Mit rund 100 Produkten: In Hamburg gibt’s bald eine Pflanzen-Fleischerei

Vegane Fleischerei
In der Veganen Fleischerei erhält man rund 100 Produkte.

Die weißen Metrofliesen sind schon großflächig verlegt, davor wird in Kürze der Kühltresen stehen für Waren mit kuriosen Namen wie „Keine Bratwurst“ oder „Kein Gulasch“. Die Wände edel in Schwarz gehüllt. In wenigen Tagen wird darauf in großen weißen Buchstaben der Slogan „Friends not Food“ prangen. Hamburg bekommt eine „Vegane Fleischerei“, am 30. November ist in Hoheluft-West Eröffnung.

Benjamin Amshoff (36) steht in seinem Laden im Eppendorfer Weg 195 – links ein Sushi-Restaurant, rechts ein Fotodienstleister. Hinten werkeln die Elektriker, der Kühltresen ist gerade geliefert worden. In drei Wochen werden in ihm Leberkäse, Bratwurst, Salami und vieles mehr liegen. Wie in einer Fleischerei, nur dass für die Produkte kein Tier sterben musste. Alles ist rein pflanzlich, aus Erbsen-, Sojaprotein, aus Seitan (Weizeneiweiß) oder Fleischwurst aus Sonnenblumen-Protein.

„Vegane Fleischerei“: Filialen in Dresden, München und Berlin

„Wir haben ein gutes, leckeres Angebot für alle Leute, die mal oder ganz auf Fleisch verzichten wollen“, sagt Amshoff, der natürlich selbst vegan lebt. Er gelangte über die Faszination am Essen und Kochen zur pflanzlichen Ernährung, später kamen ethische Gründe, Tierrechte und Klimaschutz dazu. Seine „Fleischerei“ setzt besonders auf die Flexitarier, die ihren Fleischkonsum einschränken wollen, auf Touristen, die in ihren Städten kein vergleichbares Angebot pflanzlicher Fleischprodukte haben, aber auch auf Veganer. Amshoff hat einen Doktor in Ingenieurwesen, war Entwicklungsleiter für Roboter-Staubsauger und wollte raus aus dem „bisherigen Trott“. So wurde er Franchisenehmer der „Veganen Fleischerei“ aus Dresden, wo die Fleischalternativen handwerklich hergestellt werden. In diesem Jahr gingen bereits Filialen in München und Berlin an den Start.

Als im Januar 2023 die Eröffnung in Dresden war, gab es nicht nur lange Schlangen – sondern per Mail auch Morddrohungen. Nichts triggert Wurst-Fanatiker offenbar so sehr wie Fleisch, das nicht vom toten Tier stammt. Die Bezeichnung „Vegane Fleischerei“ provoziert – und wurde deswegen ganz bewusst gewählt. „Jeder versteht sofort, was wir anbieten“, freut sich Amshoff über den Namen, der im liberalen Hamburg vermutlich eher weniger für verbale Ausfälle sorgen wird.

Frank Wieding vor Teller mit Gras und Steinen
MOPO-Autor Frank Wieding (58) isst seit mehr als 40 Jahren kein Fleisch. Gras und Steine musste er trotzdem noch nie essen.

Neben all dem Hass arbeitete sich in Dresden auch noch die Lebensmittelüberwachung an der Pflanzenkost ab, weil vegane Bratwurst eine irreführende Produktbezeichnung sei. Echt jetzt? Doch die Pflanzen-Fleischer konterten kreativ, nannten die Produkte einfach „Keine Bratwurst“ oder „Keine Salami“. Ein Marketing-Coup gegen das kleinkarierte Muskelspiel der Behörden.

Benjamin Amshoff
Bei ihm liegt bald eine große Auswahl an Fleisch­alternativen im Kühltresen aus: Benjamin Amshoff (36)

„Wir wollen die erste Anlaufadresse für Fleischalternativen in der Stadt werden“, sagt Benjamin Amshoff. Dazu gehören Gulasch und Soljanka, verschiedene Sorten Wurst, zig Salami-Varianten. Alles bekommt man einzeln, Wurst auch scheibenweise. Dazu sind auch Käsealternativen der französischen Firma „Jay & Joy“ im Angebot. Insgesamt werden rund 100 Produkte angeboten.

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Und es gibt speziell für Hamburg einen neuen pflanzlichen Backfisch (aus Erbsen- und Reisfasern) – neben dem Leberkäse Amshoffs Lieblingsprodukt: „Das ist Soulfood, den Backfisch habe ich mir für Hamburg gewünscht.“ Beides wird es im „Fleischerei“-Imbiss auch im Brötchen geben, ebenso Bratwurst und Salate. „Probieren ist Teil des Konzepts“, sagt Amshoff, „und wir können beraten, erzählen, wie es zubereitet wird.“ Und in Erinnerung an seine eigene Kindheit ist auch „die Scheibe Wurst fürs Kind wichtig“.