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Notstand in Krankenhäusern: Über 4000 Kräfte fehlen – Hamburgs Pfleger machen ernst

Demonstration gegen Pflegenotstand

Nach Angaben des Veranstalters protestierten 1500 Menschen gegen den Pflegenotstand. Sie zogen mit Transparenten und Bannern von St. Georg zum Gänsemarkt.

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RUEGA

4200 Pflegekräfte fehlen laut Berechnungen von Verdi allein in Hamburgs Krankenhäusern. Dass auf dem Rücken des Personals gespart wird, will das Pflegenotstandsbündnis nicht mehr länger hinnehmen – am Sonnabend zogen Hunderte Betroffene mit Transparenten vom AK St. Georg zum Gänsemarkt.

Düsseldorf, Essen, Berlin – bald Hamburg? In vielen Städte sind in diesem Jahr bereits Pflegekräfte in den Ausstand getreten. Soweit ist es in Hamburg noch nicht. Die Umstände sind trotzdem nicht besser als an anderen Kliniken im Land.

Sina aus Schenefeld

Sina (23) aus Schenefeld ist noch in der Ausbildung, spürt aber schon die immense Belastung: „Ich liebe meinen Beruf, aber unter diesen Bedingungen weiß ich nicht, wie lange ich durchhalte.“

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RUEGA/ Ruediger Gaertner

Laut Polizei sind an diesem verregneten Sonnabend 700 Menschen dem Aufruf des Bündnisses für mehr Personal im Krankenhaus gefolgt. Die Veranstalter sprechen von etwa 1500 Teilnehmern. Die Demonstranten zogen von der Asklepios Klinik St. Georg über die Mönckebergstraße zur Abschlusskundgebung am Gänsemarkt.

Florian Stender vom Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus bringt die Forderungen der anwesenden Pfleger auf den Punkt: „30.000 Hamburger haben nicht aus Spaß für mehr Personal gestimmt. Wir demonstrieren dafür, dass der Volksentscheid schnell umgesetzt wird.“

Florian aus Altona

Florian Stender (43) aus Altona: „Wir demonstrieren dafür, dass der Volksentscheid in der Hamburgischen Bürgerschaft schnellstmöglich umgesetzt wird.“

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RUEGA/ Ruediger Gaertner

Der 43-Jährige Mitarbeiter einer Krankenkasse und seine Mitstreiter fordern eine bedarfsorientierte Pflege. „Die Kernfrage, wie viel Personal es braucht, wird gar nicht gestellt, stattdessen wird nur immerzu von Untergrenzen gesprochen", so Stender. Bund und Länder wollen ab 2019 verpflichtende Untergrenzen für intensivmedizinische und geriatrische Stationen einführen. Diese Forderungen gehten dem Hamburger Pflegepersonal nicht weit genug. „Für jeden Tag, für jede Station muss der Personalbedarf individuell ermittelt werden“, so Stender, „die technischen Möglichkeiten dazu gibt es.“

Anne aus Hohenfelde

Anne (34), Krankenschwester aus Hohenfelde, hat eine klare Botschaft: „Mehr Personal rettet Leben“.

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RUEGA/ Ruediger Gaertner

Unterstützung bekommen die streitbaren Pfleger von Menschen aus anderen Berufen. Holger Griebner ist Sozialarbeiter: Mit einem selbst gebauten Fahrradanhänger ist er auf der Pfleger-Demo dabei. Für den Friedensaktivisten ist klar: „Pflege rettet – Rüstung tötet“.

Das Bündnis möchte durch die Demonstration die Hamburgische Bürgerschaft in die Pflicht nehmen. Eine Änderung des Hamburgischen Krankenhausgesetzes wird gefordert, denn auf Berlin will sich niemand verlassen. Ob SPD-Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks da mitspielt, ist fraglich: Die SPD-Frau will die Entscheidung Bundesgesundheitsminister Jens Spahn überlassen.

Holger aus Schnelsen

„Jeder Euro, der für Militär ausgegeben wird, fehlt in der sozialen Infrastruktur“, so Holger (64), Sozialarbeiter aus Schnelsen. Für ihn ist klar: „Pflege rettet – Rüstung tötet“.

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