, ob ich mir das einbilde. Es ist echt anstrengend. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich dran.“ Woher das Geräusch kommt, wissen die beiden nicht.
Auch bei den Ikea-Bewertungen auf Google berichtet jemand von einem „Kopfschmerzen bereitenden Piepton“. Der Eintrag ist schon ein Jahr alt, seitdem hat sich offenbar nichts geändert.
Handy-App bestätigt: das Geräusch bei Ikea existiert
Mit Hilfe einer Handy-App ging die MOPO dem Geräusch nach. Das Ergebnis: Tatsächlich ist in allen Ausstellungsbereichen ein besonders lautes und hohes Geräusch messbar. Auch in der Abteilung für Kindermöbel. Selbst an Stellen, an denen der (recht junge) MOPO-Reporter das Geräusch nicht hören konnte, ging die Kurve in die Höhe.
Gesunde junge Menschen können im Bereich von 20 bis 20.000 Hertz hören. Das Geräusch liegt bei 19.594 Hertz, also am Rand des für Menschen Wahrnehmbaren. Da das Gehör mit dem Alter nachlässt, ist die Belastung für Kinder vermutlich höher.
Die App zeigt auf der horizontalen x-Achse an, wie hoch das Geräusch ist. Links ist der Bass, rechts sind die Höhen. Ganz rechts, im besonders hohen Frequenzbereich, schießen die Kurven nach oben. Und wenn es nach oben geht, dann heißt das: das Geräusch ist laut. In diesem Fall ist das Geräusch sogar das lauteste überhaupt im Ikea.
Die Quelle des Geräuschs festzustellen, ist schwierig. Auffällig ist nur, dass die Lautstärke des Tons in der Nähe mancher Lautsprecher zunimmt. Das belegen auch die Messdaten.
Nerviger Ton bei Ikea: Noch mehr Filialen betroffen?
Das Problem scheint nicht nur Ikea in Altona zu betreffen. Auf dem sozialen Netzwerk Reddit gibt es eine drei Jahre alte Diskussion, an der sich hunderte Nutzer:innen beteiligten, die bei Ikea-Filialen in ganz Deutschland vom gleichen Problem berichten. Darunter Würzburg, Frankfurt, Hanau – und Altona.
Die Nutzer:innen haben teils absurde Theorien dazu, woher das Geräusch stammen könnte. Manche meinen, es seien Töne, die gezielt Marder abschrecken sollen. Andere vertreten die Meinung, dass das Geräusch Jugendliche davon abhalten soll, sich länger in der Filiale aufzuhalten. Solche Ultraschalltöne wurden in Deutschland teils auf Spielplätzen getestet, um Jugendliche nachts fernzuhalten.
Bei Ikea weiß man nichts von einem Geräusch
Setzt man in dem Möbelhaus tatsächlich gezielt Ultraschalltöne ein? Ikea weist das zurück. Man sei ein „humanistisches, wertebasiertes Unternehmen“ und stelle „Menschlichkeit in den Mittelpunkt“.
Es gebe dort „selbstverständlich keinerlei Absicht, gewisse Kund:innen-Gruppen von einem Besuch in unserem Einrichtungshaus abzuhalten.“ Man könne die Existenz dieses Geräusches nicht bestätigen.
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Umso verwunderlicher ist, dass sich Kund:innen schon seit mindestens drei Jahren über das Geräusch beschweren und sich trotzdem nichts getan hat.