Hamburg
Müll-Desaster, Rattenplage, Zufahrten dicht: Chaos an der Elbchaussee
Wochenlang blieb der Müll liegen, Grundstücke nicht zu erreichen: Chaos auf der Elbchaussee-Baustelle.
Die Schilderungen des Elbchausseeanwohners klingen dramatisch: „Müllbehälter überfüllt“, „erhebliche Geruchsbelästigung“, „Ratten breiten sich aus“. So steht es in seinem Beschwerdebrief an den Bürgermeister. Die Stadt räumt ein, dass es an Hamburgs feinster Adresse – inzwischen auch eine berüchtigte Dauerbaustelle – ein wochenlanges Problem mit der Müllentsorgung gab. Es ist auch schon ein Schuldiger gefunden.
„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Tschentscher, hiermit erhebe ich Beschwerde über die ausbleibende Müllabfuhr in unserem Wohngebiet rund um die Elbchaussee Höhe Donnerspark und die daraus entstandenen erheblichen Missstände“, so beginnt der Wut-Brief des Anliegers, versandt Ende Juni.
Elbchaussee: Chaos auf der Baustelle
„Die Müllbehälter wurden über einen Zeitraum von circa drei Wochen nicht regulär geleert“, bestätigt der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) gegenüber der MOPO. Betroffen seien die Grundstücke Elbchaussee 1 bis 124, sowie die Klopstockstraße 1 bis 31, Klopstockterrasse 1 bis 9, Rainvilleterrasse sowie einzelne Eckgrundstücke von Nebenstraßen.
Das unhygienische Stinkedesaster mitten in der Hitzewelle hat die Projektleitung nun zu einer Postwurfsendung an alle Haushalte gezwungen: Wegen der Vollsperrung der Elbchaussee habe die Stadtreinigung einige Grundstücke nicht erreichen können und das Bauunternehmen Strabag hätte eigentlich dafür sorgen sollen, dass die Müllbehälter solange zu Sammelstellen gebracht werden.
Diese Aufgabe habe die Strabag weitergereicht – und das Subunternehmen habe seinen Job nicht erfüllt. „Die Strabag hat bereits Maßnahmen eingeleitet, den Nachunternehmer auszutauschen“, so die Projektleitung. Kurzfristig habe die Stadtreinigung eine „Notentsorgung“ durchgeführt, ab kommender Woche sollen die Tonnen wieder regulär geleert werden. Außerdem habe das Bauunternehmen wegen der Rattenplage „unverzüglich“ eine Fachfirma für Schädlingsbekämpfung beauftragt.
„Wir bedauern die entstandenen Beeinträchtigungen ausdrücklich und danken für Ihre Geduld und Ihr Verständnis“, schließt das Schreiben der Projektleitung.
Seit März 2025 wird die Elbchaussee saniert
Mit Geduld und Verständnis ist es bei den Anwohnern aber nicht mehr weit her: Seit März 2025 wird die Elbchaussee abschnittsweise saniert, bis März 2030 werden die Arbeiten andauern, so die Information von Hamburg Wasser, Hamburger Energienetze und dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG). „Es ist für uns Anlieger unbegreiflich, warum die Baustelle an einer so wichtigen innerstädtischen Erschließungsstraße so unglaublich lange dauern kann“, so der Inhaber eines Architekturbüros: „Erst der Marathon hat plötzlich zu Betriebsamkeit geführt, davor ist wochenlang praktisch nichts passiert.“
Für den Marathon war die Baustelle im April mit einem provisorischen Straßenbelag versehen worden, Kostenpunkt: 120.000 Euro. Eigentlich hätten die Läufer damals schon über den fertigen Asphalt traben sollen, aber die Arbeiten hinken dem Zeitplan hinterher.
Was die Anlieger nervt, ist die mangelnde Kommunikation: keine versprochenen Updates auf der Seite des LSBG, überhaupt keine rechtzeitigen Informationen, auch nicht über die Sache mit den aktuell gesperrten Grundstückszufahrten von der Hausnummer 1 bis 124.
„Das anonyme Flugblatt der Strabag stellt den Gipfel der Zumutungen dar“, so der Architekt: „14 Tage lang, vom 25. Juni bis 8. Juli, soll jetzt unser Büro und alle anderen Anlieger überhaupt nicht mehr erreichbar sein.“ Seine Frage an die Altoaner Baustellenkoordination: „Was nun? Büro schließen?“
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Im Gespräch mit der MOPO betont der Anlieger, dass er natürlich Verständnis habe für die Bauarbeiten: „Aber ich habe nun das Problem, dass wir keine Anwohnerparkausweise bekommen, weil wir auf unseren Grundstücken parken sollen. Wenn ich also während der Bauarbeiten in einer Nebenstraße parke, bekomme ich ein Ticket.“ Auch seine Bauleiter, die auf ihren Wagen und Parkplätze angewiesen seien, würden kontinuierlich „mit Strafzetteln bedacht.“
Das sagt der LSBG
Der LSBG entgegnet, dass die Grundstücke immerhin an den Wochenenden per Auto zu erreichen seien, allerdings auf eigene Gefahr: „Nach dem Einbau jeder Asphaltschicht wird eine haftende Bitumenemulsion auf die Straße eingebracht, damit die darauffolgende Asphaltschicht gut haftet. Diese Emulsion kann zu hartnäckigen Verschmutzungen an Fahrzeugen führen.“ Am Wochenende weiterzuasphaltieren, um schneller voranzukommen, sei leider unmöglich: „Dies hätte eine durchgängige Vollsperrung auch am Wochenende zur Folge. Dafür bitten wir um Verständnis.“
Und? Hat der Bürgermeister sich schon gemeldet? Der Absender des Briefes: „Nee.“ Die Senatskanzlei bittet um Geduld: „Wir bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten und nehmen Ihre Beschwerde sowie die damit verbundenen Sorgen sehr ernst.“
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