Hamburg

Nach dem CDU-Ärger: Ausgerechnet das Rettungsforum wird für Fritz Kola unangenehm

Auf dem Panel des „Fritz Kola Kommunity Forum“ (v.l.): Moderatorin Victoria Reichelt, Fritz-Gründer Mirco Wolf Wiegert, Daniel Drepper („Netzwerk Recherche“), Sophie Oppermann („Gesicht zeigen“), Nina Poppel („Nina erklärt Politik“) und Oke Göttlich (FC St. Pauli).

Der Plan war, Vertrauen zurückzugewinnen. Nach dem CDU-Shitstorm Anfang des Jahres lädt Fritz Kola Ende Juni erstmals zum „Kommunity Forum“. Doch statt nur über Demokratie zu sprechen, gerät das Unternehmen unter Rechtfertigungsdruck.

Ein nie dagewesener Shitstorm rollte Anfang des Jahres über Fritz Kola hinweg: Dass die als haltungsbewusst wahrgenommene Marke die CDU mit einer saftigen Spende und deren Parteitag mit Getränken unterstützt hatte, kam bei der Hamburger Stammklientel gar nicht gut an. Die Heftigkeit der Reaktion, mit der keiner gerechnet habe, hätte das Unternehmen eine Woche „lahmgelegt“, sagt Mitgründer Mirco Wolf Wiegert auf seinem im Rahmen des Skandals ins Leben gerufenen „Kommunity Forum“. Doch dann wird die Veranstaltung selbst zum PR-Desaster. Schafft Fritz es, das angekratzte Image wieder aufzupolieren?

Mit Oke Göttlich (FC St. Pauli), Sophie Oppermann („Gesicht zeigen“), Daniel Drepper („Netzwerk Recherche“), Influencerin Nina Poppel und einer ziemlich coolen Location (das Haus 73 in der Sternschanze) leitet Fritz Kola Ende Juni die nächste Maßnahme der Schadensbegrenzung ein: Das „Kommunity Forum“, bei dem geladene Gäste, Kunden und Mitarbeiter über verschiedene Themen diskutieren, die sich unter dem Wort „Demokratie“ zusammenfassen lassen.

Fritz Kola: Mitarbeiter litten unter dem CDU-Shitstorm

An dem Abend wird deutlich, dass es das „Kommunity Forum“ ohne den CDU-Skandal nie gegeben hätte. Kaum ein Redebeitrag von Mitgründer Mirco Wolf Wiegert kommt ohne den Verweis auf den Shitstorm aus. Der habe das Unternehmen eine Woche lang „lahmgelegt“ und ihn persönlich stark belastet. Mit Kritik habe er gerechnet – nicht aber mit dieser Wucht.

Wiegert begründet die Parteispende über 25.000 Euro an die CDU weiterhin mit dem Argument, man wolle alle demokratischen Parteien im Kampf gegen die AfD unterstützen. Das Unternehmen hatte daher neben der CDU auch Geld an die SPD, die Grünen und die FDP gespendet. Die Linke nimmt grundsätzlich keine Unternehmensspenden an.

Die CDU habe eben die größten Chancen auf eine Regierungsbeteiligung gehabt – und den Parteitag habe man mit Getränken unterstützt, damit ehrenamtliche Lokalpolitiker, die dort arbeiteten, „wenigstens ordentliche Limo bekommen“, so Wiegert.

Abgesehen von der Wiederholung dieser Begründung, an der Fritz Kola im gesamten letzten Halbjahr eisern festhielt, beschränkt Mirco Wolf Wiegert sich in der Diskussion auf die Beschreibung der Folgen, die der Shitstorm für ihn und seine Mitarbeiter hatte. Die Hate-Welle würde andere Unternehmen davon abhalten, sich politisch zu engagieren – und das sei doch so wichtig in der heutigen Zeit. Doch mit dieser Argumentation stößt er nicht nur auf Zustimmung. St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich hält dagegen: „Ein bisschen was muss man auch aushalten – ich finde, wir sollten manchmal weniger jammern.“

Kritik ausgerechnet vom Podium

Ausgerechnet beim Thema Demokratie folgt dann die unangenehmste Frage des Abends. „Das beste Mittel zur Unterstützung der Demokratie in Unternehmen ist der Betriebsrat“, sagt Sophie Oppermann. Dann richtet sie eine Frage an Wiegert: „Habt ihr eigentlich einen, Fritz?“ Ein Raunen geht durch die Reihen der Mitarbeiter im Publikum. Wiegert ringt sichtlich um eine Antwort. Eine Betriebsratsgründung müsse von den Beschäftigten ausgehen, sagt er, bisher habe es dafür keine Initiative gegeben.

Ob es unter den etwa 340 Mitarbeitern entsprechende Bestrebungen gab oder gibt, lässt sich von außen nicht überprüfen. Für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) verweist die Frage jedoch auf ein grundsätzliches Problem. Anne Widder, Geschäftsführerin für Hamburg-Elmshorn, schreibt der MOPO: „Wer sich als moderne, werteorientierte Marke präsentiert, muss sich auch daran messen lassen, wie demokratische Beteiligung im eigenen Betrieb ermöglicht wird.“ Die Gewerkschaft kündigt an, Beschäftigte bei einer möglichen Betriebsratsgründung mit Beratung und rechtlichem Beistand zu unterstützen. Betriebsräte, echte Mitbestimmung und Tarifbindung gehörten zu einer zeitgemäßen Unternehmenskultur, so Anne Widder.

Wiegert weist die Kritik zurück. Im Gespräch mit der MOPO verweist der Fritz-Kola-Mitgründer auf andere Formen der Mitarbeiterbeteiligung. „Wir haben zahlreiche Beteiligungsformate: Wir fördern anonymes Feedback, führen Stay- und Exit-Interviews und nehmen an Umfragen wie von Great Place to Work teil“, sagt er. Bei Gesprächsrunden mit der Geschäftsführung und Trainings könnten die Unternehmenswerte kritisch hinterfragt werden. Rückmeldungen hätten unter anderem zu Resilienz- und Englischtrainings, speziellen Führungskräftetrainings für Frauen sowie Maßnahmen im Gesundheits- und Arbeitsschutz geführt.


Doch nicht nur die Mitbestimmung sorgt immer wieder für Kritik. Gerade beim Thema Bezahlung äußern Beschäftigte seit Längerem Unzufriedenheit. Auf der Arbeitgeberplattform Kununu erreicht Fritz-Kola zwar insgesamt 4,4 Sterne und eine Weiterempfehlungsquote von 83 Prozent, in der Kategorie Gehalt fallen die Bewertungen jedoch deutlich schlechter aus. Mehrere Nutzer sprechen von einem „unterdurchschnittlichen Gehalt“ oder schreiben, die Bezahlung werde der Verantwortung nicht gerecht. Wiederholt findet sich auch der Vorwurf: „Außen hui, innen pfui“.

Beim „Kommunity Forum“ löst sich die Unruhe durch geschickte Moderation in Wohlgefallen auf. Mirco Wolf Wiegert zieht für sich das Fazit, Nutzer müssen großzügiger werden gegenüber den Entscheidungen von Unternehmen. Die Diskussion über die Parteispende dürfte Fritz Kola mit dem „Kommunity Forum“ aber kaum beendet haben – stattdessen steht nun eine weitere Frage im Raum: Wie demokratisch ist die Unternehmenskultur hinter der Marke?

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