Mord in Eimsbüttel: Jetzt packt Hamburgs „Hells Angels“-Gründer aus

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Günther „Conny“ Hartmann: 1973 gehörte er zu den Gründern der Hamburger „Hells Angels“. Dieses Foto entstand direkt neben der Apostelkirche in Eimsbüttel – fast genau dort, wo 1973 Gemeindehelfer Dieter König erstochen wurde.

Wer Günther Hartmann kennenlernt, der denkt: Ach, was für ein freundlicher älterer Herr! Dass er, der auf den Spitznamen „Conny“ hört, sieben Jahre im Knast saß, dass er in seiner Jugend mit Drogen dealte, dass er früher dazu neigte, jedem, der ihm querkam, ein paar aufs Maul zu hauen – darauf würde erst mal keiner kommen. Ein Rocker der ganz harten Sorte war Hartmann. 1973 spielte er eine entscheidende Rolle bei der Gründung der Hamburger „Hells Angels“: Sein Kumpel Rainer Kopperschmidt und er reisten in die USA und holten sich im Headquarter der gefährlichsten Motorradgang der Welt in Oakland/Kalifornien die Erlaubnis, das erste deutsche „Charter“ zu gründen. Den Hamburger Ortsverein der Höllenengel.

Jetzt will Günther Hartmann ein Buch schreiben. Aber warum? Was treibt ihn an? Ist er etwa auch noch stolz darauf, eine kriminelle Organisation aus der Taufe gehoben zu haben? „Es geht nicht um Stolz“, wehrt Conny Hartmann die Unterstellungen des MOPO-Reporters ab. „Tatsache ist: Ich bin der letzte Überlebende, und bevor ich abtrete, möchte ich sagen, wie es wirklich war. Ungeschönt.“

Conny Hartmann (75) wächst in Heimfeld auf: „Adrenalin-Junkie, nur Scheiße im Hirn“

Conny Hartmann
So sah Günther „Conny“ Hartmann als 24-Jähriger aus. Aufgenommen bei seiner Gerichtsverhandlung 1973

Dazu gehört auch, dass er endlich herausrücken will mit der Wahrheit über den Tod des damals 20-jährigen Dieter König im Frühjahr 1973 – der erste Mord der Hamburger „Hells Angels“. 50 Jahre lang haben alle Beteiligten dichtgehalten, auch er. Keiner hat preisgegeben, wer damals mit dem Messer zustach. Im Gespräch mit der MOPO bricht Hartmann nun sein Schweigen …

Aber wer ist dieser Conny Hartmann überhaupt? Geboren 1949, wächst er in Heimfeld in einfachen Verhältnissen auf, lebt später im Phoenix-Viertel. Sein Vater ist Seemann, seine Mutter Arzthelferin. Auf Autoritäten, egal, ob Eltern, Lehrer oder Arbeitgeber, reagiert er allergisch. „Ein Adrenalin-Junkie, immer nur Scheiße im Hirn“, sagt er heute über sich selbst.

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Die Volksschule bricht er ab, die Bäckerlehre ebenfalls. Danach schlägt er sich mit Hilfsjobs auf dem Bau durch. Wenn er frei hat, braust er mit seinem Kreidler-Kleinkraftrad durch Hamburg, trifft sich in Tanzclubs wie dem „YaYa“ in Rothenburgsort und dem „Cleopatra“ in Rahlstedt mit Gleichgesinnten – junge Männer mit langen Haaren, so wie er, die ebenfalls Motorrad fahren und Bier in Strömen in sich hineinschütten.

Mit großer Sorge registrieren Polizei und Politik in den 60er Jahren die ausufernde Jugendkriminalität in der Stadt. Deshalb wird 1968 im neu errichteten Polizeipräsidium am Berliner Tor das Rockerdezernat F-534 eingerichtet.

Hamburg, die Rocker-Hochburg: Aus den „Bloody Devils“ werden die „Hells Angels“

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Aus den „Bloody Devils“ wurden die Hamburger „Hells Angels“: Günther „Conny“ Hartmann mit der alten Kutte – sie passt ihm immer noch.

