Hamburg
Nach erbittertem Café-Zoff: Jetzt zieht neues Leben in dieses denkmalgeschützte Haus
Neues Bistro kann im Stavenhagenhaus eröffnen. Zudem wird jetzt ein Millionenbetrag investiert. Zuvor hatten Ex-Politiker von CDU und SPD gegen die Gastronutzung gekämpft.
Vor knapp zwei Jahren tobte um das Stavenhagenhaus in Groß Borstel ein erbitterter Kampf: Das damals lang ersehnte Café musste nach einer Nachbarschaftsklage durch einen ehemaligen CDU-Politiker und viel Hin und Her wieder schließen. Die neue Bezirkskoalition um SPD, CDU und FDP bemühte sich daraufhin um ein neues Konzept. Jetzt gibt es gute Nachrichten.
„Ohne Gastronomie ist dieses Haus tot!“, fasste Ulrike Zeising, Vorsitzende des Kommunalvereins Groß Borstel das Problem im Jahr 2024 zusammen. Laut ihr hatten sich viele Einwohner des Stadtteils gefreut, als das Kulturcafé Anfang Februar 2024 seine Türen in der Frustbergstraße geöffnet hatte. Nur ein einziges anderes Café gäbe es ansonsten im Stadtteil.
Café im Stavenhagenhaus musste nach nur wenigen Wochen schließen
Doch nur fünf Wochen später war schon wieder Schluss. Grund dafür war der Beschluss in einem Eilverfahren des Hamburger Verwaltungsgerichts. Geklagt hatten die Nachbarn. Unter den zwei Kläger-Ehepaaren befand sich auch ein bekanntes Gesicht: CDU-Politiker Berndt Röder, der bis 2010 Präsident der Hamburgischen Bürgerschaft war. Anwaltlich vertreten wurde er vom Ex-Bezirkschef von Hamburg-Nord, Mathias Frommann (SPD).
Gemeinsam warfen sie dem damaligen Bezirkschef Michael Werner-Boelz (Grüne) vor, den Cafébetrieb eigenmächtig vorangetrieben zu haben. In einem Wohngebiet sei nun einmal keine Gastronomie erlaubt. Im August 2024 hob der Bezirk Hamburg-Nord den Pachtvertrag mit der Cafébesitzerin dann endgültig auf, zu unsicher sei die rechtliche Lage.
Bezirk ermöglichte neue Gastronomie im Stavenhagenhaus
Die neue Bezirkskoalition, bestehend aus CDU, SPD und FDP setzte sich schließlich zusammen mit dem Bezirksamt für eine „bauordnungsrechtliche Nutzungsänderung“ ein. Bedeutet: Dort sollte künftig auch Gastronomie rechtlich möglich sein: Ein Café könnte Gäste von 9 bis 20 Uhr im Innen- und Außenbereich sowie bei kulturellen Veranstaltung bis 22 Uhr im Innenbereich bewirten. Die Außengastronomie würde auf 50 Plätze beschränkt.
Es folgten lange rechtliche und bürokratische Prozesse – aber schließlich wurde ein neuer Betreiber für das Café gefunden: Kathrin Hemmecke und Jörg Köpke-Hemmecke, die bereits seit Jahren das Restaurant „köpke essen + trinken“ in Eppendorf betreiben, haben im Stavenhagenhaus seit dem 1. Juli ein neues Bistro eröffnet. Dort gibt es eine Karte mit schnellen Gerichten, wie Ofenkartoffeln oder Salate, sowie wöchentlich wechselnde Speisen.
Stavenhagenhaus wird ab Montag denkmalgerecht saniert
Allerdings: Gleichzeitig beginnt ab Montag auch die Sanierung des denkmalgeschützten Stavenhagenhauses. Dabei soll ein zusätzliches Fluchttreppenhaus eingebaut werden, um die bislang begrenzte Personenanzahl von 30 im 1. Obergeschoss zu ändern. Das Budget beläuft sich auf rund zwei Millionen Euro.
Die Betreiber des Bistros wollen trotzdem schon mal loslegen – allerdings könne es an einigen Tagen zu Schließungen kommen, wenn etwa neue Stromleitungen verlegt werden. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag 12-20 Uhr sowie Samstag und Sontag 10-20 Uhr. Drinnen soll der Betrieb bis 22 Uhr möglich sein.
Sie sind bereits M+ Abonnement?