Olympia in Hamburg: Große Chance oder zu hohes Risiko?
Hamburgs schärfster Konkurrent München greift nach den Olympischen Spielen. Die Bürger der bayerischen Landeshauptstadt haben sich deutlich für eine Bewerbung ausgesprochen. Die Hürde einer Bürgerbefragung steht der Hansestadt noch bevor – an ihr scheiterte sie schon einmal. Befürworter Steffen Rülke, Leiter des Olympia-Vorprojekts für Hamburg, ist davon überzeugt: Das Votum aus München „gibt Rückenwind“. Gegner Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative „NOlympia“, sagt: Das Projekt ist „zu groß für Hamburg“. Die MOPO zeigt die wichtigsten Argumente beider Seiten.
66,4 Prozent der wählenden Bürger sagten in München „Ja“ zu den Spielen. Die Beteiligung am Olympia-Entscheid war außergewöhnlich hoch. „Ein Zeichen des Aufbruchs und der Zuversicht“, sagt Rülke. Es zeige Deutschlands positive Haltung zu Olympia. Eckart Maudrich von „NOlympia“ ist davon nicht überzeugt: „Die Spiele überfordern Hamburg.“
Hamburg plant, wie auch München, Berlin und die Region Rhein-Ruhr, eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 gemäß den Vorgaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die Hamburger Bürger entscheiden am 31. Mai 2026, ob die Hansestadt tatsächlich ins Rennen geht.
Olympia in Hamburg: Auswirkungen auf Stadtentwicklung und Sportstätten
Hamburg soll Spiele „ohne Gigantismus“ bekommen, sagt Steffen Rülke. „Die Spiele passen sich der Stadt an. Dabei können wir auf das bauen, was da ist.“ Das heißt zum Beispiel Freiwasserschwimmen in der Außenalster, Gewichtheben im CCH oder Fechten in den Messehallen. Rülke sagt klar: „Keine teuren Neubauten nur für die Spiele“. Geplant ist aber eine neue Leichtathletikarena mit Platz für bis zu 60.000 Zuschauer, die später als neues Stadion für den HSV dienen soll. Die Athleten würden in der Science City Bahrenfeld unterkommen, deren Bau schon vor Olympia angedacht war.
Maudrich hält dagegen: „Das Stadion braucht niemand, der HSV hatte in seinem Geschäftsbericht angegeben, dass sein Stadion noch bis 2051 genutzt werden kann.“ Entsprechend komme das neue Stadion zu früh. Das Olympische Dorf in der Science City findet er auch wenig überzeugend. In den 2040er Jahren sollte hier ohnehin ein neues Quartier mit rund 3800 Wohnungen entstehen. Maudrich wundert sich, was mit den Wohnungen passiert, wenn Hamburg schon die Spiele 2036 oder erst 2044 bekommen sollte. „Auch die Mieten in Hamburg werden steigen“, ist er sich sicher. „Schon die Bewerbung kann für Vermieter ein Grund sein, um einen Extra-Euro zu verlangen.“
Wie nachhaltig sind Olympische Spiele in Hamburg?
Rülke verweist auf Paris: Dort konnte der CO2-Ausstoß während der Olympischen Spiele im Vergleich zu London 2012 und Rio 2016 mehr als halbiert werden. Hamburg plant noch ehrgeiziger: Die Spiele sollen klimapositiv sein, also mehr Emissionen einsparen, als sie erzeugen. Dafür sollen bestehende Sportstätten genutzt und kurze Wege zwischen Austragungsorten sichergestellt werden. 96 Prozent der Sportstätten sollen in unter 15 Minuten von einer ÖPNV-Haltestelle erreichbar sein.
Maudrich bezeichnet die Olympischen Spiele als „Einmal-Wegwerf-Event“. Sie entsprächen nicht dem Mindset nachhaltiger Stadtentwicklung. Der Bau des neuen Stadions und die Durchführung des Events würden zu viele Ressourcen verschlingen. Zudem profitierten Kinder und Vereine in der Nachbarschaft langfristig kaum von der geplanten Arena.
Kosten für Olympia in Hamburg: Finanzielle Planung und Ausgaben im Überblick
Bisher liegen für Hamburg noch keine genauen Kostenschätzungen für die Olympia-Bewerbung vor. Erste Zahlen sollen im Februar 2026 nach Gesprächen mit dem IOC bekannt gegeben werden. Allein für die Bewerbung um die Olympischen Spiele will die Stadt bis zu neun Millionen Euro zur Verfügung stellen. Für das Olympia-Referendum sind noch einmal bis zu sieben Millionen veranschlagt.
Beim Referendum 2015 spielten die Kosten eine zentrale Rolle: Die Schätzung lag bei 11,2 Milliarden Euro. Hamburg konnte lediglich 1,2 Milliarden Euro tragen und hoffte auf Bundesmittel, ohne feste Zusagen. Diesmal setzt die Stadt auf die klare Vereinbarung im Koalitionsvertrag der Bundesregierung, um die Spiele nach Deutschland zu holen.
Maudrich bleibt skeptisch und sieht hohe Kosten auf die Stadt zukommen: „Hamburg hat die finanziellen Möglichkeiten als kleiner Stadtstaat nicht, die beispielsweise München in Bayern oder die Städte im Ruhrpott haben. Berlin ist natürlich auch nicht toll positioniert, aber immer noch größer als Hamburg.“
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Die Veranstalter der Spiele in Paris haben ein operatives Plus von rund 76 Millionen Euro erzielt. Geld, das der Sportszene vor Ort zugutekommen kann, wie die Befürworter aus Hamburg anführen. Für die öffentliche Hand stiegen die Kosten jedoch, unter anderem wegen hoher Sicherheitsausgaben. Nach Schätzungen des französischen Rechnungshofs waren es etwa 6,6 Milliarden Euro.
Olympia: „Ja“ oder „Nein“? In den kommenden Wochen wird die Stadt in jedem Hamburger Bezirk Informationsveranstaltungen anbieten, bei denen die Bürger sich selbst vor Ort ein Bild des Projekts machen und eigene Ideen einbringen können.