• Foto: Quandt/ Florian Quandt

Neues Corona-Zentrum auf dem Kiez: Erst testen, dann Weihnachten feiern?

St. Pauli –

Die Großeltern umarmen, mit Freunden einen über den Durst trinken und sich singend in den Armen liegen, mit Kollegen im Büro arbeiten und gemeinsam die Mittagspausen im Restaurant um die Ecke verbringen – aktuell erleben wir genau das Gegenteil. Die Corona-Pandemie hat uns im November in den nächsten Lockdown katapultiert. Zwei Unternehmer aus Hamburg wollen mit ihrer Idee eine Rückkehr in die Normalität ermöglichen – und das möglichst schon ab nächster Woche.

Der IT-Unternehmer Heiko Fuchs und Axel Strehlitz, Geschäftsführer des Klubhauses auf St. Pauli, haben eine Strategie entwickelt, mit der zumindest das Leben im privaten Raum wieder normaler werden könnte. Mitten auf der Reeperbahn zwischen den „Tanzenden Türmen“, dem „Panoptikum“, Clubs und Imbissbuden befindet sich das neue Testzentrum. Die MOPO durfte sich die Räumlichkeiten vorab anschauen. 

Unterschied zu anderen Corona-Test-Stationen in Hamburg

Der Eingang der Teststation befindet sich gegenüber des „Panoptikums“. In einem weißen, länglichen Zelt befindet sich der Wartebereich.

Von dort gelangt der Proband in einen blauen Container. Darin wird ein Mitarbeiter in einem kastenartigen Raum sitzen und die Identität der Person durch eine Glasscheibe prüfen. Auch dort sollen dann die Tests stattfinden. Klingt erstmal ganz normal – die Station auf dem Spielbudenplatz unterscheidet sich dennoch von anderen. 

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„Für nur 24,95 Euro können sich Hamburger auf das Coronavirus testen lassen. Das Ergebnis erhalten die Getesteten 24 Stunden später“, erklärt Heiko Fuchs im Gespräch mit der MOPO. Damit seien sie die derzeit günstigsten Anbieter in Hamburg.

Die Hamburger können sich also regelmäßig kostengünstig auf das Virus testen lassen und wissen dann Bescheid, ob sie Großeltern, Freunde, Arbeitskollegen und Co. treffen dürfen. Die zwei Unternehmer haben sich dabei für das zuverlässigere Verfahren entschieden. „Wir wenden das PCR-Testverfahren an und nicht die Schnelltests“, erklärt Strehlitz. 

PCR oder Schnelltest? Corona-Testverfahren im Überblick

Derzeit gibt es laut Bundesministerium für Gesundheit zwei verschiedene Tests in Deutschland: Die PCR-Testung und die Antigen-Tests, die sogenannte Schnelltests. Bei dem PCR-Test wird das Erbmaterial der Viren so stark vervielfältigt, dass es nachgewiesen werden kann, auch wenn es nur in geringen Mengen vorkommt. 

Bei Schnelltests kommt es häufiger vor, dass ein positives Ergebnis angezeigt wird, wenn die Person gar nicht infiziert ist. Deshalb muss ein positives Schnelltest-Ergebnis mittels PCR bestätigt werden. Das Ergebnis eines PCR-Tests ist also zuverlässiger.

Ablauf der Tests auf dem Kiez

Die Proben für beide Testverfahren werden entweder mit einem Stäbchen aus der Nase oder dem Rachen entnommen oder durch Gurgeln einer Kochsalzlösung. Fuchs und Strehlitz haben sich für die angenehmere Variante entschieden. 

Der Corona-Test zum Gurgeln

Der Corona-Test zum Gurgeln

Foto:

Quandt/ Florian Quandt

Der Ablauf ist so: Die Testpersonen bekommen eine Kochsalzlösung, gurgeln diese dann 20 Sekunden und spucken die Flüssigkeit schließlich zurück in das kleine Behältnis, das dann vom Testzentrum in das Labor weitergeleitet wird.  „Wir verwenden keine Stäbchen, mit denen auf unangenehme Art und Weise tief in der Nase oder im Rachen herumgestochert wird. Bei uns verläuft alles schmerzfrei“, so Strehlitz.

Es gäbe keine Verluste in der Sicherheit. Zwar könnten beim Gurgeln mehr Aerosole entstehen als beim Abstrich, dafür sei der Testbereich aber mit einer entsprechenden Lüftungsanlage ausgestattet worden.

Die App „Corona Freepass“ unterstützt das Prozedere

Mit Hilfe der App „Corona Freepass“, die Heiko Fuchs mit seinem Team entwickelt hat, kann der Proband den Stand der Auswertung auf dem Smartphone verfolgen. Spätestens nach 24 Stunden soll ein Ergebnis vorliegen.

Auch die Termine für die Durchführung der Teste können online gebucht werden. So verhindere man eine lange Wartezeit im Testzentrum. Probanden sollen maximal 15 Minuten vor Ort warten müssen, bis sie an der Reihe sind. Auch die Prüfung der Identität erfolge über die App.

Die App „Corona Freepass“

Die App „Corona Freepass“

Foto:

Quandt/ Florian Quandt

Im Laufe der nächsten Woche soll das Testzentrum am Spielbudenplatz auf St. Pauli eröffnet werden. Sollte das Projekt funktionieren, könne man im nächsten Jahr darüber nachdenken, ob sich die Strategie eigne, um sichere Clubbesuche oder ähnliches zu ermöglichen. 

Kein Freifahrtschein für Hamburger

Laut der Sozialbehörde der Hansestadt befreit ein negatives Testergebnis die Betroffenen nicht von einer Maskenpflicht oder dem Abstandsgebot. Eine Einschätzung, ob derartige Konzepte mit Hilfe von Corona-Tests das Feiern wieder ermöglichen könnten, könne aktuell nicht getroffen werden. „Wir befinden uns in einer Phase der Pandemie, in der Zusammenkünfte ein Infektionsrisiko darstellen“, so Martin Helfrich, Sprecher der Sozialbehörde in Hamburg.

„Clubgänge, wie wir sie aus dem vergangenen Jahr kannten, werden gewiss auch zu Beginn des kommenden Jahres 2021 noch nicht in derselben Weise stattfinden können“, erklärt er. Ein Test sei immer nur eine Momentaufnahme – und die Testkapazitäten darüber hinaus gegenwärtig nach wie vor limitiert. „Wir müssen sie da einsetzen, wo sie unbedingt benötigt werden, beispielsweise in Pflegeeinrichtungen, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder bei Verdachtsmomenten in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kita oder Schule, um rasch Gewissheit zu haben“, so Helfrich.

Corona-Tests auf dem Hamburger Kiez: Erster Schritt zur Normalität?

„Im ersten Schritt wollen wir es ermöglichen, dass sich das private Leben normalisiert, also Treffen mit Freunden, das Weihnachtsfest bei der Familie und das Feiern an Silvester“, so Fuchs und Strehlitz. Es gehe nicht darum, ein Freifahrtschein für Partygänger auszustellen, sondern eine Möglichkeit zu schaffen, bedenkenlos die Großeltern in die Arme schließen zu können, sich mit Freunden zu treffen oder wieder einen normalen Arbeitsalltag im Büro erleben zu dürfen. 

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