Hamburg
Neue Maßnahmen am Schwarzenberg: Eltern verzweifelt – endlich ein sicherer Schulweg?
Die Bezirksleitung und die Polizei Harburg stellen neue Sicherheitsmaßnahmen rund ums Abrigado vor. Eltern sind sauer und verzweifelt.
Mitten auf dem Schwarzenberg in Harburg stehen Polizei, Eltern, Sozialarbeitende und Vertreter eines Sicherheitsdienstes. Das Bezirksamt Harburg hat zur Vorstellung des neuen Sicherheitskonzepts rund um die Drogenhilfe Abrigado geladen. Denn direkt neben dem Park liegen zwei Schulen – und seit Jahren gibt es Konflikte zwischen Anwohnern, Schülern und suchtkranken Menschen aus dem Umfeld des Abrigado.
An diesem Mittag wirkt der Schwarzenpark aufgeräumt und ruhig. „Die haben sogar gekehrt“, merkt Jenny Schiller von der Elternvertretung an. Normalerweise sei die Situation ganz anders. Im Park stehen Zelte, suchtkranke Menschen nehmen tagsüber Drogen und belästigen Eltern und Schulkinder. Schiller erzählt von Situationen, in denen Erwachsene vor dem Schulzaun standen und vor den Kindern einfach die Hose heruntergezogen hätten. Bezirksleiter Christian Carstensen (SPD) berichtet von einem besorgten Lehrer, der zum Schulstart häufig Personen vom Schulgelände scheuchen müsse, die zum Abrigado gehören.
Dass der Park eine Problemstelle ist, sei den Behörden schon länger bekannt, sagt Carstensen. Im vergangenen Juni spitzte sich der Konflikt zu: Bei zwei Auseinandersetzungen fielen Schüsse – ein Mann wurde verletzt, außerdem wurde eine Bank in der Nähe der Schule getroffen. Die Eltern haben seitdem noch mehr Angst um ihre Kinder und forderten konkrete Maßnahmen, die ihre Sicherheit gewährleisten.
Polizei und Sicherheitsdienst sollen mehr Präsenz zeigen – Vorfall bei Pressetermin
Diese Maßnahmen haben Polizeidirektor Harburg Alexander Klinnert und Carstensen den Medienvertretern und den Eltern am Mittwoch vorgestellt. Vertreter des Abrigados waren nicht anwesend. Mittelfristig ist eine Standortverschiebung des Abrigados geplant. Der Bau beginnt Ende 2026 und das Gebäude in der unweit gelegenen Buxtehuder Straße soll nach zwei Jahren fertiggestellt sein. Bis dahin würde aber eine Lücke entstehen, die mit neuen Sicherheitsmaßnahmen gefüllt werden soll.
Der Fokus liege dabei auf einem sicheren Schulweg für die Kinder. Dafür wollen die Behörden mehr Präsenz zeigen: mehr Polizei, einen zusätzlich engagierten Sicherheitsdienst und mehr Sozialarbeitende. Außerdem wurden wieder Spritzensammelbehälter installiert.
Die Polizei arbeitet eng mit der Sicherheitsfirma Shala zusammen, die bereits für die Gegend rund um den Hauptbahnhof und das Drob Inn verantwortlich ist. Künftig sollen Sicherheitsdienst und Polizei vor allem vormittags und mittags auf dem Schwarzenberg präsent sein. Die Polizei will zunächst mit zwei Doppelstreifen starten. Das Sicherheitspersonal untersteht dem Jedermannsrecht: Bei einem offensichtlichen Verbrechen kann es Personen so lange festhalten, bis die Polizei eintrifft – laut Klinnert spätestens nach sechs Minuten.
Sicherheitskameras sind für den Park auf dem Schwarzenberg laut Carstensen aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Die Schulen könnten jedoch auf ein vom Bezirksamt bereitgestelltes Budget von 10.000 Euro zurückgreifen und auf Wunsch selbst Kameras installieren – dann allerdings nur auf dem Schulgelände.
Das grundsätzliche Problem bleibt jedoch: „Solange das Abrigado da ist, ist das eine Situation, die nicht befriedigt werden kann“, sagt Polizeileiter Klinnert.
Neben Polizei und Sicherheitsdienst soll auch die Sozialarbeit verstärkt werden. Dafür stehen der Straßensozialarbeit Harburg auf dem Schwarzenberg jetzt drei Vollzeitstellen zur Verfügung. Eine davon hat Richart Luther. Er berichtet von seiner Arbeit und erklärt, dass er und seine Kolleg:innen versuchen, den Menschen hinter der Sucht zu erreichen. Luther fürchtet dennoch, dass das Problem bestehen bleibt. Gleichzeitig glaubt er, dass die Maßnahmen mehr Sicherheit für die Schulen bieten würden.
Elternvertreterin ist sauer und verzweifelt
Die Eltern der Schülerinnen und Schüler sind mit den geplanten Maßnahmen nicht zufrieden. „Ich bin richtig sauer, verzweifelt“, sagt Jenny Schiller, die auch Elternvertreterin ist. Sie ist sichtlich aufgebracht und spricht schnell und energiegeladen. Von den Behörden fühlt sich Schiller hingehalten: „Es geht nicht um unsere Kinder, es wird zwar zwischendurch erwähnt, aber es geht immer nur ums Abrigado.“ Die Sicherheitsmaßnahmen würden ihrer Meinung nach nicht viel bringen: „Es sind ja über 600 Kinder von zwei Schulen – wie wollen zwei Leute das regeln?“
Mutter Valerie Hoffmann wirkt dagegen erschöpft und deprimiert. Ihr Kind musste nach den Vorfällen im Juni vier Wochen zu Hause bleiben, weil es Angst hatte. „Es wird sich nichts ändern“, sagt sie mit besorgtem Blick. Besonders schlimm werde es, wenn der Herbst kommt und es morgens und abends dunkel ist.
Für die Mütter gibt es in der Umgebung keine andere Schul-Option für ihre Kinder. Die Schule an sich sei auch „mega“ und habe laut Schiller tolle Lehrerinnen und Lehrer. Für Hoffmann ist ebenfalls klar: Eine Kamera würde nicht helfen. Sie könnte Taten nur im Nachhinein verfolgen – aber nicht verhindern.
Das ist, als ob ich eine Suppe in den nächsten Topf kippe.
Die Standortverschiebung sehen die Mütter nicht als Lösung. „Das ist, als ob ich eine Suppe in den nächsten Topf kippe“, sagt Schiller. Am geplanten Standort an der Buxtehuder Straße gibt es einen Kindergarten sowie ein Seniorenheim.
Neben dem Abrigado stehen drei Menschen. Sie erzählen der MOPO, dass sie sich ehrenamtlich für die Menschen beim Abrigado engagieren, Essen bezahlen oder Kleidung spenden würden. Sie haben dort ein Familienmitglied, um das sie sich regelmäßig kümmern. Von dem Konflikt haben sie erst kürzlich erfahren. Im Umgang mit den suchtkranken Menschen wünschen sich die Ehrenamtler mehr Menschlichkeit. Das Wohl der Kinder sei sehr wichtig – genauso wie eine menschenwürdige Behandlung der Suchtkranken im Abrigado.
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