Hamburg
Müll-Debakel: Jetzt gerät SPD-Mann in Kritik
Neben dem Ex-Chef gerät nun auch ein amtierender Geschäftsführer der Stadtreinigung in Kritik: Die Aufarbeitung des Müll-Skandals wirft neue Fragen auf.
Die Kostenexplosion beim Bau der neuen Müllverwertungsanlage in Bahrenfeld sorgt weiter für politischen Wirbel. Das Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) sollte ursprünglich 234 Millionen Euro kosten, doch der Preis kletterte über 534 Millionen auf laut Berichten nun womöglich 750 Millionen Euro oder mehr. Die Anlage ist noch immer nicht fertig. Offizielle Angaben zu den erwarteten Kosten gibt es nicht. Derweil läuft die Suche nach den Schuldigen auf Hochtouren: Nun rückt ein amtierender Geschäftsführer der Stadtreinigung in den Fokus.
Der frühere Chef der Stadtreinigung, Rüdiger Siechau, steht wegen des völlig aus dem Ruder laufenden ZRE in Kritik. MOPO-Informationen zufolge wird geprüft, ob er und weitere Projektbeteiligte für die Kostenexplosion haftbar gemacht werden können.
ZRE-Debakel: Das fordert jetzt die CDU
Doch während Siechau bereits im Ruhestand ist und auf dem Gelände der Stadtreinigung sowie der ZRE-Baustelle Hausverbot hat, ist sein langjähriger Co-Geschäftsführer Holger Lange nach wie vor im Amt. Das sorgt bei der CDU für Unverständnis – denn Lange ist nicht nur kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtreinigung, sondern zugleich Chef der Stadtreinigungsholding. Die Holding ist das Bindeglied zwischen der Stadtreinigung und deren Tochtergesellschaften, darunter derjenigen, die für das ZRE zuständig ist.
Lange geht Ende Juli ohnehin in den Ruhestand. Freigestellt ist er bislang nicht. Das sorgt bei CDU-Umweltpolitiker Sandro Kappe für Unverständnis: „Ein Geschäftsführer soll für die Kostenexplosion in Haftung genommen werden, während der andere trotz seiner zentralen Verantwortung weiterhin im Amt bleibt und Zugang zu allen Unterlagen hat. Diesen Widerspruch muss der Senat endlich erklären“, sagte er der MOPO. Er fordert, Lange unverzüglich freizustellen und den dienstlichen Rechner zu sichern.
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Holger Lange selbst wollte sich der MOPO gegenüber nicht zu dem Thema äußern.
Stadtreinigung: So kam Lange an die Stelle
Zusätzliche Brisanz bekommt der Fall durch Langes Berufung im Jahr 2015. Nach Recherchen des Abendblatts wurde der frühere Umweltstaatsrat und SPD-Mann damals ohne Ausschreibung Geschäftsführer der Stadtreinigung. Das verstieß zwar nicht gegen gültiges Recht, aber gegen geltende Empfehlung. Die CDU wittert politische Begünstigung: Kappe spricht von einem „erheblichen Geschmäckle“. In der Bürgerschaft will die Partei umfangreiche Akteneinsicht zum ZRE beantragen.
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