„Molotow“ in Not: Warum es für den Club so wichtig ist, dass es nahtlos weitergeht
Es geht um die Existenz seines Lebenswerks: In 30 Jahren hat Andi Schmidt das „Molotow“ zu einem international gefragten Livemusik-Club gemacht – allen Rückschlägen zum Trotz. Und nun steht schon zum dritten Mal alles vor dem Aus. Die MOPO hat mit dem 60-Jährigen gesprochen: über mögliche neue Standorte, die Wichtigkeit seines Clubs für Hamburg und was das sichere Ende bedeuten würde.
Drei Tage vor Weihnachten kam die Kündigung, bis Ende Juni muss das „Molotow“ am Nobistor (St. Pauli) raus. An dessen Stelle wird ein Boutique-Hotel gebaut. „Das vierte in diesem Block“, so Club-Chef Andi Schmidt ernüchtert. Seitdem hat der 60-Jährige mit Existenzängsten zu kämpfen. „Finanziell ist es eng, wir haben keine Rücklagen“, sagt er zur MOPO. „Die wurden alle durch die Covid-Zeit aufgefressen. Und es gab seitdem einen Einbruch beim Ausgehverhalten.“
Bookings von Bands für sein „Molotow“ gibt es schon bis Ende dieses Jahres. „Wenn wir nicht nahtlos weitermachen können und die Buchungen absagen müssen, bedeutet das den Tod für unseren Club. Ich wüsste nicht, wie wir so einen Einschnitt auffangen sollten.“
„Molotow“-Chef: „Es muss nahtlos weitergehen“
Doch noch ist völlig unklar, an welchen Ausweichort das „Molotow“ ziehen könnte. Der Bau des ursprünglich zugesagten „Palomaviertels“ am Spielbudenplatz bleibt weiter ungewiss. „Ich wüsste derzeit keinen Leerstand auf dem Kiez, der für uns in Frage kommt“, sagt Schmidt. „Außerdem sind die aktuellen Mieten hier für uns viel zu hoch.“ Trotzdem stehe für ihn fest: „Ein anderer Stadtteil wäre für uns keine Option. Es gibt keine Alternative zum Kiez.“ Die Stadt müsse der Kultur Räume zu günstigen Preisen zur Verfügung stellen. „Es braucht eben mehr als gute Worte.“
Auch Frehn Hawel weiß, wie wichtig das „Molotow“ für St. Pauli ist. „Der Club zählt mit seinen vier Bühnen zu einer der allerwichtigsten Spielflächen des Reeperbahnfestivals“, sagt der Head of Communications der Karsten Jahnke-Konzertdirektion sowie Pressesprecher des Reeperbahnfestivals zur MOPO. „Das ,Molotow‘ hat einen legendären Ruf, auch international. Nahezu alle Bands wollen im Rahmen des Reeperbahnfestivals hier spielen und viele internationale Partner wollen sich dort präsentieren. Es ist der perfekte Ort für junge Bands.“ Schließlich hätten auch Stars wie The Killers und The White Stripes hier ihre ersten Deutschlandkonzerte gegeben.
Brosda: „Kulturstadt Hamburg steht hinter dem ,Molotow‘“
Hawel erinnert an einen ähnlichen Fall in München: „Nach der Schließung des ‚Atomic Cafe‘ war München für lange Zeit von der popkulturellen Landkarte Deutschlands wegradiert – und hat sich bis heute nicht wirklich davon erholt.“ Etwas ähnliches dürfe mit dem „Molotow“ in Hamburg nicht passieren. „Wir sind wirklich an einem Kipppunkt angelangt“, so Hawel. „Die Stadt muss jetzt entschlossen handeln, um Plätze für Musik und Subkultur zu erhalten. Als Bettenhochburg wird die Reeperbahn irgendwann schlicht uninteressant.“
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Andi Schmidt bleibt trotz allem optimistisch: „Kultursenator Carsten Brosda hat zugesagt, sich mit uns in den kommenden Tagen zu treffen“, sagt er. „Es wird Gespräche geben.“ Seine größte Hoffnung ist, am Nobistor bleiben zu dürfen. „Der Senat hat oft betont, dass Hamburg Musikstadt bleiben soll und er Live-Clubs erhalten möchte. Jetzt hätte er die Gelegenheit dazu.“
Laut Kulturbehörde gibt es noch keine konkreten Entscheidungen. Doch Carsten Brosda macht Mut: „Die Kulturstadt Hamburg steht hinter dem ,Molotow‘, das hat die große Demo am letzten Samstag ganz deutlich gezeigt“, sagt er zur MOPO. „Unser Ziel ist es, dem Club eine gute Perspektive auf dem Kiez zu bieten. Die Livemusikclubs wie das ,Molotow‘ gehören zur DNA der Reeperbahn, und das muss auch so bleiben.“