Nach Schicksalsschlägen: Hamburger Café wagt Neustart – mit ganz anderem Konzept
Krankheit, Tod, Krisen: Trotz harter Schicksalsschläge kämpfte das Inhaber-Paar Charlotte Schnabel und Benjamin Schacht um sein Lokal „Schacht Deli“ am Schlump – schloss es aber im vergangenen August. Nach langer Pause wagt Schnabel den Neustart mit einem ganz anderen Konzept. In ihrem Café „Chacha“ gibt es jetzt nicht nur Cappuccino und Kuchen, sondern auch verschiedenste Events. Was die Gäste erwartet, warum jeder das Programm mitbestimmen kann – und wie es der kleinen Familie heute geht, lesen Sie hier.
Sie hatten es alles andere als leicht: Charlotte Schnabel (35) und ihr Lebensgefährte Benjamin Schacht (45) kämpften jahrelang um ihre Existenz. Ihr Lokal „Schacht Deli“ in Eimsbüttel (Beim Schlump 55) betrieben sie mit viel Herzblut, doch es mangelte an Laufkundschaft. Die Hoffnung, dass Studenten aus dem gegenüberliegenden „Haus der Erde“ bei ihnen essen gehen, wurde immer wieder zerstört, die Eröffnung seit Jahren verschoben. Doch auch privat traf sie das Schicksal hart: Ihr Sohn Sam bekam die Diagnose Leukämie. Die Eltern bangten um sein Leben, begleiteten ihn abwechselnd 1,5 Jahre lang bei der Chemotherapie im Krankenhaus. Und kaum war der Kleine über den Berg, starb ihre Betriebsleiterin und Freundin völlig unerwartet.
Neues Café „Chacha“ hat am Schlump eröffnet
Das Paar zeigte sich im Juli der MOPO gegenüber kämpferisch: „Wir lieben es trotz allem, Gastgeber zu sein.“ Doch im August war dann Schluss. Das „Schacht Deli“ ist Geschichte. Nun meldet sich Charlotte Schnabel mit einer Neueröffnung zurück. „Eine reine Gastro kann an dieser toten Straße nicht funktionieren“, sagt sie. Deshalb habe sie nun mit dem „Chacha“ in denselben Räumen ein „Konzept-Café“ eröffnet. „Von Montag bis Freitag ist hier tagsüber normaler Café-Betrieb. Dann gibt es Frühstück, ein Mittagsgericht, Stullen und Kuchen. Abends und an den Wochenenden finden in unseren Räumen Veranstaltungen und Workshops statt.“ Einige davon sind gratis, andere kosten eine Gebühr.
Grundsätzlich könne jeder, der Kurse anbieten möchte, mit Ideen auf Charlotte Schnabel zukommen. Deshalb habe ihr Café auch den Untertitel „… is a place that you create“ („ist ein Ort, den du mitgestaltest“). An Angeboten gibt es bisher schon einen Schmuck-Workshop mit einer Goldschmiedin, einen Malkurs, eine Yoga-Stunde für Kinder und einen Treff für Familien. „Dann können Eltern, aber auch Omas und Opas mit Kindern vorbeikommen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, dass jemand zu laut ist. Es gibt auch ein kleines Spielzeugangebot.“
Es soll auch noch Kochkurse, Weintastings und Konzerte geben. Auch die Küche soll zeitweise als Pop-Up gebucht werden können. „Gastronomen, die kein eigenes Lokal haben, können sich darin dann abends wochen- oder monatsweise verwirklichen.“
„Ich finde, es fehlt an Gemeinschaft und realem Zusammenkommen“, sagt Charlotte Schnabel. „Ich möchte einen Ort schaffen, an dem jeder schöne Erlebnisse haben kann, mit emotionalem Mehrwert.“ Sie betreibt das Café jetzt allein. „Benjamin kümmert sich im Moment um den Haushalt und um unseren Sohn Sam. Durch die Krankheit wurde uns viel Zeit mit ihm genommen.“
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Und neben der Neueröffnung gibt es noch eine weitere positive Nachricht: „Sam geht es sehr gut. Er kommt dieses Jahr in die Schule“, so Schnabel. „Das ist für alle Eltern ein verrückter Meilenstein, aber für uns noch mal doller. Wir wussten schließlich lange Zeit nicht, ob seine Einschulung jemals stattfinden wird.“