Nach AfD-Plakataktion in Hamburg: Milchmilliardär Müller verklagt Aktivisten
Milchmilliardär Theo Müller geht juristisch gegen die Aktivisten von „Campact“ vor. Nach der AfD-Plakataktion in Hamburg will Müller erreichen, dass die Kampagne gestoppt wird – schon in den kommenden Tagen soll sich ein Gericht mit dem Fall befassen.
Der Unternehmer Theo Müller zerrt Campact vor Gericht. Mit einer einstweiligen Verfügung will er der Organisation verbieten lassen, zu behaupten, er „unterstützt die rechtsextreme AfD“. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, soll sich bereits in dieser Woche das Landgericht Hamburg mit dem Antrag beschäftigen.
Campact reagiert kämpferisch und erklärt in einer Mitteilung, man lasse sich von der Klage nicht einschüchtern. „Unsere Antwort soll schon bald kommen. Mit einer Truck-Tour wollen wir deutschlandweit über Müllers AfD-Unterstützung aufklären“, kündigt Christin Furtenbacher von Campact an. „Dafür schicken wir Lastwagen mit riesigen digitalen Bildschirmen durch Dutzende Städte.“ Für das Vorhaben sind die Aktivisten auf Spenden angewiesen.
Müller-Anwalt erklärt Verbindung zur AfD
Müllers Anwalt Christian Schertz betont, sein Mandant „hat zu keinem Zeitpunkt die AfD unterstützt“. Die Plakate enthielten eine „unwahre Tatsachenbehauptung“, insbesondere durch ihre „undifferenzierte blickfangartige“ Darstellung.
In der Öffentlichkeit entstehe der Eindruck, Müller habe entweder Geld gespendet oder andere Ressourcen zur Verfügung gestellt. Tatsächlich habe Müller in einem Interview erklärt, Mitglied der CSU, aber nicht der AfD zu sein. Er habe der AfD kein Geld gespendet; eine private Freundschaft zur AfD-Politikerin Alice Weidel sei strikt von der Frage einer politischen Unterstützung zu trennen.
Plakataktion von Campact im Januar in Hamburg
Im Januar hatte „Campact“ unter anderem in Hamburg großflächig Plakate geklebt, die auf die Verbindung des Industriellen Theo Müller zur AfD aufmerksam machen. „Mit AfD-Geschmack“ oder „Alles AfD oder was“ stand da neben unappetitlichen Bildern von „Müller-Milch“ und „Müller Milchreis“ – 28.000 Plakate befestigte „Campact“ überall in Deutschland an Laternen, Zäunen und Wänden. Die MOPO berichtete.
Und das nicht ohne Grund: Im vergangenen Jahr erregte Theo Müller, Gründer des Milch-Imperiums, deutschlandweit Empörung, weil er seine Freundschaft mit AfD-Chefin Alice Weidel offen zur Schau stellte und sich grinsend mit ihr und seiner Frau ablichten ließ – Einladung zur privaten Geburtstagsfeier inklusive.
„Campact“ kritisiert Müller mit großer Plakatkampagne
Müller erklärte, er sei „irgendetwas zwischen Sympathisant und Beobachter“ der AfD und könne bei der Partei „nicht den geringsten Anhaltspunkt“ für eine NS-Ideologie finden. In den sozialen Medien gab es große Boykottaufrufe. Auch „Campact“ hat bereits vor Monaten mit einer Kampagne reagiert und Sticker gedruckt und verschickt, die auf Müller-Produkten im Supermarkt verteilt wurden.
Zwar berichtet das „Manager Magazin“ von leichten Einbußen infolge des Image-Schadens, grundsätzlich geht es dem Unternehmen aber mit rund 33.800 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 9,5 Milliarden Euro blendend, die Produkte gehen demnach in gut 80 Länder (2024).
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Zu der Marke gehören auch die Produkte von Landliebe, Weihenstephan und Sachsenmilch. Ein Problem für Händler, die sich zwischen dem wachsenden Druck der Öffentlichkeit und Angst vor Umsatzeinbußen entscheiden müssen: So ging der Facebook-Post eines Supermarktes aus Bayern viral, nachdem dieser erklärt hatte, die Produkte von Müller nicht einfach so aus dem Sortiment nehmen zu können, da das Unternehmen in einzelnen Produktsparten 30 Prozent Marktanteil besitze und deren Wegfall einen großen wirtschaftlichen Schaden für den Supermarkt bedeuten würde.
Der Markt weist auch darauf hin, dass viele weitere Unternehmer und Unternehmen als problematisch betrachtet werden müssen, Kunden durch bewusste Produktentscheidungen aber eine gewisse Macht besitzen. „Ihr seid diejenigen, die mit dem Einkaufszettel abstimmen“. Und auf diese Entscheidungsgewalt setzt nun auch „Campact“ mit seinen Plakaten: „Damit noch mehr Menschen vom üblen Nachgeschmack der Müllermilch erfahren“, schreibt der Verein.
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