Nach MOPO-Bericht über Chaos-Unterkunft: So will die Stadt die Lage kontrollieren
Müll, Streit – und immer wieder Feueralarm: Die Zustände in der Unterkunft für Geflüchtete im Überseering sorgen immer wieder für Aufsehen. Regelmäßig muss hier die Feuerwehr anrücken. Die MOPO berichtete. Nun will die Sozialbehörde die Sicherheitsmaßnahmen verstärken.
„Kurzfristig ist nun die weiträumige Installation von Kameras als zusätzliche Maßnahme am Standort vorgesehen“, sagt Behördensprecher Wolfgang Arnhold der MOPO.
Im ehemaligen Postbank-Gebäude in der City Nord befindet sich eine der größten Unterkünfte für Geflüchtete der Stadt, betrieben von Fördern & Wohnen. Doch schon seit Jahren gibt es hier immer wieder Ärger. Ein Problem: Regelmäßig bricht hier Feuer aus. Allein von Anfang April 2025 bis Ende März 2026 hatte es laut Behörde 21 Mal gebrannt – das ist statistisch gesehen ein- bis zweimal im Monat. Noch häufiger kommt es zu Fehlalarmen, bei denen die Feuerwehr aber trotzdem anrücken muss. In einem Jahr gab es 141 Feueralarme. Zuletzt brannte es hier am Ostersamstag.
Hamburg: Linke sieht grundsätzliches Problem bei Skandal-Unterkunft
Die MOPO fragte nach, was die Behörde dagegen tut. „Bei Bränden, Vermüllung und Konflikten wird konsequent eingegriffen – mit engmaschigen Kontrollen, sofortiger Beseitigung von Brandlasten und Müll sowie klaren Maßnahmen bis hin zu Verlegungen bei schweren Verstößen gegen die Hausordnung“, sagt der Sprecher. Jeder Brand werde zur Anzeige gebracht.
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Carola Ensslen (Linke) sieht jedoch ein grundsätzliches Problem. „Für eine Verbesserung müsste die Stadt die Anzahl der Bewohner:innen dort mindestens halbieren”, sagt sie der MOPO. Fast 1000 Menschen lebten dort auf engem Raum, darunter sehr unterschiedliche Gruppen: Familien, alleinstehende Männer, Frauen und Menschen mit Behinderung. Für Vulnerable sei es sehr schwer, dort zu leben, so die Sprecherin für Flucht und Migration der Linksfraktion. Aber auch insgesamt sei es auf Dauer keine menschenwürdige Unterbringung.
Um die Belegung massiv zu reduzieren, fehlten der Stadt jedoch die Kapazitäten. Zudem habe der Senat durch den Abbau von Unterkunftsplätzen die Unterbringungsnot verschärft, kritisiert Ensslen. „Für mich sieht es so aus, als würde der Senat auf einen Rückgang des Zuzugs durch die Asylreformen spekulieren. Das ist zynisch und geht auch auf Kosten derer, die bereits hier sind.“
Sozialbehörde: Belegung wurde bereits reduziert
Die Behörde verweist dagegen auf bereits gesunkene Belegungszahlen: „Die Belegung wurde bereits deutlich reduziert – von rund 1366 Personen im Frühjahr 2025 auf aktuell rund 960 Personen.“ Eine weitere Absenkung auf bis zu 900 Personen sei bis Mitte 2026 geplant. „Gleichzeitig stößt eine schnellere Reduzierung an Grenzen, da das Gesamtsystem der Unterbringung aktuell voll ausgelastet ist.“ Nach aktuellem Stand soll der Standort noch bis Ende 2027 betrieben werden.
Bis dahin versucht die Behörde offenbar, die Lage unter Kontrolle zu halten. Zu den Maßnahmen gehören häufige Kontrollen sowie ein rund um die Uhr besetzter Sicherheitsdienst. Flucht- und Rettungswege würden überwacht, mögliche Brandlasten umgehend entfernt. Zudem würden Bewohner über die strafrechtlichen Folgen solcher Taten aufgeklärt; Kulturmittler böten gezielte Beratung und Unterstützung an.
Um Konflikte zwischen Bewohnern zu entschärfen, gebe es regelmäßige Sprechstunden und Vermittlungsgespräche. Wenn erforderlich, würden auch ordnungsrechtliche Maßnahmen bis hin zur Verlegung ergriffen.
Außerdem gebe es regelmäßig einen Runden Tisch mit allen relevanten Akteuren, darunter Betreiber, Polizei, Bezirkspolitik und Nachbarn. „Jeder einzelne Vorfall wird sehr ernst genommen, konsequent nachverfolgt und zum Anlass genommen, Maßnahmen weiter zu schärfen“, so Behördensprecher Arnhold.
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Dazu sollen nun auch die Kameras beitragen. Doch ob sich die Lage in der berüchtigten Unterkunft dadurch tatsächlich entspannt, bleibt abzuwarten.