Die Inhaber des Traditionsgeschäfts das Traditionsgeschäft „Gögge”

Nach über 50 Jahren schließt das Traditionsgeschäft „Gögge” im AEZ. Foto: Sebastian Seibel

Nach mehr als 50 Jahren: Warum das nächste Traditionsgeschäft in Hamburg dichtmacht

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Personalnot, stagnierende Umsätze, Schwierigkeiten bei der Markenbeschaffung – und ein sehr persönlicher Grund: Nach etwa einem halben Jahrhundert schließt der Herrenausstatter „Gögge” Ende Februar 2026 seine Filiale im Alstertaler Einkaufszentrum (AEZ). Inhaberin Kim Gögge erzählt, wie es zu dieser Entscheidung kam.

Traditionsgeschäft „Gögge“ im AEZ schließt nach über 50 Jahren

Gunnar Gögge gründete sein erstes Geschäft im April 1969 in Wellingsbüttel. In den 1970ern folgte der Umzug ins neu eröffnete Alstertaler Einkaufszentrum. „Damals saß der Chef der ECE bei meinem Mann im Wohnzimmer und hat ihn überredet, ins AEZ zu kommen”, erzählt Kim Gögge. Lange betrieben sie sogar zwei Filialen parallel – zwischendurch auch eine dritte Filiale in Eppendorf –, später konzentrierten sie sich nur noch auf das AEZ.

Vom Herrenausstatter zum Multibrand-Store: Die Entwicklung des Familienbetriebs

In den Regalen liegen Pullover von „Polo Ralph Lauren”, an den Kleiderstangen hängen Mäntel von „Woolrich” – jedes Teil ist Markenware. Über die Jahre wandelte sich der Laden vom klassischen Herrenausstatter zu einem „Multibrand-Store” mit rund 30 Marken: Ihre aktuelle Kollektion reicht vom Premium-Luxussegment bis hin zu sportlich-modernen Stücken – auch Jogginghosen.

Wie die Pandemie den Modehandel dauerhaft verändert hat

Die Corona-Pandemie änderte das Sortiment: „Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass wir von Jogginghosen leben, hätte ich ihn ausgelacht“, so die Inhaberin. Während ihrer Zeit im Verkauf lernte sie: Trends ändern sich schnell, aber umso schneller müssen die Geschäftsführer sein. Ihr persönliches Mode-Geheimnis bleibt: Man sollte sich treu bleiben und nicht jedem Instagram-Trend hinterherrennen.

Personalnot und Markenknappheit: Diese Faktoren führten zur Schließung

Das Geschäft kämpft seit langem gegen Personalnot, die Umsätze sind seit der Pandemie nicht mehr auf dem alten Niveau. Dazu kommt, dass es für die Betreiber immer schwieriger wurde, die großen Marken zu bekommen: Premiumlabels wollen in die Toplagen, Einkaufszentren sind für sie uninteressanter geworden.

Auch ein sehr persönlicher Grund spielte eine große Rolle: Während ihre Mutter im Sterben lag, wählte Kim Gögge auf einer Messe in Düsseldorf Pullover aus. „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht denke: Was hast du da gemacht?“ „Ich hatte damals keine Wahl, und keine Wahl zu haben, ist nicht schön“, ergänzt sie.

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Was Stammkunden verlieren: Drei Generationen im Einkauf verbunden

Nach Valentinstag ist Ende Februar endgültig Schluss im Herrenausstatter „Gögge”. Kim Gögges Plan für die Zukunft: Raus aus der Selbstständigkeit, der Modebranche erstmal den Rücken kehren. Am meisten vermissen wird sie ihre Stammkundschaft – viele Kunden seien heute Freunde. Manche von ihnen kaufen seit Jahrzehnten bei „Gögge” ein – ihr Mann kenne von manchen Familien drei Generationen. Viele Kinder haben Kim und Gunnar Gögge groß werden sehen.

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