Nach zwei Toten am Wandsbek Markt: Warum hat Hamburg keine Sicherheitstüren am Gleis?
Ein Mann soll eine Frau an der U-Bahn-Station Wandsbek Markt gepackt und sich mit ihr aufs Gleis gestürzt haben, als eine U-Bahn einfuhr. Beide sterben, die Mordkommission ermittelt. Der Fall wirft erneut die Frage auf, wie sicher Hamburgs Gleise sind. Warum gibt es im U-Bahn-Netz keine Sicherheitstüren – und wieso sollen sie ausgerechnet bei der neuen U5 kommen?
Es ist ein Albtraum: Eine Sekunde der Unaufmerksamkeit und ein Unbekannter schubst einen ins Bahngleis oder springt selbst vor einen einfahrenden Zug. Dabei gibt es eine wirksame Technik, die das verhindern kann, die in anderen europäischen Städten längst Standard ist.
Nach zwei Toten in Wandsbek: Hier gibt es schon Sicherheitstüren am Gleis
In Kopenhagen oder Barcelona schützen mannshohe, gläserne Wände an der Bahnsteigkante die Fahrgäste vor einem Sturz – egal ob selbst- oder fremdverschuldet. Fährt eine Bahn ein, öffnen sich Schiebetüren und machen den Weg frei.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:
- Diagnose Krebs: Hamburgerin wirft UKE Behandlungsfehler vor
- Straftaten: Hamburg wird sicherer – aber nicht für Frauen
- Hamburgs Super-Recognizer: Der Mann, der sich Tausende Gesichter merken kann
- Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag
- 16 Seiten Sport: HSV-Liebling Otto Stange (19) über seine Rückkehr
- 28 Seiten Plan 7: Im Kino wird’s jetzt richtig heiß! Und: Ausgeh-Tipps für jeden Tag
In Hamburg gibt es solche Sicherheitstüren bislang nicht. Das soll sich ändern – allerdings nur bei der geplanten vollautomatischen Linie U5. Ohne Zugführer müssen technische Systeme verhindern, dass Menschen oder Gegenstände ins Gleis geraten. Warum sollen dann nicht auch bestehende Bahnstationen mit der effektiven Technologie nachgerüstet werden? Wenn sie doch kritische Situationen verhindern können – noch bevor sie entstehen?
Hochbahn: Einführung in Hamburg wäre kompliziert
Die Einführung in das bestehende Netz wäre deutlich komplizierter, schreibt die Hochbahn. Viele Stationen stammen aus den 1960er- und 70er-Jahren, einige liegen in Kurven. Dort entsteht ein großer Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante, in dem Fahrgäste stecken bleiben könnten.
Hinzu kommt: Im heutigen Betrieb halten die Züge nicht zentimetergenau, weil Fahrer die Züge manuell steuern. Für Bahnsteigtüren wäre jedoch ein exakt positionierter Halt zwingend notwendig – andernfalls blieben Türen versperrt oder würden sich falsch öffnen. Nur durch langsames Herantasten könnten die Bahnen genau richtig halten, das würde den Betrieb aber deutlich aufhalten.
Hamburg setzt auf Personal und Überwachung
Auch die Statik ist laut Hochbahn ein Problem. Die speziellen Bahnsteigtür-Systeme wiegen rund 400 Kilogramm pro Meter. Viele alte Bahnsteige sind dafür nicht ausgelegt. Unter einigen befinden sich außerdem Hohlräume, die im Ernstfall Schutz bieten sollen. Die Tragfähigkeit wäre bei einem nachträglichen Einbau nicht mehr gewährleistet. Auch die vorgeschriebenen Mindestbreiten der Bahnsteige würden unterschritten – mit Problemen für Evakuierungen im Notfall.
Das könnte Sie auch interessieren: Tragisches Unglück: Lkw schliddert in Unfallstelle – ein Polizist stirbt
Bislang setzt Hamburg auf Personal, Überwachung und Eigenverantwortung. Die Fahrer beobachten den Fahrgastwechsel, Notruf- und Nothalteinrichtungen stehen bereit. Bei Großveranstaltungen wird langsamer gefahren.
Das muss aktuell ausreichen, denn Bahnsteigtüren lassen sich im bestehenden Netz nur mit großem baulichem und betrieblichem Aufwand nachrüsten – und sind vorerst nicht geplant, wie die Hochbahn auf Nachfrage erneut bestätigte.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.