Während die Ordnungshüter auf Repression setzen, glauben einige Hamburger Pastoren, seelischer Beistand sei besser geeignet, die Rocker wieder zurückzubringen auf den Pfad der Tugend. Dabei tut sich der junge Horner Pastor Wolfgang Weißbach hervor, „Rocker-Pastor“ wird er genannt. Sogar ein Buch schreibt er: „Rocker, Stiefkinder der Nation“. Sein Projekt, einen Konfirmandensaal seiner Gemeinde in eine Rockerkneipe umzubauen, scheitert, weil die Gäste im Suff alles kurz und klein schlagen.

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Schon Anfang der 1960er gilt Hamburg als Hochburg der Rocker. In Barmbek machen die „Wild Dogs“ die Straßen unsicher, in Billstedt die „Black Angels“, in Altona die „Steamers“. Berüchtigt sind die „Bloody Devils“ aus Wandsbek. 1972 werden sie bundesweit bekannt, als sie im Fernsehfilm „Rocker“ – der deutschen Antwort auf „Easy Rider“ – als Komparsen mitwirken. Rainer Kopperschmidt führt die Truppe an, Mario Amtmann, der 1972 dadurch Aufsehen erregt, dass er einen Mörder aus Santa Fu auf spektakuläre Art befreit, ist Vize-Chef, und Conny Hartmann „Secretary“. Alles Leute, die später die Speerspitze der Hamburger „Hells Angels“ bilden werden.

In den USA entstehen Biker-Clubs schon Ende der 1940er Jahre – gegründet von Kriegsveteranen, die sich im Zivilleben nicht mehr zurechtfinden. Sie kaufen sich ausgediente Harleys aus Armeebeständen und terrorisieren die Straßen. 1948 formiert sich in San Bernardino (Kalifornien) eine Gruppe, die sich nach einer Bomberstaffel aus dem Zweiten Weltkrieg „Hells Angels“ nennt. Sie entwickelt sich rasch zu einer gefürchteten kriminellen Vereinigung. In Europa entstehen erste Ableger 1969 in London und 1970 in Zürich. Hamburg folgt 1973 – als Nummer drei.

Ein Schweizer „Hells Angel“ heuert Hartmann an – und ist ihm danach einiges schuldig

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Lange Haare, Lederjacke und immer ‘ne Flasche Bier am Start: Mitglieder der „Bloody Devils“ kurz bevor sie zu den Höllenengeln übertraten. Ganz links trinkend: Conny Hartmann, rechts neben ihm Klub-Boss Rainer Kopperschmidt.

Dabei sind die „Hells Angels“ in der Hansestadt zunächst nur vom Hörensagen bekannt. 1970 tauchen erstmals welche aus Fleisch und Blut in Hamburg auf: Mitglieder des Zürcher Charters, die nach einem Vergewaltigungsfall beschließen, der Schweiz eine Zeit lang den Rücken zu kehren. Ihr überhebliches Auftreten, die Angst, die sie verbreiten, all das macht auf Conny Hartmann Eindruck. Er freundet sich mit ihnen an – und beschließt, genauso sein zu wollen.

Ein Jahr später, im August 1971, kommt es in Celle zu einem Vorfall, der für den Fortgang der Geschichte von großer Bedeutung ist: „Weil in der Altstadt jugendliche Schläger randalieren, rufen Geschäftsleute in ihrer Not einen Zürcher Hells Angel zu Hilfe, der sich Plump Thumb Pit nennt“, berichtet Hartmann. Er soll ihnen die Unruhestifter vom Halse schaffen. Pit erkennt, dass er der Aufgabe nicht alleine gewachsen ist, und bittet die „Bloody Devils“ um Beistand. Hartmann und seine Kumpel sind sofort zur Stelle. Es kommt zur Massenschlägerei, und am Ende des Tages ist Plump Thumb Pit den Hamburger Rockern einen großen Gefallen schuldig.

