Rund 200 Menschen haben sich zu einer Demonstration vor der Flüchtlingsunterkunft versammelt.

Immer wieder versammeln sich Menschen zu Demonstrationen vor der Flüchtlingsunterkunft. Foto: André Lenthe

Geflüchtete protestieren gegen Zustände in Unterkunft – das zeigt (etwas) Wirkung

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Neuer Sicherheitsdienst, weniger Gedränge in den Schlafboxen, ein neuer Essenslieferant: Nach monatelangen Protesten von Geflüchteten und Unterstützern gibt es in der Flüchtlingsunterkunft in der Schlachthofstraße erste Verbesserungen. Doch das Kernproblem bleibt, kritisiert die Linke.

In den vergangenen Monaten zeichnete sich immer wieder dasselbe Bild: Geflüchtete demonstrieren mit Aktivisten vor der Unterkunft in der Schlachthofstraße (Neuland/Harburg). Sie halten Transparente mit Aufschriften wie „Raus aus den Camps. Wohnung für alle“ in die Höhe und kritisieren die Lebensbedingungen in der Großhalle.

Im Oktober soll es nach einer dieser Demonstrationen zum Streit zwischen Sicherheitsdienst und Geflüchteten gekommen sein. Mehrere Bewohner sollen zeitweise aus dem Camp geworfen worden sein – ohne rechtliche Grundlage.

Betreiber zieht Konsequenzen in der Schlachthofstraße

Auf Nachfrage der Linken zeigt sich nun: Der Betreiber, das DRK, hat erste Konsequenzen gezogen. Seit Anfang des Jahres ist demnach eine neue Sicherheitsfirma beauftragt. Nachdem am 26. Dezember verdorbenes Essen ausgeteilt worden sein soll, wurde auch der Lieferant zum 1. Januar vertragsgemäß gewechselt. Der Senat erklärt, das Essen habe ungewöhnlich gerochen, Hinweise auf verdorbene Lebensmittel habe es im Nachgang aber nicht gegeben.

Zudem werden die einzelnen Kompartiments, also abgetrennte Schlafbereiche, seit Kurzem nicht mehr mit zwölf, sondern mit acht Personen bewohnt. Außerdem werden die Familienkompartiments nur noch mit einer Familie belegt und die Raumtemperatur erhöht.

Die Linke: Verbesserungen reichen nicht

„Ich freue mich, dass die Proteste der Bewohner:innen echte Erfolge zeigen“, sagt Carola Ensslen, fluchtpolitische Sprecherin der Linken. Die ersten Verbesserungen dürften aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine „menschenwürdige Unterbringung“ anders aussieht. Das Hauptproblem bleibe die deutlich zu lange Unterbringungsdauer.

Denn obwohl die Unterkunft nur als Erstaufnahme-Standort gilt, leben einige der 465 Bewohner bereits seit mehreren Jahren in der Halle. „Das Ziel muss die Schließung der Schlachthofstraße und die lückenlose Schaffung menschenwürdiger Unterbringungskapazitäten sein“, sagt Ensslen. Auch bei geringerer Belegung fehlten Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre.

Standort soll langfristig nur noch Reserve sein

Der Senat erklärt, dass derzeit daran gearbeitet werde, „die am Standort untergebrachten Personen schnellstmöglich an Standorte mit einer besseren Eignung für eine längerfristige Unterbringung zu verlegen“. Seit Mitte Oktober wurden 112 Geflüchtete an anderen Standorten untergebracht. Zeitgleich wurden 56 Personen neu aufgenommen.

Die Unterkunft wurde im März 2022 angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen im Zuge des Ukraine-Kriegs wieder in Betrieb genommen. In dem Jahr mussten in Hamburg laut Angaben der Stadt knapp 24.000 Flüchtlinge untergebracht werden. 2025 waren es nur noch 6500 Menschen. Trotzdem sei es angesichts der Flüchtlingszahlen aktuell nicht möglich, den Standort zu schließen, so der Senat. Perspektivisch solle die Unterkunft aber nur noch als Reserve erhalten werden.

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Für die Linke ist das zu wenig: Solange Menschen dort über Monate und Jahre in einer Notunterkunft leben, bleibe das Hauptproblem erhalten – auch mit neuer Sicherheitsfirma und weniger Bewohnern.

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