Noch ein Krankenhaus vor dem Aus! Klinik im Hamburger Westen schließt
Und noch ein Krankenhaus in Hamburg schließt! Nach dem Aus für die Traditionsklinik Groß-Sand in Wilhelmsburg, die zum 30. Juni dichtmacht, ist der nächste Gesundheitsversorger am Ende: Noch in diesem Sommer soll der Betrieb der Klinik Dr. Guth an der Jürgensallee (Nienstedten) eingestellt werden.
Eine offizielle Bekanntmachung gibt es noch nicht. Auf MOPO-Anfrage erklärte die Privatklinik, dass man sich erst am Freitag öffentlich dazu äußern werde. Selbst die Sozialbehörde hat „zu einer beabsichtigten Schließung bislang keine offizielle Information“, so ein Sprecher zur MOPO. Laut „Hamburger Abendblatt“ wurden aber zumindest die Chefärzte am Dienstagabend bereits über die bevorstehende Schließung informiert.
Klinik Dr. Guth in Nienstedten soll im Sommer geschlossen werden
Die Schließung der Klinik in den Elbvororten wäre eine schmerzhafte Fortsetzung des Krankenhaussterbens in der Hansestadt und würde eine weitere Lücke in der Gesundheitsversorgung reißen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1965 hat sich die von dem Mediziner Dr. med. Gerhardt Guth gegründete Klinik zu einem „modernen, leistungsfähigen Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung entwickelt“, wie es auf der Webseite heißt.
In den Fachabteilungen wie Chirurgie mit Schwerpunkten in Allgemein-, Fuß-, Hand-, Gefäß-, plastischer und ästhetischer Chirurgie sowie Innerer Medizin mit Schwerpunkten in Gastroenterologie und Rheumatologie oder Anästhesiologie werden jährlich 3000 Patienten behandelt. Mehr als 130 Mitarbeiter sind in dem Haus beschäftigt. Sie bangen jetzt um ihre Jobs und äußern diese Sorge bereits in den sozialen Medien.
Die CDU-Bürgerschaftsfraktion wertet die Schließung daher als eine „schwere Belastung für den Gesundheitsstandort“ und sieht eine „erhebliche Verunsicherung bei den Beschäftigten und Patienten“.
CDU-Bürgerschaftsfraktion: „Hiobsbotschaft für den Gesundheitsstandort Hamburg“
„Die völlig überraschende Schließungsankündigung der Klinik Dr. Guth wäre eine weitere Hiobsbotschaft für den Gesundheitsstandort Hamburg“, erklärte Christin Christ, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Dass die Gesundheitsbehörde über die bevorstehende Schließung nicht informiert war, wertet Christ als „ein alarmierendes Maß an fehlender Kommunikation und fehlender Vorsorge im Senat“.
Der Wegfall des medizinischen Angebots im Hamburger Westen ist aus Sicht der CDU ein „herber Schlag“. Christin Christ fordert: „Der Senat muss jetzt unverzüglich in Gespräche mit dem Träger eintreten, um alle Möglichkeiten auszuloten, den Standort zu erhalten oder zumindest eine tragfähige Lösung für die Versorgung zu sichern. Es darf nicht sein, dass ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung quasi über Nacht verschwindet.“
Die Sozialbehörde weist die Kritik zurück. „Es besteht keine Versorgungslücke. Die Praxisklinik Dr. Guth ist eine Fachklinik, besonders im Bereich der Fußchirurgie. Weitere besondere Alleinstellungsmerkmale im Kontext der Hamburger Krankenhauslandschaft bestehen nicht“, so der Sprecher. Die Klinik sei mit ihren 52 Betten „vergleichsweise klein“. Und: „Eine Teilnahme an der Notfallversorgung erfolgt nicht.“
Hamburger Sozialbehörde: „Es besteht keine Versorgungslücke“
Der Behördensprecher weist darauf hin, dass im direkten Umfeld der Klinik mit dem Asklepios Westklinikum, dem Krankenhaus Tabea und dem AK Altona „sehr leistungsfähige Alternativen zur Verfügung“ stünden. „Im Falle einer Schließung wird die Versorgung durch andere Hamburger Krankenhäuser übernommen“, erklärte der Sprecher. „Da es sich überwiegend um planbare, nicht dringliche Eingriffe handelt, lassen sich diese innerhalb der gut aufgestellten Hamburger Krankenhauslandschaft problemlos verteilen.“
Hat das Krankenhaussterben etwas mit der bevorstehenden Krankenhausreform zu tun? Noch vor zwei Jahren hatte Sozial- und Gesundheitssenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) sich sicher gezeigt, dass die unter dem damaligen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach beschlossene Reform nicht zu Klinikschließungen in Hamburg führen würde. Im Gegenteil: Spezialisierungen könnten Hamburg auf dem Weg zur Gesundheitsmetropole eher stärken, sagte sie damals.
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Die Klinik Dr. Guth mit weiteren Standorten in Timmendorfer Strand und Karlsburg steckt wohl schon seit Längerem in finanziellen Schwierigkeiten. So soll es zuletzt Verhandlungen zur Übernahme durch einen Investor gegeben haben. Seit Januar ist das Klinikum Karlsburg Teil der Universitätsmedizin Greifswald (UMG). Mit der Fusion ging die Trägerschaft von der Klinikgruppe Dr. Guth auf die UMG über.