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Pit, der wegen einer Reihe von Straftaten von Interpol gesucht wird, kehrt in die USA zurück, wo er sich den „Hells Angels“ in Lowell/Massachusetts anschließt. Conny Hartmann und er telefonieren regelmäßig. Anfang 1973 hat Pit Neuigkeiten: Er habe seinen Klub davon überzeugt, die Bewerbung der „Bloody Devils“ zu unterstützen. Auch sein alter Klub in Zürich habe grünes Licht gegeben. „Kommt in die USA und holt Euch die Genehmigung persönlich ab!“

Rainer Kopperschmidt und Conny Hartmann reisen in die USA und holen sich grünes Licht

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Der erste President der Hamburger „Hells Angels“: Rainer Kopperschmidt

Das lassen sich Rainer Kopperschmidt und Conny Hartmann nicht zweimal sagen: Sie leihen sich Geld für die Tickets und steigen am 15. Februar 1973 ins Flugzeug. Erst geht’s nach Lowell/Massachusetts. Von dort weiter an die Westküste. In Oakland, einer rauen Hafen- und Industriestadt in der Bucht von San Francisco, befindet sich das Hauptquartier der „Hells Angels“ – „in einem unscheinbaren Holzhaus mit unzähligen Harleys davor“, wie sich Hartmann erinnert.

Die Rockergäste aus good old Germany werden von Edward James „Deacon“ Proudfoot empfangen, der den Motorradclub kommissarisch führt, weil President Ralph „Sonny“ Barger gerade im Knast sitzt. Es gibt Bier und noch mehr Bier. Zwischendurch erklärt Proudfoot, was einen „Hells Angel“ ausmacht: bedingungsloser Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung um jeden Preis. Schließlich reicht Proudfoot Kopperschmidt und Hartmann die Hand: „Angel forever, forever Angel.“ Damit ist das sogenannte „Patchover“, der Übertritt der Hamburger „Bloody Devils“ zu den Höllenengeln, besiegelt. Der 16. März 1973 gilt als Gründungstag der Hamburger Hells Angels.

Als ihm wenige Tage später in New York der mächtige „Hells-Angels“-Boss Sandy Alexander die „Kutte“ mit dem Patch überreicht, dem geflügelten Totenkopf, ist das für Hartmann „wie Weihnachten und Ostern und noch ein paar Feiertage zusammen“. Er lacht. Heute kann er die Begeisterung kaum noch verstehen.

Keine vier Wochen später gibt’s in Hamburg auch schon den ersten Toten

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Das erste Todesopfer der „Hells Angels“ in Hamburg: Kirchenhelfer Dieter König (20). Er wurde 1973 erstochen.

Zurück in Hamburg stellen Kopperschmidt und Hartmann überrascht fest, dass von den 35 Mitgliedern ihres Motorradclubs nur noch elf übrig sind. „Die anderen haben sich in die Hosen gemacht und sind weggelaufen, weil sie fürchteten, dass jetzt alles härter wird“, sagt Hartmann.

Kaum sind die Hells Angels Hamburg gegründet, gibt’s auch schon den ersten Toten. Es ist der 14. April 1973, früher Nachmittag. Conny Hartmann und ein zweiter Höllenengel verlangen Einlass ins Gemeindehaus der Apostelkirche in Eimsbüttel: der Partyraum im Keller ist damals ein angesagter Treffpunkt der Szene. Doch Dieter König (20), selbst mal Rocker und jetzt Kirchenhelfer, sagt, der Klub sei noch geschlossen. „Ihr kommt hier nicht rein.“

Es gibt eine Schlägerei, Hartmann und sein Begleiter werden in die Flucht geschlagen – aber wenige Stunden später kommen sie mit Verstärkung zurück und demonstrieren, dass sich einem „Hells Angel“ niemand ungestraft in den Weg stellt. Fäuste fliegen, Messer blitzen. Plötzlich liegt Dieter König tot auf dem Boden.

Wer zugestochen hat? Jahrzehntelang ein gut gehütetes Geheimnis. Heute, ein halbes Jahrhundert später, ist es an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, findet Conny Hartmann und spuckt es aus: „Es war Peter Grabe.“ Kein unbekannter Name. Im Gegenteil. Grabe zählt tatsächlich zu den gewalttätigsten Männern in der Geschichte der Hamburger „Hells Angels“. Hartmanns Stimme wird hart: „Hätte doch gereicht, dem König einen Kinnhaken zu verpassen. Aber nein – Grabe musste ihn umbringen. Wenn ich irgendwas an meiner Rockerzeit bedaure, dann Königs Tod. Und dass ich Grabe je begegnet bin.“

Anfang 1973 demonstrieren Rocker in Eimsbüttel, weil ein kirchlicher Rockertreff geschlossen wurde. „Staat hat uns belogen! Wir fordern: Pädagogen“, steht auf dem Transparent.
Anfang 1973 demonstrieren Rocker in Eimsbüttel, weil ein kirchlicher Rockertreff geschlossen wurde. „Staat hat uns belogen! Wir fordern: Pädagogen“, steht auf dem Transparent.

