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Neue Studie zeigt: Die Wahrheit über den Plastik-Wahn

Verpacktes Gemüse im Supermarkt (Symbolbild)

Verpacktes Gemüse im Supermarkt (Symbolbild)

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imago images / Arnulf Hettrich

Man kennt die Bilder von verpacktem Obst und Gemüse beim Discounter. Die Verbraucherzentralen von Hamburg und des Bundes haben nun genau nachgezählt. Das Ergebnis: Zwei Drittel der Waren sind in Plastik gehüllt. Und: Unverpackt kosten Obst und Gemüse meist mehr.

Stichprobenartig wurden 1394 Angebote in Augenschein genommen. Tomaten, Möhren, Paprika, Gurken und Äpfel wurden gezählt. Im Schnitt waren es demnach zwei Drittel der Waren, die noch in Plastik verpackt waren. Allerdings mit deutlichen Unterschieden, je nach Markt.

Discounter sind bei Plastik schlimmer als Supermärkte!

Discounter schlimmer als Supermärkte: Bei Penny (81 Prozent) und Aldi (74 Prozent) waren besonders viele Waren in Plastik verpackt. Bei Edeka etwa sah das mit 48 Prozent schon deutlich besser aus. „Wer allerdings wirklich auf Plastikverpackungen achten möchte, sollte eher auf den Wochenmarkt oder zum Bioladen gehen“, so Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Plastikflut bei Tomaten, Lichtblicke bei Gurken: Am schlimmsten sah es bei Tomaten aus: Im Schnitt waren 78 Prozent in Plastik verpackt. Bei den oft gescholtenen Gurken hingegen gab es Lichtblicke: Sie schnitten mit 43 Prozent am besten ab. Allerdings: Die Verbraucherschützer sehen darin eher eine PR-Maßnahme der Anbieter, die auf den öffentlichen Druck beim Thema Gurken reagierten.

Hilft Plastik nicht gegen Lebensmittelverschwendung? Apropos Gurken: Kürzlich gingen ja Meldungen durch die Presselandschaft, nach denen gerade bei ihnen die Verpackung ökologisch doch sinnvoll sei, weil sie unverpackt leichter kaputtgehen und weggeworfen werden müssen.

Valet empfindet das als perfide Umkehrung der Realitäten: „Dieser Effizienz-Gedanke hilft weder der Umwelt  noch dem Kunden, sondern nur dem Handel.“ Tatsächlich entstünde gerade durch Plastik bei Waren wie Obst oder Karotten meist ein schädliches Klima, das sie schneller verrotten lasse. „Der Handel will  Abläufe optimieren.“ Das sei der eigentliche Grund fürs Plastik.

Warum ist verpacktes Obst oft günstiger?

Unverpacktes Obst und Gemüse meist teurer: Besonders empörte die Verbraucherschützer, dass im Schnitt unverpackte Waren weniger günstig waren als die in Plastik. „Wer umweltfreundlich einkaufen will, darf dafür nicht zusätzlich zur Kasse gebeten werden“, so Michael Knobloch, Vorstand der Hamburger Verbraucherzentrale.

Die Forderungen der Verbraucherschützer: Der Handel müsse nun endlich Ernst machen mit weniger Plastik: „Öffentlichkeits-wirksame Aktionen wie hüllenlose Gurken reichen nicht aus.“ Außerdem müssten Kunden unverpackt einkaufen können, ohne mehr zu zahlen. Und zu guter Letzt solle die Politik sich mit Handel und Herstellern auf eine verbindliche Plastik-Reduktion einigen.