Nächstes Geschäft gibt auf: Riesenzoff um die Mercado-Miete

Shiva Minaeian (42, l) und ihre Angestellte Noushin Jelele (53) können den Laden im Mercado nicht weiter bedienen.
Shiva Minaeian (42, l) und ihre Angestellte Noushin Jelele (53) können den Laden im Mercado nicht weiter bedienen.

„Mehr Frische, mehr Vielfalt, Mercado“, so lautet der Slogan des Einkaufszentrums an der Ottenser Hauptstraße. Dem konnten die Eigentümer und Händler auch lange Zeit gerecht werden – mit internationalen Spezialitäten und einem individuellen Konzept. Doch ein inhabergeführtes Geschäft nach dem anderen macht dicht, das Center sieht mehr und mehr aus wie die meisten Innenstädte und Einkaufszentren in Deutschland. Können die Eigentümer den Trend noch stoppen?

Bei Shiva Solati-Minaeian (42) vom mediterranen Feinkostladen „Solati“ im Mercado ist Ausverkauf. Rote Schilder prangen auf der Theke und an den Produkten. Kunden kommen, drücken ihr Bedauern aus. Wieder ein Laden weniger, der von Beginn an dabei war.

Corona, Inflation und Verkehrspolitik belasten Händler

In den großen Ladenflächen sitzen mittlerweile fast ausschließlich Ketten wie „H&M“, „Only“, „Futterhaus“ oder „InterSport“. Was das Mercado noch besonders macht, ist der Marktplatz im Erdgeschoss. Nachdem dort der beliebte Blumenladen durch „Blume2000“ ersetzt wurde, das Fischgeschäft dichtgemacht hat und nun auch Minaeians ihren Spezialitätenladen schließt, sind nur noch wenige Läden vom Beginn 1995 übrig. Das beanstandet Minaeians – und schiebt es auf die hohen Mieten. „Beim Eigentümer war kein Rankommen“, sagt sie. Sie leiste sowohl Index- als auch Umsatzmiete.

Das Mercado-Management sieht das anders. „Unsere Markthalle besteht zu 68 Prozent aus Markthändlern und Gastronomen, die einzig den Standort im Mercado betreiben“, schreibt das Mercado auf MOPO-Anfrage. Und: „Wir werden auch weiter daran arbeiten, diese besondere Struktur zu stärken und auszubauen.“ Es heißt, dass Mietverträge „individuell ausgehandelt“ würden und „unterschiedliche Modelle“ enthielten.

Mietminderung für „Ankermieter“ – aber nicht für andere

Einer der Mieter, der nicht namentlich genannt werden möchte, bestätigt das. Er genieße als „Ankermieter“ mit vielen Stammkunden ein hohes Ansehen und konnte eine Mietminderung erwirken.

Das Mercado in der Ottenser Hauptstraße. Wie die meisten hat auch dieses Einkaufszentrum mit sinkender Nachfrage zu kämpfen.
Das Mercado in der Ottenser Hauptstraße. Wie die meisten hat auch dieses Einkaufszentrum mit sinkender Nachfrage zu kämpfen.

Laut Angaben einer Händlerin können vier Geschäfte ihre Miete seit Monaten nicht bezahlen. Dazu äußert sich das Mercado nicht. Worin sich alle befragten Händler einig sind: Die Nachfrage sinkt. „Bauarbeiten im Stadtteil, Corona, die Initiative „Ottensen macht Platz“ und der Online-Handel haben uns zu schaffen gemacht“, sagt einer. Das kann ein Mercado-Sprecher bestätigen: „Im Mercado wurden in der Pandemiezeit Frequenzrückgänge verzeichnet, sodass aktuell etwa 20.000 Besuchern täglich das Mercado besuchen. Damit verzeichnen wir wieder einen positiven Trend, auch wenn das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht werden konnte.“ Das automatische Zählsystem erfasst aber auch Leute, die das Einkaufszentrum nur als Durchgangsweg nutzen und nichts kaufen.

Hat das Mercado noch eine Zukunft?

Mit den inhabergeführten Geschäften verlässt auch die Persönlichkeit das Center, sagt Solati-Minaeian. „Bei uns gab es noch einen Schnack und alles war ein bisschen entspannter. Wie auf einem Markt eben.“

„Abverkauf“ – am Samstag war der letzte Tag für das „Solati“ im Erdgeschoss des Einkaufszentrums.
„Abverkauf“ – am Samstag war der letzte Tag für das „Solati“ im Erdgeschoss des Einkaufszentrums.

Das Mercado-Management kündigt Nachmieter an, die nicht näher benannt werden, die aber für „einen positiven Trend“ sorgen und den Besuchern „das Angebot im Mercado bieten sollen, das sie sich wünschen“.

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Am Samstag war der letzte Tag für Solati-Minaeian im Mercado. Sie wollte einen anderen Platz im Stadtteil finden, war mit den Vermietern eines ehemaligen Schuhgeschäfts am anderen Ende der Ottenser Hauptstraße im Austausch. Doch die 6000 Euro Miete, die dort aufgerufen werden, kann sie ebenfalls nicht stemmen. Für „Solati“ gibt es in Ottensen keine Zukunft mehr.