Nach fünf Jahrzehnten bricht Conny Hartmann sein Schweigen und sagt, wer zugestochen hat

Königs Tod hat Folgen. Weil die Polizei nach ihnen fahndet, müssen sechs Hells Angels, darunter Hartmann, auf der Stelle die Flucht ergreifen. Mit einem Ford 17 M fahren sie nach Freiburg, steigen dort um in einen Zug Richtung Schweizer Grenze und – um den Kontrollen zu entgehen – schwimmen sie bei Basel durch den eisigen Rhein.

Auf der Schweizer Seite werden sie von Zürcher Rockerbrüdern in Empfang genommen. Die Gruppe teilt sich jetzt auf: Drei, darunter Grabe, fliehen mit gefälschten Pässen über London und Montreal nach New York, wo sie für Jahre untertauchen. Kopperschmidt, Hartmann und Amtmann bleiben in der Schweiz und fühlen sich zunächst sicher.

Prozess Dezember 1973
Landgericht im Dezember 1973: Mitglieder der „Hells Angels“ stehen wegen des Todes von Kirchenhelfer Dieter König vor Gericht: Hans-Joachim Z. (v.l.), Dieter E., Mario Amtmann und Conny Hartmann.

Bis zum 11. Mai 1973: Da flimmern in Eduard Zimmermanns Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Fahndungsfotos mit den Porträts der Gesuchten über den Fernsehbildschirm. Überzeugt davon, dass es jetzt nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie geschnappt werden, stellen sich Kopperschmidt und Hartmann den Behörden. Amtmann geht seinen eigenen Weg, wird aber kurz darauf verhaftet.

Als Eduard Zimmermann von „Aktenzeichen XY … ungelöst“ sie sucht, stellen sie sich der Polizei

Im Dezember 1973 spricht eine Strafkammer des Hamburger Landgerichts Hartmann und seine Mitangeklagten der gemeinschaftlichen schweren Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. „Ich bekam viereinhalb Jahre aufgebrummt“, erzählt Hartmann. „Während ich im Gefängnis saß, wurde mein Sohn Mark geboren.“

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Nach seiner Entlassung fährt Hartmann Taxi und verdingt sich nebenher als Drogendealer. Er erzählt, wie er in den Rahmen von Fahrrädern Koks versteckt und den Stoff so von Südamerika nach Europa schmuggelt. Er wird geschnappt und wegen Drogenhandels zu zehn Jahren Haft verurteilt, von denen er allerdings weniger als die Hälfte absitzt.

Bei den „Hells Angels“ scheidet er 1979 aus. „Sie kamen zu mir nach Hause, haben mir die Kutte und auch alle Fotos abgenommen, auf denen ich als Hells Angel zu sehen war. Zum Abschied haben sie mir die Fresse poliert“, erzählt er. „‚Verpiss Dich‘, waren ihre letzten Worte.“

Bloody Devils
Kurz bevor aus den „Bloody Devils“ die Hamburger „Hells Angels“ wurden.

„Out in bad standing“ – unehrenhaft ausgeschlossen, so heißt das unter Rockern. Warum? Weil „Hells Angels“-Boss Kopperschmidt überzeugt war, Hartmann sei ein Verräter, ein Polizeispitzel. Er soll ein Drogengeschäft an die Kripo verraten haben. Hartmann beteuert seine Unschuld, aber keiner glaubt ihm. Er kann von Glück sagen, dass er am Leben bleibt.

