Öffentlicher Dienst: Was verdienen die Streikenden eigentlich?
Sie arbeiten in sicheren Jobs als Angestellte der Stadt in Kitas und Krankenhäusern, in Behindertenwerkstätten und in Flüchtlingsunterkünften, in der Staatsoper und am Flughafen, bei der Stadtreinigung und im Hafen – aber was verdient man eigentlich beim Öffentlichen Dienst? Viel zu wenig, sagt die Gewerkschaft Verdi und fordert acht Prozent mehr Geld. Und drei Tage mehr Urlaub. Die Stadt Hamburg (und alle anderen Kommunen sowie der Bund) ächzt unter Chaos am Flughafen und nicht abgeholten Mülltonnen, aber die Verhandler bleiben hart: „Das können wir nicht bezahlen“. Hier ein paar aktuelle Gehälter.
Gefühlt jeden Tag diese Horrormeldungen: Siemens streicht 6000 Jobs, Audi 7.500, VW gleich 35.000 – diese Angst muss man im Öffentlichen Dienst und als Beamtin nicht haben. Dazu gab es jüngst üppige Steigerungen: „Im Durchschnitt steigen die Gehälter der Länderbeschäftigten während der Laufzeit um mehr als elf Prozent“, so Verdi im Dezember 2023, als die Gewerkschaft nach mehreren Streiks 3000 Euro Inflationsausgleich (steuerfrei), außerdem pauschal 200 Euro mehr im Monat und zusätzlich seit Februar 2025 eine Gehaltserhöhung von 5,5 Prozent erstritt. Damals ging es um die Angestellten der Länder, das sind etwa Feuerwehrleute, Angestellte im JobCenter und Behördenmitarbeiter. Weil auch Beamte und Pensionäre die Sonderzahlungen und Erhöhungen bekommen haben, zahlt Hamburg alleine für diesen Länder-Tarifvertrag über drei Jahre insgesamt 920 Millionen Euro zusätzlich an Personalkosten.
Es geht um 45.000 Beschäftigte in Hamburg
Und nun streiken die schon wieder? Nicht ganz. Jetzt streiken andere. Denn: Bei den derzeitigen Verhandlungen geht es um die Gehälter von etwa 45.000 Tarifbeschäftigten in Hamburg (alleine 23.600 Angestellte im UKE und bei Asklepios), die über den Tarifvertrag für die Arbeitsrechtliche Vereinigung Hamburg e.V. bezahlt werden. Und um 5000 Beamte. Um besonders die unteren Lohngruppen zu bedienen, soll die Erhöhung mindestens 350 Euro im Monat betragen. Die Einstiegsgehälter der verschiedenen Berufsgruppen (Quelle: Verdi):
| Berufsgruppen | Einstiegsgehalt |
| Stadtreinigung Müllwerker und Straßenreiniger | ab 2802,62 Euro (plus Zuschläge) |
| Krankenhäuser Pflegefachkräfte | ab 3304,69 – 3490,40 Euro (höchste Stufe: 6552 Euro) |
| Kitas Erzieher und Erzieherinnen | ab 3371,39 Euro (höchste Stufe: 6366 für Heimleitungen) |
| Hamburg Port Authority (HPA) Techniker:innen | ab 2928,99 Euro |
| Verwaltung | ab 3042,64 Euro |
| Sozialpädagoginnen und -pädagogen | ab 3697,55 Euro (leitende Position bis zu 5424 Euro) |
Schiffsführer bei der Hadag steigen mit 3.800 Euro ein, das Gehalt steigt bis auf 4100 Euro. Die Verdi-Forderungen „passen überhaupt nicht in diese Zeit“, sagt die Verhandlungsführerin der kommunalen Arbeitgeber. Acht Prozent mehr Lohn und Beamtenbesoldung, das würde den Staat rund 15 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Angebot der Arbeitgeber: 5,5 Prozent mehr, ein höheres 13. Gehalt, aber keinen zusätzlichen Urlaub.
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Laut statistischem Bundesamt sind die Löhne in Deutschland im Jahr 2024 um 5,4 Prozent gestiegen. Abzüglich der Inflation von 2,2 Prozent bleiben real 3,1 Prozent mehr im Portemonnaie. In Hamburg liegt die Reallohnsteigerung im vergangenen Jahr sogar bei vier Prozent, das ist der stärkste Reallohnanstieg in einem Jahr seit fast 20 Jahren.