Hamburg
Nach tödlichem Unfall: Wie gefährlich ist Hamburgs Verkehr für Kinder?
Die Tragödie hat Hamburg erschüttert: Ein siebenjähriger Junge kam am Dienstagmorgen bei einem Unfall mit einem Müllwagen ums Leben. Immer wieder sterben Kinder, weil sie von großen Fahrzeugen überfahren werden. Wie sicher sind die Kleinsten in Hamburgs Straßenverkehr?
Hunderte Blumen, Grablichter, Fotos und letzte Botschaften wie „Alles Gute im Himmel“ oder „Mögest du uns von oben beschützen, kleiner Engel“ haben Trauernde an der Kreuzung Horstlooge/Streekweg niedergelegt. Hier kam der kleine Julius am Dienstagmorgen ums Leben. Gemeinsam mit seinem Vater fuhr er mit dem Fahrrad zur Schule, als ein Müllwagen ihn übersah und überrollte. Der Junge starb noch am Unfallort – vor den Augen seines Vaters.
Der Unfall in Volksdorf ist kein Einzelfall
Der Tod von Julius ist kein Einzelfall. In Hamburg starben in den vergangenen zehn Jahren neun Kinder bei Verkehrsunfällen. Immer wieder zeichnet sich ein ähnliches Bild: 2024 wurde ein Zehnjähriger an einer Haltestelle in Neuallermöhe von einem Bus überfahren. 2023 wurde ein Siebenjähriger in der HafenCity von einem Bus erfasst. 2019 wurde ein Fünfjähriger in Billstedt von einem Bus überrollt. 2016 wurde ein 11-Jähriger in Ochsenwerder von einem Lkw überfahren. Kinder werden im Straßenverkehr leicht übersehen, besonders, wenn die Fahrer in großen Fahrzeugen sitzen.
„Das ganz große Problem ist die Sichtbarkeit der Kinder im Straßenverkehr“, erklärt Christian Hieff vom ADAC. Gerade an Kreuzungen würden Kinder wegen ihrer Größe oft übersehen. Außerdem hätten sie noch nicht gelernt, Geschwindigkeiten anderer Verkehrsteilnehmer richtig einzuschätzen. Der Unfall am Dienstag war „der typische katastrophale Abbiegeunfall in der Stadt“, sagt Hieff.
Abbiegeassistenten sollen mehr Sicherheit im Straßenverkehr schaffen
Bei der Vorstellung der aktuellen Verkehrsstatistik im Februar erklärte SPD-Innensenator Andy Grote: „Unser wichtigstes Ziel ist es, die schwächsten Verkehrsteilnehmer am besten zu schützen.“ Eine Maßnahme ist der Ausbau von Abbiegeassistenten, die Fußgänger oder Radfahrer frühzeitig erkennen und die Fahrer warnen. Bei Neuzulassungen von Fahrzeugen, die über 3,5 Tonnen wiegen, sind solche Assistenzsysteme seit 2022 europaweit Pflicht. Viele Unternehmen rüsten auch ihre Bestandsfahrzeuge auf, selbst wenn es hierzu keine Vorschrift gibt.
Der Müllwagen, der Julius am Dienstag überfuhr, war laut Polizei nicht mit einem solchen Assistenzsystem ausgestattet. Vielleicht hätte der schreckliche Unfall verhindert werden können, aber auch der Abbiegeassistent bietet keinen hundertprozentigen Schutz. „Viele Systeme sind mangelhaft. Man darf sich nicht allein auf die Technik verlassen“, so Hieff.
Hamburgs Straßen werden für Kinder immer sicherer
Insgesamt würden die Straßen für Kinder immer sicherer, so die Polizei. 2024 wurden 362 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt. Das sind 84 Kinder weniger als im Vorjahr, ein Rückgang um 18,8 Prozent.
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Statistisch gesehen seien Kinder auf Hamburgs Straßen laut ADAC sicherer als in jedem anderen Bundesland. Dennoch müssten die Infrastruktur und die Verkehrserziehung verbessert werden, damit so schreckliche Unfälle wie in Volksdorf eines Tages der Vergangenheit angehören.