Ostermarsch: Friedensbewegung in Hamburg von Rechten unterwandert?
Friedenstauben und Peace-Zeichen: Am kommenden Montag demonstrieren wie jedes Jahr beim traditionellen Ostermarsch tausende Hamburger für eine friedliche Welt. Doch dieses Mal bröckelt der Zusammenhalt: Das Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) warnt vor einer Unterwanderung durch rechte Gruppierungen.
In einem Offenen Brief wirft das Bündnis dem Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung als Veranstalter des Ostermarsches vor, es würde seine „Flanke nach Rechts“ hin offenhalten.
Bündnis gegen Rechts warnt vor Rechtsextremisten auf Ostermarsch
Als Beleg dafür führt die Organisation an, dass die letzte Kundgebung des Forums am 13. März unter dem Titel „Hands off Iran“ von dem verschwörungsgläubigen, rechtsoffenen Verein „Umehr e.V.“ beworben worden sei. So hatte der vom Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz als extremistisch eingestufte „Umehr“ (Abkürzung für „United Movement For Equal Human Rights“) in seiner Zeitung „Der Aufstand“ zu der Kundgebung eingeladen.

Und nicht nur das: Der vom Bündnis als „Wortführer von ‚Umehr‘“ bezeichnete Andreas Padelt habe sogar seinen Camper als Lautsprecherwagen zur Verfügung gestellt und damit die Demonstration angeführt. Auch jetzt bewerbe „Der Aufstand“ den Ostermarsch am 6. April in Hamburg.
„Eine Friedensbewegung sollte nicht mit rechtsoffenen Verschwörungsgläubigen zusammen demonstrieren, die vor wenigen Jahren noch Demonstrationen veranstalteten und Ordnerdienste bei den sogenannten ,Kunsthallen-Demonstrationen‘ leisteten, wo auch die AfD-Fraktion und ein Block von NPDlern und anderen Neonazis vollkommen unbehelligt mitmarschieren durften“, heißt es in dem Offenen Brief des HBgR.
Hamburger Bündnis gegen Rechts fordert Distanzierung von Umehr
Weitere Vorwürfe, die das Bündnis erhebt, betreffen den Antikriegstag am 1. September. Dort war der neofaschistische Youtuber Eliyah Tabere auf dem Lautsprecherwagen des „Hamburger Forums“ mitgefahren und hatte dabei die Demo gefilmt. Und schließlich habe das Forum auf verschiedenen Demos Ordner aus dem Querdenker-Spektrum beschäftigt.
„Wir fordern Euch auf: Distanziert Euch öffentlich von Umehr e.V. und seinen Tarnvereinen. Es würden sicher mehr Antimilitarist:innen kommen, wenn endlich von Euch klargestellt würde, dass keine rechtsoffenen und verschwörungsgläubigen Organisationen mitdemonstrieren sollen, die noch vor wenigen Jahren AfDler und Neonazis auf ihren Aufmärschen schützten“, schreibt das Bündnis in seinem Offenen Brief an das Forum.
Hamburger Forum: „Wir sind Antifaschisten“
Das wiederum weist die Vorwürfe entschieden zurück: „Alles Quatsch“, schimpft Markus Gunkel, promovierter Historiker und seit mehr als 40 Jahren aktiv in der Friedensbewegung beziehungsweise im Hamburger Forum. Bei den Vorwürfen handele es sich um „unsachliche Behauptungen“, die einen inhaltlichen Dissens hinsichtlich des Engagements für den Frieden zum Hintergrund hätten.
„Wir sind Antifaschisten“, betont Gunkel. „Bei uns gibt es keine Rechtsradikalen.“ Der Verein „Umehr“ sei ihm nicht bekannt und sei auch nicht beim Ostermarsch am kommenden Montag dabei. Bei der Auftaktkundgebung um 12.30 Uhr am S-Bahnhof Landwehr beziehungsweise der Abschlusskundgebung auf der Langen Reihe, Carl-von-Ossietzky-Platz, zwischen 15 und 17 Uhr gehe es darum, gegen den „Kriegskurs der Bundesregierung, die unser Land ,kriegstüchtig‘ machen will“, zu protestieren. Auch die Unterstützung Israels mit Rüstungsgütern sei unter anderem Teil des Protests, ebenso wie die aus Sicht des Forums fehlende Distanzierung von der „Machtpolitik der USA“.
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Von einer Zersplitterung der Friedensbewegung will Gunkel nichts wissen. „Die Vorwürfe treffen uns sehr, denn sie kommen zum Teil von alten Bekannten.“
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