Neue Standorte in Hamburg: Hier kommen Zelte für Asylbewerber hin
Die Stadt stellt ab Januar zusätzliche Schlafplätze für Flüchtlinge und Obdachlose bereit. Drei Standorte hat die Sozialbehörde dafür ausgewählt. Ein festes Dach über dem Kopf werden Schutzsuchende allerdings nicht haben, die Notreserve besteht aus Zelten. „Menschenunwürdig“, kritisiert ein Bezirkspolitiker. Jedoch soll es nicht bei drei Standorten bleiben.
Hamburgs Flüchtlingsunterkünfte sind voll, wieder einmal. Zu fast 98 Prozent sind die Standorte in der Stadt derzeit belegt, wie es von der Sozialbehörde heißt. Und sie könnten noch voller werden: „Aufgrund des anhaltenden Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine sowie weiterer ungelöster Krisen und Konflikte in den Herkunftsländern wird davon ausgegangen, dass weiterhin viele Menschen in Deutschland und Hamburg Schutz suchen“, sagt Sprecherin Stefanie Lambernd.
Notstandorte in Hamburg: Zelte für Flüchtlinge
„Insbesondere der Kriegsverlauf in der Ukraine und die dortige gezielte Zerstörung der Energieinfrastruktur bereiten uns für den kommenden Winter große Sorgen.“ Laut der Behörde ist es daher unerlässlich, mehr Plätze in Unterkünften zu schaffen. Inzwischen ist bekannt, wie das geschehen soll. An drei Standorten in Hamburg werden Notkapazitäten in Form von Zelten aufgebaut.
Vier Zelte für maximal 40 Plätze werden in der Unterkunft an der Wetternstraße (Harburg) aufgebaut, drei weitere Zelte mit 30 Plätzen am Standort an der Stapelfelder Straße (Rahlstedt). Größten Zuwachs erhält im Bezirk Harburg die Unterkunft am Curslacker Neuer Deich: Dort kommen sieben Zelte mit 70 Plätzen hinzu. Die Standorte seien ausgewählt worden, weil es dort genug freie Fläche und schon ausreichend nutzbare Infrastruktur gebe.
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Die Zelte sollen ab Dezember errichtet und ab Januar 2025 betriebsbereit sein. „Es handelt sich jeweils um wintertaugliche, beheizbare Zelte“, sagt Lambernd. Die Sprecherin betont, dass die Kapazitäten nur im äußersten Notfall in Anspruch genommen würden.
Linken-Politiker: Unterbringung ist menschenunwürdig
„Die Unterbringung in Zelten ist menschenunwürdig“, kritisiert der Bergedorfer Bezirksabgeordnete Johann Graßhoff (Linke). Die Unterkunft Curslacker Neuer Deich sei mit 640 Plätzen schon sehr groß, es drohten beengte Zustände. Der Standort machte im Sommer mit einer Ungezieferplage von sich reden.
Das Argument der Sozialbehörde, auf bereits bestehende Infrastruktur zurückzugreifen, lässt Graßhoff nicht gelten. „Zu den Zelten im Innenhof kommen noch Gemeinschaftscontainer. Auch das Personal wird aufgestockt.“ Laut dem Linken-Politiker wäre es sinnvoller, die Menschen im Hotel unterzubringen, wie es mit Obdachlosen bereits gemacht wird. „Auch diese Kapazitäten sind knapp, doch für 70 Menschen müsste es noch reichen.“
Was die Verteilungsgerechtigkeit angeht, sieht Graßhoff Bergedorf nicht grundsätzlich überlastet. So seien die Bezirke Mitte und Wandsbek mehr gefordert als Bergedorf. Die Linksfraktion will das Thema Notstandorte am Dienstagabend im Sozialausschuss auf die Tagesordnung setzen.
Massiver Widerstand in den Elbvororten
Auffällig ist, dass mit Harburg, Rahlstedt und Curslack Stadtteile ausgewählt wurden, in denen mit vergleichsweise wenig Bürgerprotest zu rechnen ist. Anderswo wäre das schwieriger: So regte sich in den Elbvororten massiver Widerstand gegen Pläne, nahe der S-Bahn-Station Klein Flottbek eine Unterkunft für 144 Menschen zu eröffnen. Der Stadt ist das offenbar nicht entgangen. Denn auch die Sozialbehörde gibt an, bei der Auswahl der Unterkünfte die „Sozialverträglichkeit einer Aufstockung mit Notplätzen“ zu berücksichtigen.
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In nächster Zeit soll mindestens ein weiterer Standort mit Zelten hinzukommen. Eine andere Unterkunft hat indessen das Zeitliche gesegnet: Der 2023 eröffnete Notstandort An der Hafenbahn (Kleiner Grasbrook) wurde im Sommer geräumt und abgebaut. Auf dem Grundstück entstehen Wohnungen in Massivbauweise – mit festem Dach also.