Mitten in der HafenCity: Neuer Tunnel wird zum Millionen-Grab
Backstein, Bahngleise und Kreative: Seit 2010 entwickelt die Stadt Hamburg das Oberhafenquartier als kulturellen Treffpunkt in der HafenCity. Doch das Viertel ist nach wie vor durch Bahngleise vom Rest der HafenCity getrennt. Der künftige Oberhafentunnel soll das ändern. Der Tunnel ist seit über fünf Jahren im Bau – und jetzt auch auf der Mängelliste des Rechnungshofs gelandet, der in dem Projekt ein Millionen-Grab befürchtet. Allein der Betrieb des Fußgängertunnels soll eine sechsstellige Summe im Jahr kosten.
Zusammenfassung:
- Das Oberhafenquartier in Hamburg wird seit 2010 entwickelt
- Doch der Oberhafen ist durch Bahngleise vom Rest der HafenCity getrennt
- Bau des Oberhafentunnels dauert schon über fünf Jahre, steht auf der Mängelliste des Rechnungshofs
Der Oberhafen ist bekannt für seine langen Hallen mit Kultur, Gastronomie und Freizeitangeboten. Mitte Dezember wurde bekannt, dass dort künftig der Club „glimmer“ in den ehemaligen Lokschuppen einziehen wird, als Nachfolger des „Moloch“.
Oberhafen: Quartier soll durch Tunnel besser angebunden werden
Wer den Oberhafen besuchen möchte, kann bislang nur über die Stockmeyerstraße gelangen. Ansonsten ist das Quartier aufgrund der Bahngleise vom Rest der HafenCity abgeschnitten. Ändern soll das der neue, 88 Meter lange Oberhafentunnel, der bereits im Jahr 2009 von der städtischen HafenCity GmbH beschlossen wurde. Unklarheiten bezüglich der Kosten und des späteren Betriebs legten die Pläne dann allerdings auf Eis.
2019 sprang die Hochbahn als Betreiber für den Fußgänger- und Radfahrertunnel ein, der vom Oberhafen direkt an die U4-Station HafenCity Universität andocken soll. Ein Jahr später begannen die Bauarbeiten für rund 24 Millionen Euro. Ursprünglich sollte der Tunnel 2023 fertig werden, dann war mal von 2024 und 2025 die Rede. Derzeit geht die HafenCity GmbH von April bis Juni 2026 aus.
Der Rechnungshof, Hamburgs oberste Prüfbehörde, hat das Projekt im neuesten Jahresbericht kritisiert. Dieses „Zeugnis“ bilanziert, wie sparsam der Senat mit den Steuermilliarden umgeht.
Rechnungshof kritisiert Oberhafentunnel in der HafenCity
In Bezug auf den Oberhafentunnel kritisiert der Bericht, dass die HafenCity GmbH vor dem Bau keine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt habe. Laut Rechnungshof übersteigen die jährlichen Betriebskosten von 1,2 Millionen Euro den Nutzen um fast eine halbe Million Euro. Zudem ließ die HafenCity GmbH am nördlichen Ausgang eine 930.000 Euro teure Rolltreppe einbauen, obwohl ein Aufzug vorhanden ist. Die Betriebskosten liegen bei 110.000 Euro jährlich.
Zudem bemängelt der Rechnungshof, dass Bau- und Kostenunterlagen „nicht ordnungsgemäß“ erstellt und nicht von einer Technischen Aufsicht genehmigt wurden.
Eine Sprecherin der HafenCity GmbH verteidigt auf MOPO-Nachfrage das Tunnel-Vorhaben. „Es gab und gibt keine Alternative zur Anbindung des Oberhafenquartiers an den öffentlichen Nahverkehr und die Nachbarschaft“, erklärt sie. Vor Baubeginn seien zwei Potenzialanalysen durchgeführt worden, in denen die Nutzung des Tunnels „abgeschätzt und positiv bewertet“ wurde. Zu dem Zeitpunkt, als der Bau im Jahr 2019 final beschlossen wurde, habe es zudem bei der HafenCity GmbH noch gar keine Technische Aufsicht gegeben. Diese sei erst 2023 besetzt worden.
Die beanstandete Rolltreppe erklärt die Sprecherin mit den Vorgaben der Hochbahn. Das will der Rechnungshof wiederum nicht gelten lassen: Bei vergleichbaren Nutzerzahlen und einem noch größeren Höhenunterschied an der U4-Station HafenCity Universität am Ausgang nördlich der Vesmannstraße gebe es schließlich auch keine. Die HafenCity GmbH argumentiert wiederum, dass mit der zusätzlichen Rolltreppe beide Ausgänge an der Versmannstraße zu den Quartieren Oberhafen/Baakenhafen „gleichwertig nutzerfreundlich ausgerüstet“ seien.
Laut dem veröffentlichten Bericht habe die HafenCity GmbH gegenüber dem Rechnungshof erklärt, bei künftigen Baumaßnahmen „Bedarfe und Standards auch für einzelne Anlagen“ gründlicher abzuwägen.