„Nicht für Extremwetter“: Stadtreinigung verteidigt geschrumpften Winterdienst
Noch 2019 setzte die Stadtreinigung 900 Mitarbeiter für den Winterdienst ein, derzeit sind es nur noch 728 Angestellte, die für die Räumung von Fahrbahnen und Velorouten zuständig sind. Ist der Personalabbau der Grund für die glitschigen Bushaltestellen und die schlecht geräumten Radwege, die viele Hamburger nerven? Die Verantwortlichen bei der Stadtreinigung verteidigen die Strategie.
Seit wenigen Tagen erst ist Daniela Enslein Sprecherin der Geschäftsführung bei der Stadtreinigung Hamburg und erlebt die Stadt gleich im Ausnahmezustand: „Sechs Volleinsätze in Folge, das gab es seit Jahren nicht“, sagte Enslein auf der Landespressekonferenz: „In normalen Jahren haben wir sieben im gesamten Winter.“ Ein „Volleinsatz“ heißt: Die Stadtreinigung rückt mit 728 Einsatzkräften aus.
Winterdienst „nicht für Extremwetterlage geplant“
Noch 2019 waren es 900 Personen – warum ist der Personalstamm für den Winterdienst so abgeschmolzen? Fabian Fehn, Leiter der Geschäftseinheit Reinigung und Winterdienst, verweist auf den technischen Fortschritt: „Wir können jetzt mit weniger Personal mehr Kilometer räumen.“ Statt per Hand und mit viel Muskelkraft würden jetzt etwa Radwege mit kleinen Fahrzeugen geräumt: „Das ist für das Personal sehr viel schonender.“ Der demografische Wandel sei eben auch bei der Stadtreinigung zu spüren.
Daniela Enslein verweist außerdem auf die Kosten: „Der Winterdienst wird für einen durchschnittlichen Winter im Haushalt eingeplant, nicht für Extremwetterlagen.“
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Die Kosten für den Winterdienst sind trotz des Personalschwundes aber gestiegen: Im November 2025 teilte der Senat auf Anfrage der CDU mit, dass die Stadt 2019 rund 12 Millionen Euro fürs Räumen und Streuen gezahlt hat und 2023 knapp 12,5 Millionen Euro. Die CDU nutzt die Glätte zur Kritik am Senat: „SPD und Grüne müssen die Kräfte bei der Stadtreinigung zügig verstärken und weitere Räumfahrzeuge einsetzen“, so Fraktionschef Dennis Thering: „So unvorbereitet darf Hamburg in keinen Winter mehr gehen!“
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