„Out in bad standing“: Hartmann fliegt bei den „Hells Angels“ raus und kommt mit dem Leben davon

Danach sieht Hartmann aus der Ferne zu, wie die „Hells Angels“ immer weiter verrohen. Sie steigen ins Prostitutionsgeschäft ein, eröffnen Bordelle. Im April 1980 wird auf Sylt ein Discobetreiber ermordet, weil er es wagt, zwei besoffene Hells Angels vor die Tür zu setzen – da werden Erinnerungen an den Tod von Dieter König wach.

Anfang der 1980er Jahre beginnen die „Hells Angels“ damit, Gastwirte im Schanzenviertel zu terrorisieren: Dabei spielt Peter Grabe – da ist der Name wieder! – die Hauptrolle. Der 2,07 Meter große Mann, der wegen seiner SS-Tätowierungen den Spitznamen „Zickzack“ trägt, treibt Schutzgeld ein. Wirte, die sich weigern, die „Wegbleibegebühr“ von 1000 Mark im Monat zu zahlen, bekommen Besuch. Grabe fährt mit Vorliebe auf dem Motorrad bis direkt vor die Theke und zwingt Gäste dazu, ihm die schmutzigen Stiefel zu lecken.

Hells Angels
Festnahme von Mitgliedern der „Hells Angels“ 1983: Der Verein wurde daraufhin verboten – und ist es bis heute.

1983 platzt Innensenator Alfons Pawelczyk (SPD) der Kragen: 500 Polizisten stürmen den „Angels Place“ an der Schanzenstraße. Sie beschlagnahmen Waffen und Motorräder, 13 Rocker werden vor Gericht gestellt.

Die „Hells Angels“ sind zwar seither verboten, die Mitglieder dürfen ihre Kutten nicht mehr tragen – aber zerschlagen ist die Bande deshalb nicht. Im Gegenteil. Sehr erfolgreich betreiben sie ihre schmutzigen Geschäfte weiter. Mit Prostitution und Drogen machen sie tüchtig Kasse. Bis heute.

Von der Gründergeneration der Hamburger „Hells Angels“ ist praktisch nur noch Conny Hartmann übrig

Inzwischen sind von der Gründergeneration der Hamburger „Hells Angels“ nur noch wenige am Leben: Mario Amtmann starb 2017 mit 65 Jahren, Rainer Kopperschmidt 2020 mit 69 Jahren und Peter Grabe 2023 mit 72 Jahren.

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Und Conny Hartmann? Der 75-Jährige hat sein Motorrad verkauft, dürfte nach 47 Jahren am Steuer der dienstälteste Taxifahrer der Stadt sein. Er lebt alleine in einer Eigentumswohnung im Osten der Stadt. Sein ganzer Stolz ist sein Sohn, der als Arzt in der Schweiz lebt.

Hells Angels
Eine äußerst rechte Gesinnung hatten manche „Hells Angels“ auch noch: Hitler-Büste, Adler, Hakenkreuz und Morgenstern. Sichergestellt bei der Razzia 1983. Die Abkürzung „AFFA“ steht für „Angel forever – forever Angel“.

Darüber, dass er mit den heutigen „Hells Angels“ nichts mehr zu tun hat, sei er froh, sagt er. „Dass sie mich ausgeschlossen haben, war mein Glück. Für mich hat das, was die heute machen, mit Rockerleben nichts mehr zu tun.“

Was er rückblickend über seine Jugend bei den Höllenengeln denkt? „Es war ein Abenteuer – eins, für das ich mit einigen Jahren Freiheitsentzug bezahlt habe.“

Wer Günther Hartmann kennenlernt, der denkt: Ach, was für ein freundlicher älterer Herr! Dass er, der auf den Spitznamen „Conny“ hört, sieben Jahre im Knast saß, dass er in seiner Jugend mit Drogen dealte, dass er früher dazu neigte, jedem, der ihm querkam, ein paar aufs Maul zu hauen – darauf würde erst mal keiner kommen. Ein Rocker der ganz harten Sorte war Hartmann. 1973 spielte er eine entscheidende Rolle bei der Gründung der Hamburger „Hells Angels“: Sein Kumpel Rainer Kopperschmidt und er reisten in die USA und holten sich im Headquarter der gefährlichsten Motorradgang der Welt in Oakland/Kalifornien die Erlaubnis, das erste deutsche „Charter“ zu gründen. Den Hamburger Ortsverein der Höllenengel.