Parkplatz-Kritik in Hamburg: Behörde kontert mit überraschenden Zahlen

Parkende Autos auf Mittelstreifen
Im Bezirk Altona sind von 2020 bis 2024 rund 800 Parkplätze im öffentlichen Raum weggefallen.

„Ich finde keinen Parkplatz, ich komm zu spät zu dir, mein Schatz…“: Herbert Grönemeyers Parkplatz-Mambo hat auch nach Jahrzehnten nichts von seiner Aktualität eingebüßt, zumindest, wenn man die Autofahrer in Ottensen und anderen dicht besiedelten Quartieren befragt. Baustellen, Radwege, alles grüne Parkplatz-Killer, wie die CDU nicht müde wird anzuprangern. Nun kontert die Verkehrsbehörde unter dem Grünen-Senator Anjes Tjarks mit überraschenden Zahlen zum Bezirk Altona.

Laut Behörde wird die Zahl der Privatautos in Altona immer kleiner – und die Zahl der Parkplätze steigt. Allerdings nicht die heißbegehrten Abstellmöglichkeiten am Straßenrand: Rund 800 Stellplätze im öffentlichen Raum gingen zwischen 2020 und 2024 allein in Altona verloren (Behördensprech: Sie wurden „umgewidmet“). Dafür seien bei Neubauprojekten seit 2020 mindestens 2300 neue Parkplätze geschaffen worden, allerdings vorrangig für die Bewohner, etwa in Tiefgaragen.

Die Zahlen der Behörde ergeben sich folgendermaßen: Rund 4750 Wohnungen wurden seit 2020 im Bezirk Altona durch private Bauherren geschaffen, je nach Wohnungsbau wurden 0,5 bis 1,0 Stellplätze je Wohnung hergestellt. Behördenrechnung: Selbst bei einer niedrigen Stellplatzquote von 0,5 Stellplätzen pro Wohneinheit wären im Bezirk Altona wesentlich mehr Parkplätze geschaffen, als am Straßenrand verschwunden sind.

In Altona werden immer mehr Autos abgemeldet

Außerdem vermeldet das Statistikamt Nord, dass die Einwohner des Bezirks scharenweise ihre Privatautos abmelden: Anfang 2024 waren 90.194 Pkw gemeldet, drei Jahre zuvor waren es noch fast 2000 mehr. Anders ausgedrückt: Im Jahr 2020 kamen 334 Autos auf 1000 Einwohner, 2023 waren es nur noch 321.

Entsprechend erfreut die Behördensprecherin: Die Mobilitätswende in Altona funktioniert. Mehr Vielfalt im Mobilitätsangebot führt dazu, dass sich immer mehr Menschen vom privaten Pkw verabschieden.“

Hamburg-Altona: CDU kritisiert Parkplatz-Abbau

Das sieht die CDU naturgemäß ganz anders: „Die Parkplatznot in Ottensen ist groß – das Bewohnerparken hat hieran nichts geändert“, sagt Anke Frieling, CDU-Bürgerschaftsabgeordnete. „Wer in Ottensen lebt, der braucht kein Auto – das scheint die Grundannahme der Behörde zu sein, samt erzieherischer Parkplatzmangel-Maßnahmen.“

Sie hatte den Senat kürzlich zur Parkplatznot in Ottensen befragt und die Auskunft erhalten, dass es in dem Szene-Stadtteil gut 9000 Anwohnerparkausweise gebe, es aber unbekannt sein, wie viele Parkplätze dem gegenüber stehen.

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2021 hatte der Senat noch offenherziger geantwortet. Damals kam heraus, dass die Diskrepanz zwischen Parkausweisen und Stellplätzen in Ottensen besonders dramatisch war: In der Ausweiszone 106 „Am Fischerspark“ etwa hatten damals 2273 Anwohner einen Ausweis, es gab aber nur 1264 Stellplätze. Ähnliche Situation am „Alma-Wartenberg-Platz“: 2659 Autofahrern mit Anwohnerausweis standen 1752 Parkplätze gegenüber.