Hamburg
Monster, Goblins und Krieger: Magische Unterwelt versteckt im Keller
In der Goblinstadt werden Kinder zu Magiern und Kriegern – und lernen ganz nebenbei, im Team zu arbeiten und ihre Ängste zu überwinden.
Ganz unscheinbar wirkt die Tür an der Ecke Wendemuthstraße/Zollstraße in Wandsbek. Doch dahinter verbirgt sich eine Welt voller Magie, Monster und Helden: Einige Treppenstufen führen hinunter in ein 900 Quadratmeter großes, liebevoll ausgebautes Kellergewölbe. Fantasievoll gestaltete Kulissen, verwinkelte Gänge und geheime Räume erinnern an Szenen aus „Der Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“. Rasselnde Geräusche lassen die Anwesenheit eines Monsters erahnen, dunkle Silhouetten regen die Fantasie an – willkommen in der Goblinstadt!
An diesem magischen Ort beginnt für viele Kinder ein Abenteuer, wie sie es nur aus Computerspielen kennen. Zunächst wählen sie aus, welchen Charakter sie spielen wollen: Magier, Schlitzohr, Heiler oder Krieger. Jede Spielfigur verfügt über besondere Fähigkeiten, die im Spiel wichtig werden. So trägt der Magier ein Licht in der Hand, um die dunklen Gänge auszuleuchten und das Schlitzohr einen Schlüssel, um Türen zu öffnen.
Im Spiel bekommen die Kinder Aufgaben, die sie lösen müssen. Dafür sammeln und tauschen sie verschiedene Rohstoffe, um sie gegen bessere Ausrüstung einzutauschen und höhere Level zu erreichen.
In der Goblinstadt lernen Kinder Teamarbeit
Der Vergleich mit einem Computerspiel könnte bei manchen Eltern zunächst Zweifel auslösen: Flüchten sich die Kinder hier nur in eine Fantasywelt, um Schlachten zu gewinnen und immer höhere Spielstufen zu erreichen? „Das Spiel in der Goblinstadt ist anders“, erklärt Gründerin Claudia Wehrhahn. „Hier geht es um reale Interaktion. Man sitzt nicht allein vor dem Computer und schottet sich ab – die Kinder müssen miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten.“
Denn das Spiel ist so konzipiert, dass die unterschiedlichen Fähigkeiten der Figuren nur gemeinsam zum Erfolg führen. Die Kinder sind deshalb darauf angewiesen, sich gegenseitig zu helfen. Auch beim Handel mit Rohstoffen ist Überwindung gefragt: Die Rohstoffe werden meistens von den Erwachsenen verwaltet, die im Foyer der Goblinstadt warten und sich die Zeit mit Essen und Trinken vertreiben. „Als Kind braucht man Mut, einen Erwachsenen anzusprechen und mit ihm Handel zu treiben“, sagt Wehrhahn.
Geschichte und Kulisse sind selbst ausgedacht
Überwindung kann auch der erste Gang in die Spielfläche der Goblinstadt kosten: Es ist dunkel, die Wege sind eng und verwinkelt, aus den Räumen dringen unheimliche Geräusche. Dabei können die Kinder selbst entscheiden, wie weit sie gehen und welchen Herausforderungen sie sich stellen möchten. „Bei uns lernen die Kinder auch, sich ihren Ängsten zu stellen“, sagt Wehrhahn.
Doch nicht nur der pädagogische Ansatz macht die Goblinstadt besonders. Die Geschichten, die Figuren und die Kulissen stammen aus den kreativen Köpfen des Teams. Viele Mitarbeiter kommen aus der Gaming-Szene, haben selbst Computerrollenspiele gespielt oder an Live-Rollenspielen für Erwachsene teilgenommen. Mit der Goblinstadt haben sie ihr Hobby zum Beruf gemacht.
Wehrhahn: Vier Jahre lang kein Geld verdient
Wehrhahn selbst hatte zuvor keine Erfahrung mit Live-Rollenspielen. Trotzdem glaubte sie von Anfang an an das Projekt und ging bei der Umsetzung ein hohes finanzielles Risiko ein. Seit 2014 betreibt sie die Goblinstadt gemeinsam mit ihrem vierköpfigen Team.
„In den ersten vier Jahren haben wir damit kein Geld verdient“, erzählt sie. Erst im fünften Jahr habe sich das geändert. Auch die Corona-Pandemie brachte den Betrieb in Schwierigkeiten. Nur durch großzügige Spenden begeisterter Spieler habe sich die Goblinstadt über Wasser halten können. Mittlerweile laufe das Geschäft sehr gut.
Goblinstadt immer im Wandel
Das zeigt sich auch am stetig wachsenden Stammpublikum. Manche Tagesgäste reisen sogar aus Berlin an, um in der Goblinstadt zu spielen, erzählt Wehrhahn. Deshalb entwickelt sich die Spielwelt ständig weiter: Das Team baut neue Kulissen, konzipiert zusätzliche Aufgaben und stattet die Figuren gelegentlich mit neuen Fähigkeiten aus. So sollen auch erfahrene Spieler immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt werden.
Für Wehrhahn und ihr Team ist die Goblinstadt längst zu einer Lebensaufgabe geworden. Besonders freue sie sich darüber, welche Wirkung das Spiel auf manche Kinder habe: „Manchmal erlebe ich Kinder, die schüchtern und introvertiert in die Goblinstadt hineingehen und vor Selbstbewusstsein strotzen, wenn sie wieder herauskommen.“
Preise:
Eine halbe Stunde Spielzeit kostet 7 Euro. Abgerechnet wird nur die tatsächliche Zeit in der Spielwelt: Die Spieler melden sich mit einem Amulett an der Schranke an und wieder ab. Pausen in der Taverne zählen nicht zur Spielzeit.
Tageskarte:
50 Euro pro Person
Schatzkarte für Gruppen:
70 Euro für insgesamt zwölf halbstündige Spielzeiten
Öffnungszeiten:
Freitag bis Sonntag, jeweils von 11 bis 18.30 Uhr. Die Öffnungszeiten können abweichen. Während der Sommerferien ist das Angebot teilweise eingeschränkt. Sonderöffnungszeiten für Kindergeburtstage und Schulklassen sind nach Absprache möglich.
Aufenthaltsdauer:
In der Regel verbringen die Besucher zwei bis drei Stunden in der Goblinstadt. In der „Taverne“ gibt es Sitzplätze sowie Speisen und Getränke.
Alter:
Das Angebot richtet sich an Kinder, die bereits lesen können. Die meisten Spieler sind zwischen acht und 15 Jahre alt.
Adresse:
Wandsbeker Zollstraße 25 – 29
Eingang Wendemuthstraße
22041 Hamburg
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