Motorradfahrer packen aus: Davor haben wir Angst
Freiheit, Unabhängigkeit, der Rausch der Geschwindigkeit: Für Biker ist das Motorrad die Verkörperung eines Lebensgefühls. Wer in Deutschland unterwegs sein oder sich andere Länder anschauen will, tourt auf seiner Maschine durchs Land. Doch die Straße ist gefährlich. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen – zuletzt traf es zwei Motorradfahrer in Hamburg. Beim Motorrad-Gottesdienst (MoGo) am Sonntag im Michel wollte die MOPO wissen, wohin die nächste Tour geht. Und: Wovor die Fahrer am meisten Angst haben.
Kollision von Motorrad und Auto, Wildunfall mit Motorrad, Motorrad rutscht in Gegenverkehr, 18-Jähriger bei Motorradunfall schwer verletzt, Motorradfahrer stirbt bei Unfall – Meldungen wie diese sind keine Seltenheit. Nach der vorläufigen Verkehrsunfallstatistik verunglückten in Hamburg im vergangenen Jahr 307 Motorradfahrer, zwei starben bei den Unfällen.
Hamburg: Biker gedenken der verunglückten Kollegen
Die verletzten und getöteten Kollegen sind auch Thema auf dem Motorrad-Gottesdienst (MoGo) am Sonntag im Michel. Die Gottesdienstbesucher können eine Kerze für die Verstorbenen anzünden oder an einem Kreuz vor der Kirche einen Stein niederlegen. Letztendlich steht jedoch die Freude am Motorradfahren und an den verschiedenen Modellen im Vordergrund: „Das ist eine Feier des Lebens“, sagt MoGo-Pastor Lars Lemke. Er spricht von einer großartigen Veranstaltung.
Der Motorrad-Gottesdienst in Hamburg gilt als der größte Europas. In den Jahren vor der Corona-Pandemie bedeutete das: Straßensperren und tausende Biker in der Stadt. Rund 20.000 Motorradfahrer und -fahrerinnen kamen 2019 am Michel zusammen, um am Gottesdienst teilzunehmen und zu fachsimpeln. Nach Angaben des Veranstalters sind es in diesem Jahr deutlich weniger: 2500 bis 3000 Menschen mit 1000 Maschinen seien am Sonntag zur Kirche gekommen.
Unter ihnen auch Holger Doleter (61, Elektriker) aus Reinfeld. Er habe in der nächsten Zeit keine größere Motorrad-Tour geplant, erzählt er der MOPO. „Sorgen machen mir Autofahrer – dass sie mich übersehen und es zu einem Unfall kommt. In einer Situation schaltete ich meine LED-Lichter hinten an, da hörte ich plötzlich das Geräusch von Bremsen eines Lkw hinter mir“, sagt er. „Ging aber alles gut.“
Kathy Savannah Krause (39, Musical-Darstellerin) und Mario Ciemielewski (47, Fahrlehrer) aus Hamburg haben gleich mehrere Urlaubspläne, darunter auch Holland: „Unsere nächste Tour geht in die Niederlande. Bei unseren Reisen machen wir oft 300 bis 500 Kilometer am Tag. Gefährlich ist es auf der Autobahn, wenn plötzlich ein Wohnwagen überholt oder ein Auto wie aus dem Nichts auftaucht und vorbei rast. Landstraßen ziehen wir definitiv vor.“
Für Sven Steffens (49, Medizinischer Angestellter im Außenbereich) und seinen Sohn Finn Jesse Steffens (18, Schüler) aus Bullenkuhlen (Kreis Pinneberg) steht die erste große gemeinsame Tour an: „Wir fahren übers Wochenende in den Harz. Für meinen Sohn ist es das erste Mal. Ich bin seit 36 Jahren auf der Straße. Wenn Kurven schlecht einsehbar sind, kann es natürlich brenzlig werden. Aber da muss man halt einfach vom Gas. Wir beide haben keine Angst, aber meine Frau macht sich oft Sorgen.“
Bernd Langer (59, Metallveredler) aus Quickborn (Kreis Pinneberg) hat keine Angst auf der Straße. „Wenn ich auf dem Motorrad sitze, vergesse ich alles. Das ist Entspannung pur. Ich fahre dann auch mal schnell, bin immer vorne.“ Das ändere sich nur, wenn seine Tochter Nancy (32, Bürokauffrau) hinten sitzt. „Sobald meine Tochter mitfährt, ist das anders. Ab da fahre ich sehr vorsichtig und langsam. Dann mache ich mir doch Sorgen.“ Und für Nancy ist klar: „Ich selbst fahre nicht. Und wenn ich auf einem Motorrad sitze, dann nur hinter Papa.“