Neubau-Pläne für marodes Hamburger EKZ – was passiert mit Ärzten und Apotheken?

So sieht der Gewinnerentwurf des Schweizer Architekturbüros EMI für das neue Einkaufszentrum in Hamburg-Steilshoop aus.
So sieht der Gewinnerentwurf des Schweizer Architekturbüros EMI für das neue Einkaufszentrum in Hamburg-Steilshoop aus.

350 neue Wohnungen, zwei grüne Innenhöfe und Dachgärten: So schick zeichnen die Gewinner-Entwürfe des Schweizer Architektenbüros EMI die Zukunft des maroden und heruntergekommenen Einkaufszentrums in Steilshoop. Doch schon jetzt scheint es an einer Stelle Verzögerungen zu geben. CDU-Politiker Sandro Kappe macht sich für die Übergangszeit zudem Sorgen um die medizinische Versorgung des sowieso schon vernachlässigten Stadtteils.

Nicht umsonst trägt das Einkaufszentrum an der Gründgensstraße den Beinamen „Ekel-EKZ“. Viele Jahre lang ließ der ehemalige Eigentümer das Gebäude und die darüber liegenden Wohnungen verfallen. Es gab Razzien und Kakerlaken, die Ladengeschäfte verschwanden eins nach dem anderen. Die 188 Mietwohnungen sind teils in einem beklagenswerten Zustand: Schimmel, Taubenkot und klapprige Fahrstühle prägen das Bild.

Steilshoop: Einkaufszentrum soll komplett saniert werden

Neue Eigentümerin ist die Firma WHM Central Park am Bramfelder See. Deren Geschäftsführer Mike Hemmerich stellte zusammen mit dem Wandseker Bezirkschef Thomas Ritzenhoff (SPD) und Oberbaudirektor Franz-Josef Höing im Juni 2024 die neuen Pläne für das Einkaufszentrum vor. Klar war schon vorher: Ein traditionelles Einkaufszentrum würde es nicht mehr werden, das sei aus der Zeit gefallen.

U5-Baustelle vor dem Einkaufszentrum Steilshoop, Gründgenstraße
So sieht das Einkaufszentrum Steilshoop aktuell aus – seit März 2024 befindet sich zusätzlich die U5-Baustelle direkt vor der Haustür.

Für den Umbau sollte ein sogenannter Sanierungsvertrag zwischen der Stadt und dem Eigentümer bis Ende 2024 abgeschlossen werden. Doch wie der Senat jetzt in einer neuen Kleinen Anfrage des CDU-Politikers Sandro Kappe mitteilte, ist das bis heute nicht passiert. Eine Begründung dafür gibt der Senat nicht, betont aber in einer anderen Antwort, dass es trotzdem keine Verzögerungen gebe.

„Während die Neubaupläne mit Wohnungen, Dachgärten und modernen Nahversorgungsangeboten auf dem Papier gut aussehen, lässt die Umsetzung auf sich warten“, kritisiert Kappe gegenüber der MOPO. Er sorgt sich zudem vor allem um die medizinische Versorgung des Stadtteils, wenn es mit den Umbauarbeiten tatsächlich losgehen sollte.

Kappe: „In Steilshoop herrscht große Unsicherheit“

„In Steilshoop herrscht große Unsicherheit“, sagt er. Noch sei unklar, was während der Bauzeit mit den Praxen im heutigen Ärztehaus an der Gründgensstraße passiere, das ebenfalls zum Komplex gehört. Das Gleiche gilt für die letzte verbliebene Apotheke im Einkaufszentrum. Laut Senat sind in Steilshoop nur drei Hausarztpraxen angesiedelt, 2021 waren es noch zehn. Und es gibt nur eine Kinderarztpraxis. Für einen Stadtteil mit knapp 20.000 Einwohnern ist das sehr wenig.

Der Senat verweist in der neuen Anfrage diesbezüglich lediglich auf seine vagen Antworten von Februar. Man wolle schrittweise bei der Realisierung des Vorhabens vorgehen und damit die Voraussetzungen schaffen, „um die Nahversorgungsfunktion und Gesundheitsversorgung ohne Unterbrechung aufrecht zu erhalten“.

Kappe will sich damit nicht zufrieden geben. „Steilshoop darf nicht zurückgelassen werden“, fordert er. „Ich werde weiter Druck machen, damit unser Stadtteil nicht zum nächsten Beispiel für missglückte Stadtentwicklung wird.“