Mutmaßlicher Radbetrüger abgetaucht: „Ich will, dass der Typ hinter Gitter kommt“

Der Geschäftsführer im Jahr 2008 in einem seiner Fahrradläden (Archivbild)
Der Geschäftsführer im Jahr 2008 in einem seiner Fahrradläden (Archivbild)

Anna Gerber (alle Namen geändert) wartet inzwischen seit mehr als einem Jahr auf ihr versprochenes Fahrrad. Mehr als 1000 Euro hat sie bislang an den Hamburger Händler, einen ehemaligen Rad-Profi gezahlt – ohne Gegenleistung. Nachdem die MOPO vor wenigen Tagen über den Fall berichtet hat, haben sich weitere Betroffene gemeldet. Zwei Männer haben bereits Anzeige erstattet. Doch es gibt ein Problem: Der Händler scheint spurlos verschwunden, die Staatsanwaltschaft ist somit machtlos. Was der Händler zu den Vorwürfen sagt – die MOPO hat ihn mit den Vorwürfen konfrontiert.

Anna Gerber ist bei Weitem nicht das einzige Opfer des ehemaligen Radrennfahrers. Es meldeten sich in den vergangenen Tagen mehrere Kunden bei der MOPO, die Tausende Euro verloren haben. Weil sie ihre bestellten Räder entweder gar nicht bekommen haben – oder sie so starke Mängel hatten, dass sie sie zur Reparatur direkt wieder zurückgaben. Und seitdem darauf warten, sie wieder abholen zu können.

Diverse Kunden reingefallen – immer die gleiche Masche

Immer wieder begeisterte der Händler die Kunden zunächst mit seinem freundlichen, kompetenten Auftreten. Nach dem Verkauf sollen aber auch immer dieselben Ausreden gefolgt sein, mit denen die Kunden hingehalten wurden: Es würden Ersatzteile fehlen oder er wäre krank gewesen, soll er beteuert und gleichzeitig versichert haben, dass das Rad in den nächsten Tagen auf jeden Fall abgeholt werden könne. „Dieser Mann lügt, wenn er den Mund aufmacht“, sagt Simon Beck, ebenfalls ein geprellter Kunde, der MOPO.

Vor sieben Jahren hatte er bei dem Ex-Profi ein Fahrrad für 1000 Euro bestellt. Er konnte es zwar abholen, aber es traten ständig neue Mängel auf, die ausgebessert werden mussten. „Die letzte Reparatur konnte oder wollte er dann nicht mehr machen“, sagt Beck. Das Fahrrad blieb bei dem Geschäftsführer – bis heute, sagt er. Das Geld ist weg. Der Vertrag lief über eine von diversen Vorgängerfirmen, gegen die seit 2022 ein Insolvenzverfahren läuft.

Staatsanwaltschaft machtlos: Die Adresse fehlt

Mittlerweile hat Beck einen Anwalt eingeschaltet und Anzeige erstattet. „Ich will, dass dieser Typ hinter Gitter kommt!“, sagt er. Der Hamburger Staatsanwaltschaft ist die Sache bekannt, wie eine Sprecherin der MOPO bestätigt. Aber das Verfahren musste eingestellt werden, weil der Verkäufer untergetaucht ist. „Nach seinem Aufenthalt wird gefahndet“, so die Sprecherin. Es liege derzeit keine gültige Privatanschrift vor. Auch der Laden ist weg: In dem Haus in Harvestehude, das er in mehreren Fällen weiter als Firmensitz angibt, sitzt jetzt eine Änderungsschneiderei.

Der Geschäftsführer weist die Vorwürfe zurück

Die Staatsanwaltschaft kann den Mann nicht finden, die MOPO rief ihn einfach an: Am Telefon konfrontierten wir den Händler über eine Handynummer, die wir von einem der Betroffenen bekommen haben, mit den Vorwürfen. Der Geschäftsführer sagt, er habe sich vor zwei Wochen umgemeldet. Die Fahrräder würden aktuell alle in seinem Lager in Bargteheide stehen und könnten jederzeit von den Kunden abgeholt werden. Die Verzögerungen begründet er mit einer längeren Krankheitsphase im vergangenen Jahr. Ansonsten weist er jegliche Vorwürfe zurück.

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Simon Beck ist frustriert, genau wie viele andere Kunden. „Wir müssen den Schulden selbst hinterherrennen. Ich würde mir wünschen, dass die Staatsanwaltschaft da aktiver wird“, kritisiert Beck. Die Opfer vernetzen sich inzwischen untereinander und hoffen, gemeinsam irgendwie an ihre Fahrräder zu kommen – oder wenigstens ihr Geld zurückzubekommen.