Ottensener Kult-Kneipe: Das ist dran an den Abriss-Gerüchten
Die rauschende Abschiedsparty ist schon einige Wochen her, das „Aurel“ im Herzen von Ottensen steht leer, „Ciao, Amore Mio“ steht auf den Fensterscheiben. Die Häuser rund um die historische Eckkneipe werden demnächst abgerissen für moderne Mietshäuser. Das „Aurel“-Gebäude selbst hingegen soll entkernt, die Fassade aber erhalten bleiben, so die Planung. Doch nun macht ein beunruhigendes Gerücht die Runde im Quartier.
Die im Viertel heißgeliebte charakteristische rote „Aurel“-Fassade mit den blauen Fensterläden soll nun doch verschwinden, wird im Viertel kolportiert. Die MOPO sprach mit einem Bausachverständigen, erfuhr von uraltem dänischen Mörtel, von Statikern mit Sorgenfalten – und von dem, was nun geplant ist mit dem Haus, in dem seit dem Jahr 1860 Gäste bewirtet werden.
Fassade kann nicht im Original erhalten bleiben
Als in der Kneipe an der Bahrenfelder Straße Ecke Nöltingstraße die ersten Biere ausgeschenkt wurden, standen die USA vor dem Bürgerkrieg und im einstigen Dorf Ottensen wurden Fabriken und Arbeiterhäuser gebaut – nach dänischen Bauvorgaben, denn Altona gehörte zu Dänemark.
Das muss man wissen, um die Überraschung zu verstehen, die bei Probebohrungen an der alten Fassade ans Licht kam: „Beim Bau wurden nicht einmal die Vorschriften aus dem Jahr 1860 eingehalten“, sagt Ingenieur Thomas Möller vom Büro P3, den die Erbengemeinschaft des Gebäudeensembles als „Bauherrenvertreter“ engagiert hat: „Es war zu wenig Bindemittel im Mörtel, der nun aus allen Fugen bröckelt.“ Risse, von denen man hoffte, sie seien nur im Putz, reichten tief ins Mauerwerk. „Der Prüfstatiker hatte Sorgenfalten“, so Möller.
Die Folge: Das Vorhaben, die Fassade des Eckhauses im Original zu erhalten, kann nicht verwirklicht werden. Es gibt aber einen Plan B: „Die vordere Schrägwand bleibt stehen und die Seitenwände werden originalgetreu neu aufgebaut, vielleicht können wir sogar die alten Ziegel retten“, so Möller: „Die Optik bleibt also erhalten, so wie es der Baugenehmigung entspricht.“
Die genehmigten Pläne zeigen vierstöckige Neubauten, die das kleine Kneipenhaus einrahmen. In zwei Jahren soll das „Aurel“ wieder hinter der neuen alten Fassade einziehen.
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34 Mietwohnungen will die Erbengemeinschaft bis Anfang 2027 hier am Alma-Wartenberg-Platz hochziehen lassen, 20 davon gefördert, also mit günstiger Miete – vielleicht ein Trost für zwei Jahre Baustellenverkehr in dem eng bebauten Stadtteil. Eigentlich hätte der Abriss der umliegenden Gebäude bereits im Januar 2025 beginnen sollen, die Arbeiten wurden aber auf März verschoben, weil erst dann die beiden letzten verbliebenen Mieter in Ersatzwohnungen umziehen können.
Insgesamt waren in dem alten Gebäudeensemble 17 Wohnungen, die Kneipe, ein winziger Blumenladen und ein Pennymarkt untergebracht. Der Blumenladen hat bereits einen neuen Standort am nahen Spritzenplatz gefunden und anstelle des Discounters wird ein Drogeriemarkt in den Neubau einziehen.