„Kommt nach Hamburg!“ Expertin ruft zur Demo für den Wolf auf
Der Hamburger Wolf soll wieder in die Freiheit entlassen werden, fordern Tierschützer von der „Aktion Fairplay“ und haben für den Ostersonntag ab 15.30 Uhr eine zweistündige Kundgebung am Jungfernstieg angemeldet. Zu den Unterstützerinnen gehört die renommierte Wolfsexpertin Tanja Askani vom Wildpark Lüneburger Heide.
„Michel“ haben die Aktivisten das Jungtier getauft, nach Hamburgs Wahrzeichen. Derzeit wartet der Wolf in der Wildtier-Auffangstation Sachsenhagen (Landkreis Schaumburg) darauf, dass die Menschen über sein weiteres Schicksal entscheiden. Zur Diskussion unter Experten, Lobbyisten und Politikern stehen die Tötung und die Auswilderung. Ein Wildtier dauerhaft in Gefangenschaft zu halten, gilt als nicht tierschutzgerecht.
Wolfsexpertin Tanja Askani gehört zum „Team Freiheit“. Sie unterstützt die Demo, zu der die Veranstalter laut Polizei rund 50 Teilnehmer angemeldet haben. Motto: „Freiheit für Wolf Michel und gegen die Jagd auf Wölfe.“ Auf ihrem Facebook-Profil teilt Askani den Aufruf und appelliert: „Kommt nach Hamburg. Kommt für den jungen Wolf. Kommt für eine Zukunft, in der wir lernen, mit der Natur zu leben – nicht gegen sie.“
Das Tier war am vergangenen Wochenende zunächst in Blankenese gesichtet worden, hatte einige Tage später in einer kleinen Einkaufspassage in Altona eine Frau verletzt und war kurz darauf von der Polizei entkräftet aus der Binnenalster gefischt worden.
Askani: „Wolf hat nicht zugebissen“
„Dieses konkrete Jungtier hat selbst in einer extremen Ausnahmesituation, die durch eine Verkettung unglücklicher Umstände entstanden ist, nicht zugebissen“, sagt Tanja Askani. „Nach aktuellem Stand kam es vermutlich zu einer Verletzung durch Pfote oder Krallen. Solche Verletzungen können im Umgang mit Tieren grundsätzlich vorkommen – nicht nur bei Wildtieren.“

Der junge Wolf habe während seiner tagelangen Irrwanderung durch die Stadt gezeigt, dass er Menschen eigentlich meiden wollte, so Askani: „Wichtig ist, Abstand zu halten und ein Tier nicht zu bedrängen oder zu verfolgen, damit es selbstständig einen Ausweg finden kann.“ Die angegriffene Frau hatte offenbar versucht, den Wolf aus der Einkaufspassage zu leiten, wobei sie Verletzungen im Gesicht erlitten hat. Sie wurde im UKE behandelt, konnte das Krankenhaus danach aber wieder verlassen.
„Wolf wird sich zukünftig fernhalten“
Dass Wolf „Michel“ für Menschen noch einmal zur Gefahr werden kann, hält Askani für unwahrscheinlich: „Man kann mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen: Dieser junge Wolf wird sich künftig – ebenso wie seine mögliche spätere Familie – von Menschen fernhalten. Die Erfahrungen in Hamburg waren für das Tier mit großer Sicherheit extrem belastend und traumatisierend.“
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Askani, die mehrere Rudel zahmer Wölfe im Wildpark Lüneburger Heide betreut, widerspricht damit dem niedersächsischen Wolfsbeauftragten, der das Tier als „möglichen Wiederholungstäter“ einstuft. Askani: „Ein Blick in andere europäische Länder zeigt, dass selbst Wölfe, die nach Zwischenfällen oder längeren Aufenthalten in Tierkliniken wieder ausgewildert werden, in der Regel unauffällig bleiben und ein normales, scheues Verhalten entwickeln.“
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