Neue Pläne für das „Ekel-Parkhaus“: Pacht-Poker ums Parkdeck
„Ekel-Parkhaus“, „Parkhaus des Grauens“: Das Gebäude neben dem Bahnhof Altona hat in den vergangenen Jahren viele verschiedene Namen erhalten – und das nicht ohne Grund. Schließlich gehörten dort Uringeruch, vollgeschmierte Wände und düstere Ecken zum Alltag. Vor einigen Monaten rückten endlich die Maler an, um für eine bessere Optik zu sorgen, die Bezirkspolitik wollte aber noch einen Schritt weiter gehen – und trifft damit anscheinend auf offene Ohren bei der Pächterin.
Die beiden oberen Decks des Parkhauses sind bereits seit Jahren abgesperrt und ungenutzt. Die Altonaer Grünen hatten sich deshalb zuletzt in der Bezirksversammlung dafür eingesetzt, diesen Platz anders zu nutzen und einen Ideenwettbewerb auf den Weg zu bringen. „Der Ort soll sich für die Öffentlichkeit und das Quartier öffnen“, sagte die Grünen-Fraktionschefin Dana Vornhagen. Denkbar wären etwa Hochbeete fürs Urban Gardening, kleine Konzerte, Flohmärkte oder Kunstprojekte – alles möglichst kostenlos.
Parkhaus Altona: Betreiberin ist „offen für neue Konzepte“
Ganz so einfach ist das allerdings nicht: Zwar gehört das Parkhaus der städtischen Sprinkenhof, die hat es allerdings schon seit Jahren an den Betreiber Apcoa vermietet. Deshalb müssten zunächst die oberen beiden Parkebenen aus dem bestehenden Pachtvertrag herausgelöst werden. „Selbst bei einer grundsätzlichen Zustimmung wäre dies voraussichtlich nur unter einer angepassten Pachtreduzierung realisierbar, was wiederum zu deutlich verringerten Mieteinnahmen führen würde“, heißt es von der Sprinkenhof. Der Parkhausbetrieb müsse sich für den Pächter ja weiterhin lohnen.
Ein Apcoa-Sprecher bestätigt jetzt auf MOPO-Anfrage, dass das Unternehmen immer „offen für neue Konzepte und alternative Nutzungsformen“ sei. Der Standort Altona biete dafür ein großes Potenzial. Vor allem ein Flohmarkt würde einen echten Mehrwert für die Anwohnerinnen und Anwohner schaffen. Apcoa sei dazu bereits im Austausch mit den Behörden.
Stadt ließ Parkhaus Altona für 500.000 Euro grundreinigen und streichen
Tatsächlich war es höchste Zeit, dass sich an dem Parkhaus an der Scheel-Plessen-Straße etwas änderte. „Der Zustand war unerträglich“, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) zur MOPO. Deshalb nahm die Stadt Ende Juli bereits 500.000 Euro in die Hand, um das Gebäude wieder in einen halbwegs ordentlichen Zustand zu versetzen. Alles wurde neu gestrichen und es gab eine Grundreinigung. Neu ist auch die Zugangsbeschränkung: Nur wer ein Parkticket hat, kann reingehen.
Auf dem obersten Parkdeck soll zudem künftig eines von drei Tauben-Hotels in Altona entstehen. Die Tiere vermehren sich in hohem Tempo und verschmutzen mit ihrem Kot viele Bereiche des Bahnhofs. Auch die Vögel selbst leiden, sind fehlernährt und schwach, viele haben verkrüppelte Füße durch die Schnüre im Müll oder verfangen sich sogar an der Haltestelle in Gittern.
In dem Häuschen soll es nun artgerechtes Futter, Wasser und einen Schlafplatz geben. Außerdem hat der Bezirk die Möglichkeit, die Eier der Tiere gegen Gipsattrappen auszutauschen. Tauben haben einen von Menschen angezüchteten Brutzwang, weswegen sie sich mehrmals im Jahr fortpflanzen müssen. Ein zweiter Taubenschlag soll im Parkhaus in der Schillerstraße 44 entstehen, ein dritter entweder auf der Ostseite des Altonaer Bahnhofs oder an der Großen Bergstraße.