MOPO testet Schmuck-Ankäufer: Wie viel „hanseatische Seriosität“ gibt’s wirklich?

MOPO-Reporter Thomas Hirschbiegel mit den beiden Armbanduhren vor dem Laden an den Colonnaden, die er dort anbot: unten eine Omega Speedmaster, oben ein Chronograph der Marke Tudor.
MOPO-Reporter Thomas Hirschbiegel mit den beiden Armbanduhren vor dem Laden an den Colonnaden, die er dort anbot: unten eine Omega Speedmaster, oben ein Chronograph der Marke Tudor.

„Hamburg im Goldrausch – Hanseatische Seriosität in Bestform“: So wirbt das Unternehmen „Hansegold“ seit einigen Monaten in halbseitigen Annoncen in Anzeigenblättern. Der Standort des Aufkäufers von Schmuck, Edelmetallen und Luxusuhren ist prominent: Colonnaden 54. Die MOPO testete das Unternehmen – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Unsere Testobjekte waren zunächst eine sehr seltene Omega Speedmaster aus den 1980er Jahren. Mehrere dieser Sammlerstücke mit einem Stahl-Gold-Armband werden derzeit im Internet zu Preisen von rund 8800 bis 14.500 Euro angeboten. Die zweite Uhr war ein Tudor-Chronograph aus dem Jahr 1992. Dieses gesuchte Modell wird von Online-Händlern für 6000 bis 9000 Euro angeboten.

Hansegold im Test: Wie fair sind die Angebote wirklich?

Wir suchten nun also das neue Geschäft unter den Arkaden der Colonnaden auf. Früher befand sich in den Räumen ein Juweliergeschäft. Der freundliche Herr von „Hansegold“ betrachtet beide Stücke aufmerksam und schaut mich dann sorgenvoll an. Dann macht er mich darauf aufmerksam, dass das Omega-Armband leider erneuert werden muss, weil die Glieder nicht mehr eng aufeinander verbunden sind.

Das ist Unfug. Etwas „Spiel“ im Stahl-Gold-Armband einer fast 45 Jahre alten Uhr ist völlig normal. Und ein „neues“ Armband bei diesem seltenen Modell ist überhaupt nicht zu bekommen. Der Herr fotografiert beide Uhren und schickt die Bilder offenbar an seinen Chef. Der meldet sich ein paar Tage später telefonisch und fragt: „Was haben Sie sich denn vorgestellt?” Hä? „Hansegold“ wirbt damit, „erfahrene Fachberater“ zu beschäftigen, die „langjährige Expertise“ besitzen würden – und dann so eine dumme Frage?

Miese Tricks bei der Bewertung von Luxusuhren

Als wir erklären, keine Vorstellung zu haben, kommt das Angebot des „Experten“: 2200 Euro. Etwas ungläubig fragen wir nach: „Für beide Uhren?“ Die Antwort: „Ja.“ Als wir zögern, erhalten wir die Erklärung, der Uhrmacher müsse die Uhren ja überholen: „Mit allem Drum und Dran.“ Was immer er damit meint. Beide Uhren laufen tadellos. Als wir Zweifel äußern und erklären, allein die Tudor werde im Netz für ein Mehrfaches angeboten, sagt der „Hansegold“-Mitarbeiter: „Oh, da hab ich mich wohl vertan und das Modell auf den Fotos falsch gesehen.“

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • U-Bahn-Mord: Geschichte eines sinnlosen Todes

  • Block-Prozess: Wird der Patriarch doch noch angeklagt?

  • Streit um Haus-Sanierung: Erst Leerstand, jetzt Brandstiftung

  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag

  • 16 Seiten Sport: Der große Transfer-Check & Khedira schwärmt vom neuen HSV

  • 28 Seiten Plan 7: Opern-Horror mit Donald Trump, Hype um Rap-Star Apache 207 & Ideen für Wochenendtrips

Dann sagt er plötzlich, er würde die Omega nehmen: „Dafür hätte ich einen Kunden, ja für 2000 Euro können Sie sie hierlassen …“ Wir lehnen dankend ab und outen uns später als MOPO-Reporter, bitten um Stellungnahme zum Geschäftsgebaren.

Uhrenverkauf in Hamburg: Vorsicht vor Dumping-Angeboten

Ein Mitarbeiter erklärt dann per Mail, dass die von uns angebotenen Modelle nur sehr schwer zu verkaufen seien. Und dann heißt es: „Wir möchten außerdem betonen, dass unser Angebot von 2200 Euro pro Uhr gemeint war und nicht für beide zusammen.“ Ach so! Am Telefon klang das aber anders! Im Übrigen würden sie alle Vintage-Uhren grundsätzlich einem Uhrmacher übergeben, und der würde oft „mehrere Arbeitsstunden“ für die Reinigung oder „Schmierung“ einer Uhr benötigen.

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Auf die Frage nach der Gewinnmarge entgegnete der Mitarbeiter, diese würde bei „Hansegold“ bei zehn bis 25 Prozent liegen. Tja, wäre das so, dann wäre der Slogan von „Hansegold“ tatsächlich zutreffend: „Echte hanseatische Kaufmannskunst – fair, verständlich und verbindlich.“ Wir haben da nach diesem Test doch erhebliche Zweifel.