Neuer Raubfisch breitet sich im Norden aus – auch in Hamburg
Ein neuer Raubfisch verbreitet sich in Norddeutschland: der Wolgazander. Wie er sich vom Zander unterscheidet und was sein Vormarsch für heimische Fische bedeutet, erklärt der Raubfisch-Experte Matthias Emmrich.
Die Fangdaten sind eindeutig: Mit dem Wolgazander breitet sich eine neue Raubfischart im Norden aus. Nach einem ersten Nachweis bei Braunschweig habe der gestreifte Räuber sein Verbreitungsgebiet in Norddeutschland innerhalb von 15 Jahren enorm vergrößert, teilte der Anglerverband Niedersachsen (AVN) mit. Was ist über den Fisch bekannt?
Raubfisch deutlich kleiner als der Zander
Sehr dunkle und kräftige Streifen bis zum Bauch, eine hohe erste Rückenflosse und keine sichtbaren spitzen Fangzähne: So beschreibt der Anglerverband die Merkmale des Raubfisches, die das Tier vom einheimischen Zander unterscheiden. Außerdem erreiche der Wolgazander maximal 65 Zentimeter und bleibe damit weit hinter der Größe des Zanders zurück. Dieser könne in Elbe und Weser weit über einen Meter lang werden und mehr als zehn Kilogramm wiegen.
Wie am Namen erkennbar, liege der natürliche Verbreitungsschwerpunkt des Wolgazanders eigentlich im Osten Europas, teilte der Verband mit und grenzte die Region in etwa vom Ural, über das Schwarze Meer bis nach Ungarn und die Donau aufwärts bis Österreich ein. Die neuen Erkenntnisse hatte der Raubfisch-Experte vom AVN, Matthias Emmrich, zuvor für die „Zeitschrift für Fischerei“ zusammengefasst.
Verband: Erster Nachweis bei Braunschweig
Nach dem ersten Nachweis bei Braunschweig habe der Fisch sein Verbreitungsgebiet in Norddeutschland innerhalb von 15 Jahren enorm vergrößert. „Uns liegen mittlerweile bestätigte Nachweise des Wolgazanders aus elf Gewässern in sechs Bundesländern vor“, sagt Emmrich. Der AVN listet Niedersachsen, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen auf. Einige Funde in der Elbe in Niedersachsen liegen nahe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern.
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Wasserstraßen für Schiffe wie etwa der Mittellandkanal spielen nach Angaben des Biologen Emmrich bei der Ausbreitung eine wichtige Rolle, weil sie ehemals isolierte Flusssysteme verbinden. Eine Besiedlung des westdeutschen Kanalnetzes und des Rheinsystems hält Emmrich daher für sehr wahrscheinlich. Nach Angaben des Anglerverbands konnten bislang über 1.100 Fangdaten und mehr als 200 Wolgazander untersucht werden, um Rückschlüsse auf die Verbreitung zu ziehen.
Experte: Keine Gefahr für heimische Raubfische
In den ersten Lebenswochen ernähren sich Raubfische etwa von Wasserflöhen. Kleinere Grundeln seien anschließend die perfekte Beute. Biologe Emmrich geht nicht davon aus, dass der oft kleinere Wolgazander eine ernste Gefahr für heimische Raubfische darstellt. Schon nach den ersten Funden waren Experten davon ausgegangen, dass der Wolgazander langfristig bleibe, aber keine Gefahr darstelle. (dpa/mp)
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