Neuer Plan für den Hauptbahnhof: Das passiert jetzt mit den Geister-Tunneln

Lichtdurchflutet und mit einer Glas-Anzeige über den Türen: So soll der neue Bahnsteig künftig aussehen.
Lichtdurchflutet und mit einer Glas-Anzeige über den Türen: So soll der neue Bahnsteig künftig aussehen.

30 Meter unter dem Hauptbahnhof liegen sie verborgen: Zwei Geister-Tunnel, die nach mehr als 60 Jahren endlich ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden können. Am Mittwoch präsentierte die Hochbahn den Sieger des Architekturwettbewerbs – aber warum wurden die Bahnsteige in den 60er Jahren überhaupt gebaut und dann einfach zurückgelassen? Für ihre künftige Aufgabe müssen die alten Bahnsteige jedenfalls noch einmal gründlich aufpoliert werden. Wann es mit den Arbeiten losgeht.

Direkt neben den unterirdischen U2/U4-Haltestellen am Hauptbahnhof laufen täglich tausende Fahrgäste an zwei unauffälligen Gitter-Türen vorbei. Dahinter befinden sich zwei fast komplett fertige Zug-Tunnelröhren, die allerdings komplett verlassen sind: Verblichene Zigaretten-Werbung aus den 60er Jahren hängt noch an der Wand, alte Schilder weisen den Weg zum Bieberhaus oder zur (damals noch existierenden) Straßenbahn.

Die alten Schilder im verlassenen U-Bahn-Tunnel am Hauptbahnhof – rechts geht es zur damals noch existierenden Straßenbahn.
Die alten Schilder im verlassenen U-Bahn-Tunnel am Hauptbahnhof – rechts geht es zur damals noch existierenden Straßenbahn.

Die insgesamt vier U-Bahn-Röhren unter dem Hauptbahnhof wurden in den 60er Jahren gebaut – benutzt wurden bis jetzt allerdings nur die beiden mittleren für die U2 und U4. Grund dafür ist die Ölkrise von 1973.

Damals entschied sich der Senat, sämtliche Schnellbahn-Planungen aus Spargründen zu stoppen. Die Entscheidung dafür kam anscheinend sehr kurzfristig, denn die Tunnel waren schon komplett fertig – inklusive Gleisbett. Nur die Schienen fehlen. Die Räume wurde dann immer mal wieder für Kunstaktionen oder Führungen genutzt.

Vier U-Bahn-Röhren wurden in den 60er Jahren gebaut

In Zukunft sollen dort aber tatsächlich U-Bahnen halten – und zwar die Züge der neuen Linie U5. „Das erleichtert und erspart uns wirklich einiges“, erklärte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) am Mittwoch. „Denn sonst hätten wir komplett neue Haltestellen unter den existierenden Fernbahngleisen der Deutschen Bahn bauen müssen.“

Für ihren neuen Zweck müssen die beiden Röhren allerdings noch deutlich aufpoliert werden: Gewonnen hat den dafür ausgeschriebenen Architektenwettbewerb das Büro „blrm“ aus Hamburg. „Der Fußboden muss ausgetauscht werden, es braucht eine Entrauchung und wir wollen den Raum durch mehr Licht und Spiegelung deutlich größer wirken lassen“, erklärt Architekt Jannes Wurps den Entwurf.

Dazu kommen Glastüren, die sich beim Halt der U-Bahn automatisch öffnen. Wurps könnte sich auch einen gläsernen Bildschirm über diesen Türen vorstellen. Dort soll dann die nächste U-Bahn angezeigt werden. „Dann hätten wir eine schilderlose Haltestelle.“

Dieser U-Bahn-Schacht am Hauptbahnhof war für die Nutzung fertig – nur die Schienen fehlten.
Dieser U-Bahn-Schacht am Hauptbahnhof war für die Nutzung fertig – nur die Schienen fehlten.

Zu eng, wie von den Linken immer wieder kritisiert, sei die Haltestelle jedenfalls nicht, betonen die Verantwortlichen. Es gäbe mehrere Durchgänge zu den anderen U-Bahn-Linien, außerdem würden die Züge in einem sehr hohen Takt verkehren: die U5 alle 90 und die U2 und die U4 künftig alle 100 Sekunden.

Los gehen soll es mit den Arbeiten Ende der 20er Jahre. Wie diese genau ablaufen werden, könne man heute noch nicht abschätzen, da dieser U5-Abschnitt erst in der Entwurfsplanung stecke, erklärt U5-Projektleiter Klaus Uphoff. Fest steht, dass die Tunnelröhren an das U5-Netz angeschlossen werden müssen, dessen Strecke unterhalb der U2 und U4 verlaufen wird. Ende der 30er könnten die alten Geister-Tunnel dann in neuem Glanz erstrahlen.

Insgesamt soll die U5 ab 2040 auf einer Strecke von 25 Kilometern von Bramfeld im Osten über den Hauptbahnhof bis zu den Arenen im Westen pendeln. Die Hochbahn rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von 14,5 bis 16 Milliarden Euro sowie 315.000 zusätzlichen Fahrgästen. Seit 2022 wird am ersten Abschnitt im Osten von Bramfeld bis in die City Nord gewerkelt.