Nächster U5-Abschnitt kostet Riesen-Summe – so will Hamburg das stemmen
Gerade einmal 2,3 Kilometer ist der nächste Abschnitt der neuen U-Bahn-Linie U5 lang, für den der Senat am Dienstag die Kosten präsentierte: Unglaubliche 1,5 Milliarden Euro sind dafür veranschlagt. Wo wird genau gebaut, wann halten dort die ersten Züge – und vor allem: Wie will die Stadt diese riesige Summe stemmen?
Bislang ist die neue U5, die den vernachlässigten Osten der Stadt von Bramfeld aus mit Stellingen im Westen verbinden wird, die größte Investition, die Hamburg unter Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gemacht hat. Im April 2023 wurde bereits bekannt, dass die Kosten im ersten Abschnitt von Bramfeld bis zur City Nord von ursprünglich 1,75 Milliarden auf 2,86 Milliarden Euro ansteigen. Grund dafür waren laut der Verkehrsbehörde die während der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges explodierten Baukosten.
Neubau U5: Zweiter Abschnitt kostet 1,5 Milliarden Euro
Und auch der zweite Abschnitt von der Haltestelle City Nord bis zur Jarrestraße in Winterhude liegt im Milliarden-Bereich, wie Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne), Hochbahn-Chef Robert Henrich und U5-Projektleiter Klaus Uphoff am Dienstag im Rathaus bekannt gaben. Bei diesen Kosten wurden laut der Hochbahn bereits die künftigen Teuerungen und die Inflation schon mit eingerechnet.
Wie schon beim ersten Abschnitt geht der Senat davon aus, dass der Bund sich an den Kosten beteiligen wird. Seit 2020 zahlt dieser in der Regel bis zu 75 Prozent der Kosten von großen Infrastrukurprojekten. Dafür gibt es aber Bedingungen: Hamburg muss nachweisen, dass der Kosten-Nutzen-Faktor der U5 mindestens bei 1 liegt.
Vereinfacht erklärt bedeutet das, dass jeder in das Projekt investierte Euro am Ende einen gleichwertigen Nutzen bringen muss, wie etwa eine verkürzte Reisezeit oder weniger CO2. Für die gesamte U5 liegt dieser nach Angaben der Verkehrsbehörde bei 1,23.
Im Januar erhielt die Stadt 1,3 Milliarden Euro von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) für die Strecke von Bramfeld bis zur City Nord, für den zweiten Abschnitt solle der Antrag „zu gegebener Zeit“ eingereicht werden.
So will Hamburg die Milliarden-Kosten für die U5 stemmen
Den Rest der Kosten muss Hamburg allerdings selbst stemmen. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) sah die Stadt dafür bereits gut aufgestellt: „Ich habe im Jahr 2018 ein Sondervermögen für den Schnellbahnausbau von 50 Millionen Euro beiseite gelegt. Das kann man sich vorstellen wie ein Sparbuch“, sagte er, als im September 2023 die U5-Gesamtkosten in Höhe von 14 bis 16,5 Milliarden Euro nach langer Geheimniskrämerei endlich auf dem Tisch lagen.
Seitdem sei jedes Jahr eine Summe beiseite gelegt worden, sodass bis 2027 das Vermögen auf 2,3 Milliarden Euro wachse. „So müssen wir den Hamburger Haushalt nicht übermäßig mit U5-Kosten belasten“, so Dressel.
Im Oktober stimmt die Bürgerschaft über die Finanzierung des zweiten U5-Abschnitts ab. Auf der 2,3 Kilometer langen Strecke werden die Haltestellen Borgweg und Jarrestraße neu gebaut. Sie sollen Winterhude sowie den nördlichen Bereich der Uhlenhorst und Barmbek-Süd anbinden und die Buslinien 6 und 17 entlasten.
Die Haltestellen werden in sogenannter „offener Bauweise“ errichtet, das bedeutet, dass dafür riesige Löcher in die Straßen gebuddelt werden. An diesen Anblick müssen sich die Hamburger in den kommenden Jahrzehnten wohl gewöhnen, denn auch die meisten anderen Haltestellen der 25 Kilometer langen U5-Strecke werden auf diese Art gebaut. Eine der größten Baugruben wird die 1050 Meter lange Strecke zwischen den künftigen Haltestellen Universität und Grindelberg sein. In Steilshoop, wo ab Sommer 2025 ein großes Baustellenloch gegraben wird, fürchten die Ladenbesitzer des sanierungsbedürftigen Einkaufszentrums um ihre Existenz.
U5 soll ab 2035 zur Haltestelle Jarrestraße fahren
Die Planfeststellungsunterlagen für den zweiten U5-Abschnitt will die Hochbahn im Herbst 2024 einreichen. Wenn alles glatt läuft, hoffen die Verantwortlichen mit einem Baubeginn im Jahr 2026. Von Bramfeld bis zur Haltestelle Borgweg sollen ab 2033 die neuen automatischen Züge fahren, ab 2035 auch bis zur Jarrestraße. Von dort aus geht es dann künftig weiter zur Universität und dem UKE bis zu den Arenen in Stellingen. Nach Fertigstellung bis zum Jahr 2040 erwartet die Hochbahn täglich rund 270.000 Fahrgäste.