Verdi ruft zu Warnstreiks auf: Busse und U-Bahnen stehen in Hamburg tagelang still
Die Gewerkschaft Verdi ruft für Freitag und in manchen Regionen auch für Samstag zu bundesweiten Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auf. In Hamburg steht der Nahverkehr fast das gesamte Wochenende still – die Entscheidung dazu fiel erst spät.
Bis zum Nachmittag bestand noch Hoffnung, dass es in den Tarifverhandlungen in Hamburg zu einer Einigung kommt. Doch ohne Erfolg. Vor diesem Hintergrund ruft Verdi die Beschäftigten der Hamburger Hochbahn von Freitag (27. Februar, 3 Uhr) bis Sonntag (1. März, 3 Uhr) zu einem 48-stündigen Warnstreik auf. Fahrgäste müssen an beiden Tagen mit erheblichen Einschränkungen im Bus- und U-Bahn-Verkehr in Hamburg rechnen.
Mit Unverständnis reagierte die Hochbahn auf die erneute Streikankündigung. „Wir haben ein gutes Angebot vorgelegt, das auf die Belange der Mitarbeitenden eingeht und gleichzeitig unserer wirtschaftlichen Verantwortung gegenüber der Stadt gerecht wird“, sagt Saskia Heidenberger, Personalvorständin und Arbeitsdirektorin der Hochbahn sowie Verhandlungsführerin der Arbeitgeberseite, in einer Mitteilung der Hochbahn. Und weiter: „Streiks werden immer auf dem Rücken unserer Fahrgäste ausgetragen. Nur am Verhandlungstisch werden wir Ergebnisse erzielen.“
Auch in Schleswig-Holstein stehen die Busse
Wie die Gewerkschaft mitteilte, sollen auch die Beschäftigten in fast allen anderen Bundesländern die Arbeit niederlegen. In zahlreichen kommunalen Nahverkehrsunternehmen dürften dadurch an den beiden Tagen so gut wie keine Busse und Bahnen fahren. Auch da soll der Streik am Freitag in den frühen Morgenstunden beginnen und je nach Region bis in die Nacht auf Samstag oder Sonntag andauern.
So sollen beispielsweise die Busse der großen kommunalen Busunternehmen in den vier kreisfreien Städten Schleswig-Holsteins – also in Kiel, Lübeck, Neumünster und Flensburg – stehenbleiben. Von Streiks ausgenommen ist Niedersachsen, dort gilt noch bis Ende März eine Friedenspflicht.
Am Donnerstag verhandelt Verdi mit dem Busanbieter VHH. Dabei fordert Verdi einen neuen Manteltarifvertrag, der etwa die Busfahrer entlasten soll. Verdi will eine 35-Stunden-Woche für die Mitarbeiter erreichen. Beschäftigte der VHH sind schon zu Mittwoch zu einem Warnstreik aufgerufen. Das Unternehmen erwartet nur einzelne Ausfälle.
Verdi: „Wir sind entschlossen, für unsere Forderungen zu kämpfen“
„Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle laut einer Mitteilung. „Die Kolleginnen und Kollegen brauchen dringend Entlastung – und die Arbeitgeber brauchen ein klares Signal, dass wir entschlossen sind, für unsere Forderungen zu kämpfen.“
Die Gewerkschaft ruft damit zum zweiten Mal in der laufenden Tarifrunde zu bundesweiten ÖPNV-Warnstreiks auf. Beim ersten Mal am 2. Februar waren die Auswirkungen groß: In weiten Teilen Deutschlands kam der öffentliche Nahverkehr nahezu komplett zum Erliegen. Zudem bestreikt die Gewerkschaft dieser Tage immer wieder regional die Nahverkehrsunternehmen in einzelnen Ländern und Städten, zuletzt etwa in Hessen und Bayern.
Voraussichtlich mehr Autoverkehr an Warnstreik-Tagen
Für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfte es durch den neuerlichen Warnstreik vor allem am Freitag stressig werden – denn sie müssen in der Regel trotzdem pünktlich am Arbeitsplatz sein. Und für Eltern ebenso: Auch Schülerinnen und Schüler können wegen eines Warnstreiks in der Regel nicht einfach zu Hause bleiben.
Die Warnstreiks Anfang Februar hatte entsprechend auch Auswirkungen auf den restlichen Verkehr, weil viele Menschen auf das Auto umstiegen. Nach Einschätzung des ADAC war bundesweit ein leichter Anstieg bei Länge und Dauer der Staus zu erkennen. Zudem stieg dem Fahrdienstvermittler Freenow zufolge in den Morgenstunden die Nachfrage nach Taxis stark. Immerhin: Die Warnstreiks dürften nicht wieder von eisigem Wetter begleitet werden – deutschlandweit werden zweistellige Temperaturen erwartet.
Verhandlungen vor allem über Arbeitsbedingungen
In den Tarifverhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Verdi insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende.
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„Die Verhandlungen kommen insgesamt kaum voran, obwohl es in einzelnen Bereichen schon vier Runden gab“, sagte die stellvertretende Verdi-Chefin Behle. Das sei „mehr als enttäuschend“.
Auch die Arbeitgeber beklagten zuletzt den fehlenden Fortschritt bei den Verhandlungen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), das größte ÖPNV-Unternehmen in Deutschland, kritisierten beispielsweise, dass Verdi bisher nicht klargemacht habe, welche Forderungen die Gewerkschaft besonders wichtig findet. (mp/dpa)
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