MOPO-Reporter (65) macht Fahrtest für Senioren – das Ergebnis ist ein kleiner Schock
Jahrzehntelang hatte ich null Punkte in Flensburg, und dann kassierte ich kurz hintereinander gleich zwei. Nicht weil ich ein Raser bin, sondern weil ich auf der A255 und einer Landstraße die Tempolimit-Schilder einfach übersehen hab’. Das hat mich tierisch geärgert, und so meldete ich mich zum ADAC-„Fahr-Fitness-Check“ für ältere Verkehrsteilnehmer an. Natürlich wollte ich (65) nun nachträglich bestätigt haben, dass ich doch ganz toll Auto fahren kann. Hat nicht ganz geklappt …
Mein „Coach“ an diesem Morgen ist Werner Spließ und fünf Jahre älter als ich. Wir verstehen uns gleich, ich muss lachen, als er mir mitteilt, dass er auch mal Krankenpfleger war, und zwar in der Psychiatrie. Gelernt hat er allerdings zunächst Kfz-Mechaniker, war dann 32 Jahre lang Fahrlehrer. Wir treffen uns auf dem Gelände des Landesbetriebs Verkehr (LBV) an der Langenhorner Chaussee. Und nun sitze ich also etwas aufgeregt neben ihm in meinem Auto, einem 39 Jahre alten Mercedes.
Schon nach ein paar Metern mein erster Fehler: Bei der engen Ausfahrt des LBV-Areals fahr’ ich beim Einfahren auf die Langenhorner Chaussee zu weit links, so kann niemand von der Straße auf das Grundstück fahren. Ich bin ernüchtert – wie mag das die nächste Dreiviertelstunde weitergehen?
Ich fahre durch die Straße Tarpen und dann durch enge Straßen mit Tempo 30. Herr Spließ gibt wie früher in der Fahrschule die Richtung vor.
Zebrastreifen nicht beachtet
Fehler werden meist sofort angesprochen. So wie nach dem nächsten Abbiegen. Ich hatte mich zu sehr auf ein Tempo-30-Schild mit Zusatz „werktags“ konzentriert und nicht auf den Zebrastreifen geachtet. Da kam zwar kein Fußgänger – trotzdem ein Minuspunkt.
Verunsichert fahr’ ich auf einen großen Kreisverkehr zu. Zeitgleich mit mir erreicht ein anderes Auto den Kreisel. Ich zögere und frage den Fahr-Profi. Der sagt einen klugen Satz: „Im Zweifel gegen sich entscheiden.“ Gemacht und verinnerlicht!
Wir fahren kreuz und quer, biegen viel ab, und ich blinke fleißig. Doch manchmal zu früh. „Fehlinformation“, moniert Herr Spließ. Weiter geht es durch eine enge Einbahnstraße. Dort soll ich links abbiegen, realisiere aber nicht, dass ich mich in der Einbahnstraße links einordnen muss, ich stehe nun rechts und blinke links. So ein Mist!
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Wir fahren ein Stück durch Norderstedt, erreichen eine Landstraße. Ich fahre vorschriftsmäßig 80, dann 60, es geht in einen Tunnel, und wir sind wieder auf der Langenhorner Chaussee. Gilt jetzt 60 oder 50? Frage ich mich. Werner Spließ leicht süffisant: „Haben Sie das gelb-schwarze Schild nicht gesehen?“ Oje, er meint das Ortsschild Hamburg. Ich fahre dann brav 50 und schäme mich ein bisschen.
Fahrlehrer tröstet mich
Zurück auf dem LBV-Parkplatz erfolgt die Nachbesprechung. Moniert wird bei mir dann noch der berühmte Schulterblick, der ein paarmal fehlte. Außerdem gehören beide Hände ans Lenkrad, die rechte also nicht auf den Automatikhebel.
Später gibt’s ein Protokoll, 14 Punkte können mit Grün, Gelb oder Rot bewertet werden. Ich komme auf sechsmal Grün, aber achtmal Gelb. Verdammt! Gott sei Dank kein Rot dabei … Das schriftliche Gesamturteil tröstet mich ein wenig: „Glückwunsch! Sie fahren gut, aber nicht fehlerfrei.“
Wir plaudern noch ein bisschen und Herr Spließ versucht mich geknickten „Superfahrer“ aufzurichten: „Solche Fehler passieren Jüngeren auch, und Ihr Ergebnis beim ‚Fahr-Fitness-Check‘ war überdurchschnittlich gut.“
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Im Übrigen freut er sich, dass ich mit meinen 65 den Altersdurchschnitt seiner Kandidaten extrem gedrückt habe. „Die meisten sind schon über 80“, so Spließ. Und sie kommen ganz im Gegensatz zur mir meist nicht aus eigenem Antrieb, sondern werden von Ehepartnern oder Angehörigen sanft zum Test überredet. Eines ist Werner Spließ wichtig: „Ich garantiere absolute Diskretion, kein Ergebnis wird weitergegeben. Nur Sie entscheiden selbst, wie Sie meine Information aus Ihrer Fahrt umsetzen.“ Ich jedenfalls habe mir fest vorgenommen, künftig konzentrierter zu fahren. Und in zwölf Monaten kurve ich noch mal mit Herrn Spließ durch Langenhorn …
Interesse an einem „Fahr-Fitness-Check“? Dann rufen Sie Werner Spließ einfach an: 0175-4133235