Nach Fristende der Elbtower-Gebote: Hamburger Unternehmer wohl letzter Bieter
Der 1. November wurde in der Immobilienbranche mit großer Spannung erwartet: Es war der Stichtag für die Abgabe von Geboten für den halbfertigen „Elbtower“ an den Elbbrücken. Insolvenzverwalter Torsten Martini, der nach dem Zusammenbruch des Immobilienimperiums von René Benko Dutzende Gebäude anbietet, hatte noch vor Kurzem von einer Handvoll Interessenten aus dem In- und Ausland gesprochen. Nach MOPO-Informationen aber hat wohl bisher nur ein einziger Investor ein seriöses Gebot abgegeben: der Hamburger Immobilienentwickler Dieter Becken. Wie geht es nun weiter? Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Bauprojekt, welches immerhin ein neues Wahrzeichen unserer Stadt werden soll.
Welche Chancen hat Becken?
Grundsätzlich gute. Mit Klaus-Michael Kühne, einem der reichsten Deutschen, und weiteren Investoren verfügt er über finanzkräftige Mitstreiter und kann sein Angebot seriös untermauern. Ganz im Gegensatz zum Pleite-Investor René Benko ist Beckens Ruf untadelig. Seit 1978 hat er bundesweit Hunderte Großprojekte fertiggestellt und ihm liegt das Stadtbild seiner Heimat am Herzen.
Gibt es gar keine Konkurrenz?
Zuletzt wurde der türkische Konzern Enka der Milliardärs-Familie Tara als Konkurrent der Gruppe um Dieter Becken genannt. Doch ob Enka bisher überhaupt ein Gebot abgegeben hat, ist unklar. Auch das starke Engagement Enkas in Russland könnte bei einem Gebot für den Elbtower problematisch sein. Eine MOPO-Anfrage ließ das Unternehmen unbeantwortet.
Welche Pläne hat Becken?
Grundsätzlich will Becken den 245 Meter hohen Tower nach den ursprünglichen Plänen fertigstellen. Vorgesehen ist neben Büroflächen auch ein Hotel. Ganz wichtig: Becken hat bereits einen Ankermieter, der eine Fläche von 40.000 Quadratmetern in dem Hochhaus langfristig anmieten will.
Wie geht es jetzt weiter?
Insolvenzverwalter Martini wird Beckens Angebot und mögliche weitere Offerten, die eventuell verspätet eingehen, sehr genau prüfen. Knackpunkt ist der Nachweis über eine wasserdichte Finanzierung aus seriösen Quellen. Daran dürften wohl schon im Vorfeld einige Bewerber gescheitert sein, die bisher öffentlich genannt wurden. Der Insolvenzverwalter wird das seriöseste Angebot auswählen und dieses der Gläubigerversammlung präsentieren. Diese Versammlung wird vermutlich aber erst Anfang 2025 einberufen. Neben der Hamburger Versicherung Signal Iduna und der Baufirma Lupp, die den Tower bisher errichtet hat, sitzen hier Dutzende Vertreter von Firmen, die nach der Insolvenz von Benkos Firmengruppe Signa noch viele Millionen bekommen. Stimmen die Gläubiger dem Angebot Beckens zu, kann dieser nach eigener Angabe zügig loslegen.
Um wie viel Geld geht es beim Elbtower?
Signal Iduna und die Baufirma Lupp haben Forderungen in Höhe von knapp 90 Millionen Euro ins Grundbuch eintragen lassen, sie müssten also zunächst finanziell befriedigt werden. Doch auch andere Gläubiger warten nach der Benko-Pleite auf viel Geld und die wichtigste Aufgabe des Insolvenzverwalters ist es, durch eine Veräußerung so viel Geld wie möglich zu erzielen. Die Fertigstellungskosten für den Elbtower dürften bei aktuell etwa einer Milliarde Euro liegen.
Wie könnte ein Zeitplan für die Fertigstellung aussehen?
Die Kräne stehen noch und nach MOPO-Informationen gibt es keine Schäden an dem verlassenen Bauwerk. Nach wenigen Monaten Vorbereitung könnte die Baufirma Lupp also weiterbauen. Alle vier bis sechs Wochen könnte ein Geschoss hochgezogen werden und der 64-stöckige Rohbau so bereits 2026 fertig werden. Eine komplette Fertigstellung wäre 2030 möglich.
Was sagen eigentlich die früheren Gegner des gigantischen Projekts?
Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Markus Schreiber hatte die Entscheidung seines Parteifreunds und früheren Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz für Benko als Bauherrn immer scharf kritisiert. Schreiber hatte früh die Vermutung, dass René Benko kein seriöser Investor sein könnte. Jetzt sagt Schreiber: „Ein Mahnmal gegen unseriöses Geschäftsgebaren an dieser prominenten Stelle nutzt niemandem. Eine Hamburger Lösung wäre das Beste. Herr Becken hat ein gutes Konsortium zusammengestellt, das sich mit dem Elbtower auskennt. Und es sollte schnell gehen, der unfertige Bau wird mit der Zeit nicht besser.“
Und was sagt der Bürgermeister zur Bauruine?
Nichts. Peter Tschentscher (SPD) hält sich raus, der Senat verweist darauf, dass es sich um ein privates Investment ohne jede staatliche Beteiligung handelt. Im März ist Bürgerschaftswahl und Tschentscher möchte mit möglichen Weiterbau-Problemen ganz bestimmt nicht in Verbindung gebracht werden. Möglicherweise sitzt auch das Elbphilharmonie-Trauma bei dem erfahrenen SPD-Politiker noch tief. Der heute weltweit gelobte Bau, der aus Steuergeldern finanziert wurde, sollte einmal weniger als 100 Millionen Euro kosten. Es wurden schließlich 866 Millionen.
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Was kann jetzt noch schiefgehen?
Wenn die Gläubigerversammlung keinem Investor den Zuschlag erteilt, müssten die Gläubiger selbst den Elbtower übernehmen. Ein solches Vorhaben dürfte bei der hohen Anzahl an Gläubigern im Chaos enden.