Neuer Ärger um Sternbrücke: Sperrung im Sommer dauert länger als geplant

Eine S-Bahn fährt über die Sternbrücke.
Im Sommer 2026 soll die alte Sternbrücke abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Nach Jahren der Planungen, Proteste, Abriss- und Bauarbeiten soll es in diesem Sommer soweit sein: Die Deutsche Bahn will die umstrittene neue Sternbrücke an ihren Platz heben. Für diesen Einbau muss die Straße inklusive Kreuzung vollgesperrt werden – und zwar länger als ursprünglich gedacht. Die Initiative spricht von einem „Horror-Sommer“, vor allem für die Anwohnerinnen und Anwohner.

Nach aktuellen Planungen wird die Max-Brauer-Allee zwischen Stresemannstraße und Schulterblatt vom 26. Juni bis zum 2. September vollgesperrt. Das geht aus einer aktuellen Kleinen Anfrage der Linken-Politikerin Heike Sudmann hervor. Dieser Zeitraum entspricht 69 Tagen oder umgerechnet fast zehn Wochen – dabei hatte die Deutsche Bahn Anfang April noch von voraussichtlich acht Wochen gesprochen.

Neue Sternbrücke: Diese Sperrungen plant die Deutsche Bahn

Neu ist auch: Der Kreuzungsbereich Stresemannstraße/Max-Brauer-Allee wird im Zeitraum vom 17. Juli bis einschließlich 16. August vollgesperrt. Das betrifft die Stresemannstraße im Bereich zwischen Eifflerstraße und Oelkersallee und die Max-Brauer-Allee ab Einmündung bei der Johanniskirche. Die Lippmannstraße und die Langenfelder Straße werden im Zeitraum der Max-Brauer-Allee-Sperrung zu Sackgassen.

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Schlechte Nachrichten gibt es auch für Anwohner, die entlang des Transportweges der Brücke an der Max-Brauer-Allee zwischen Stresemannstraße und Schulterblatt wohnen. Während die 4500 Tonnen schwere Brücke zu ihrem neuen Platz kutschiert wird, müssen sie für voraussichtlich drei Tage ihre Wohnungen verlassen und bekommen von der Deutschen Bahn ein Hotelzimmer gestellt. Ein genauen Zeitpunkt dafür gibt es noch nicht, der soll bis spätestens Anfang Juni kommuniziert werden. Auch die Geschäfte, die sich dort befinden, müssen für drei Tage schließen.

Anwohner müssen für mehrere Tage ihre Wohnungen verlassen

„Im Gespräch bekommen wir eine Menge Frust und Ärger mit“, erzählt Marlies Thätner, Sprecherin der Initiative Sternbrücke, die seit Jahren gegen den Neubau kämpft. „Planungen zu Hochzeiten, Umzügen und Examensfeiern werden über den Haufen geworfen. Die Anwohner:innen treiben ganz praktische Fragen um, zum Beispiel nach Parkplätzen oder Müllabfuhr. Bahn und Stadt müssen ihre Salami-Taktik jetzt ändern, umfassend informieren und sich kurzfristig auf Evakuierungstermine festlegen“, fordert sie.

Ihr Mitstreiter Axel Bühler stimmt zu. „Wir verstehen nicht, dass die Betroffenen an der Sternbrücke so lange im Dunkeln gelassen werde, bis eine vernünftige Vorbereitung auf die massiven Einschränkungen nicht mehr möglich ist.“

Ein Bahnsprecher widerspricht: Die Betroffenen würden so früh wie möglich und transparent eingebunden werden. Parallel werde das final abgestimmte Verkehrskonzept für den Sommer noch mit der Stadt vorbereitet. „Vor diesem Hintergrund können sich sowohl Details als auch Zeiträume noch verändern“, sagt er. Anwohner könnten sich jederzeit an die Projektmailadresse info.sternbruecke@deutschebahn.com wenden. Zudem gebe es ab dem 7. Mai jeden Donnerstag von 16.30 bis 17.30 Uhr eine Sprechstunde im Baubüro an der Ludwigstraße 12. Mit den Gewerbetreibenden sei man im Austausch, „um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“.

Neubau der Sternbrücke sorgt seit Jahren für Zoff

Die alte Sternbrücke wurde 1926 eröffnet, mehr als 900 S-Bahnen, Regional- und Fernzüge fahren täglich darüber. Damit die Verbindung „zuverlässig und fit“ bleibe, brauche es einen Neubau, argumentiert die Bahn. Kritiker, darunter die Initiative Sternbrücke, sprechen von einem „städtebaulichen Skandal“, einer „Monsterbrücke“, die nicht in das dicht bebaute Viertel passe. Immerhin ist der Neubau 108 Meter lang und 25 Meter hoch, um ein Vielfaches höher als die Vorgängerin.

Bauarbeiten an der Sternbrücke: Die Arbeiter tragen Lederkluft, um sich vor den Funken zu schützen.
Bauarbeiten an der Sternbrücke: Die Arbeiter tragen Lederkluft, um sich vor den Funken zu schützen.

Im Juli und August will die Bahn innerhalb von vier Wochen die vorhandene Brücke abreißen, die neue dorthin bugsieren und schließlich einbauen. „Das ist ein sportlicher Zeitraum, aber ich bin optimistisch“, sagte die Projektleiterin im Februar. Für den Schwertransport wird die circa 4500 Tonnen schwere Brücke auf sogenannte „Tausendfüßler“ gesetzt, das sind Fahrzeuge für extrem schwere und sperrige Lasten. Die „pumpen“ die Brücke dann in die entsprechende Höhe, für Kräne ist das Bauwerk viel zu schwer.

Auch dieser Transport ist den Sternbrücken-Kritikern ein Dorn im Auge: Immerhin muss die Bahn 86 Bäume fällen, damit die Fahrzeuge überhaupt durch die Straße kommen. Über 200 Bäume werden dafür an anderen Orten neu gepflanzt.