„Nette Toilette“: Politik plant kleine Klo-Revolution in Hamburg
Der Frühling ist da – und damit die Jahreszeit, in der die Menschen wieder mehr Zeit im Freien verbringen. Man trifft sich zum Picknicken, Cornern oder Teetrinken im Park. Nur: Was tun, wenn die Blase drückt? Die Politik im Bezirk Nord hat eine Idee mit schönem Namen.
„Nette Toilette“ heißt das Pilotprojekt, das Grüne, SPD, CDU und FDP gemeinsam auf den Weg bringen wollen. Ein Antrag dazu wurde nun im Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg gestellt. Das Ziel: den Zugang zu öffentlich nutzbaren Toiletten im Alltag deutlich zu verbessern.
Nur 141 öffentliche Toiletten in Hamburg
Hintergrund: Aktuell gibt es in Hamburg insgesamt 141 öffentliche Toiletten. Gerade mal 25 davon befinden sich im Bezirk Hamburg-Nord. Besonders an Spielplätzen, in Parks oder entlang stark frequentierter Wege fehlt es nach Ansicht der Bezirkspolitiker an Möglichkeiten, sich seiner Notdurft zu entledigen. Auch Wickelmöglichkeiten seien oft nicht vorhanden.
Das Konzept „Nette Toilette“ soll das Problem auf einfachem Weg beheben: So sollen Gastronomiebetriebe und andere Einrichtungen ihre Toiletten kostenlos für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Im Gegenzug erhalten sie dafür eine monatliche Pauschale. Der sonst bei der Nutzung von Restauranttoiletten entstehende Konsumzwang entfällt.
Damit die Bürger wissen, wohin sie sich mit ihrem Bedürfnis wenden können, soll eine App entwickelt werden. Auch Sticker und Informationsmaterial sollen auf die Standorte hinweisen.
Pilotprojekt „Nette Toilette“ gestartet
Tatsächlich scheint die Idee zu fruchten: In Barmbek-Nord haben laut einer Mitteilung der Grünen-Fraktion bereits zehn Betriebe ihre Bereitschaft erklärt, an dem Projekt teilzunehmen. Bundesweit werde das Konzept bereits in mehr als 400 Städten und Gemeinden erfolgreich umgesetzt. In Hamburg wäre das Projekt ein erster Praxistest, der erst einmal ein Jahr lang laufen soll.
„Wir brauchen mehr öffentliche Toiletten! Mit diesem hamburgweit ersten Pilotprojekt können wir in Barmbek-Nord vorangehen und ein Konzept umsetzen, das in über 400 Städten bereits erfolgreich funktioniert“, ließen Frederic Artus und Silvia Schmidt (SPD) erklären.
„Bestehendes mitzunutzen, statt selbst teuer in neue Infrastruktur zu investieren: Die Sharing Economy zeigt, dass dieses Modell gut funktionieren kann“, betonte Lars Jessen (FDP). „Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie viel Gestaltungskraft in unserem Bezirk selbst steckt und wie gemeinschaftliches Handeln den Alltag vieler Menschen ganz praktisch verbessern kann“, heißt es seitens der Grünen-Politiker Anıl Kaputanoğlu und Marcel Bulawa.
Kommt die „Nette Toilette“ nach ganz Hamburg?
Und Stefan Baumann (CDU) erklärte: „Mit der ‚Netten Toilette‘ wird uns ermöglicht, konkrete Erfahrungen vor Ort zu sammeln und auf Basis belastbarer Erkenntnisse über eine mögliche Ausweitung zu entscheiden.“
Für die einjährige Pilotphase werden laut Mitteilung rund 17.000 Euro benötigt. Der Großteil der Mittel ist offenbar für Pauschalen an die beteiligten Betriebe vorgesehen. Hinzu kommen Kosten für Projektkoordination, Kommunikation und Lizenzgebühren. Ein wesentlicher Teil der Organisation werde ehrenamtlich vom Stadtteilrat Barmbek-Nord getragen.
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Sollte sich das Pilotprojekt bewähren, könnte es auch in anderen Bezirken zur Anwendung kommen. Dann könnte die „Nette Toilette“ in ganz Hamburg zur festen Institution werden. Laut dem Regionalausschuss haben dazu bereits Gespräche mit der zuständigen Umweltbehörde sowie der Stadtreinigung Hamburg stattgefunden.
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