Mit Menschenkette: Umstrittener CDU-Politiker kämpft jetzt für „Verkehrsfrieden“

Die Demonstranten bildeten eine Menschenkette entlang der Elbchaussee, um gegen den geplanten Umbau zu protestieren.
Die Demonstranten bildeten eine Menschenkette entlang der Elbchaussee, um gegen den geplanten Umbau zu protestieren.

Parkplätze weg, Radspuren her: Anwohner protestieren gegen die Umbaupläne für die Elbchaussee und warnen vor Problemen für Pflegekräfte, Handwerker und Lieferdienste. Angeführt wird der Protest von einem CDU-Politiker, der jetzt für „Verkehrsfrieden“ kämpft.

Knapp 100 Demonstranten haben sich trotz Dauerregen vor dem Blauen Haus an der Elbchaussee versammelt. Das eigentliche Ziel einer durchgängigen Menschenkette bis zur „Strandperle“ war dann aber doch zu ambitioniert. Und so trippeln die Demonstranten unter Anleitung von Bürgervereinsvorstand Oliver Barckhan Stück für Stück die Straße entlang, um immer wieder für Fotos zu posieren.

Der CDU-Politiker Oliver Barckhan.
Der CDU-Politiker Oliver Barckhan. (Archivbild)

Der CDU-Politiker hatte zu der Protestaktion aufgerufen. Im März 2025 war er wegen unangemessenen Verhaltens aus der CDU-Bezirksfraktion ausgeschlossen worden. Jetzt engagiert er sich für den „Verkehrsfrieden“ im Hamburger Westen.

Sanierung der Elbchaussee geht voran

Vor dem Schulberg erreichen die Demonstranten dann ihr Ziel, der Regen prasselt auf Schirme und Kapuzen. Vor ihnen liegt die enge, zweispurige Straße, wenig Platz – auch für geplante Veränderungen.

Die Elbchaussee wird bis 2030 abschnittsweise saniert, das Stück zwischen Rathaus Altona und Hohenzollernring soll bis Mitte 2026 fertiggestellt werden. Die konkrete Planung für den Abschnitt bis zur Liebermannstraße wurde bislang nur in der Bezirksversammlung vorgestellt. Fest steht: Der Radverkehr wird ausgebaut. Fahrradfahrer sollen zwei eigene Spuren bekommen, dafür müssen mitunter Parkplätze weichen. Genau das bereitet den Anwohnern von Övelgönne Sorgen.

Anwohner in Sorge: „Wir brauchen diese Parkplätze“

„Wir brauchen diese Parkplätze, weil wir auf Autos angewiesen sind“, sagt Marianne Nissen. In anderen Stadtteilen wie Eimsbüttel könne jeder zu Fuß einkaufen, weil es an jeder Ecke Supermärkte gibt, aber nicht in Övelgönne. Auch der Bus käme zu selten, um komplett auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Auch Angelica hat Bedenken und ist deswegen zum ersten Mal in ihrem Leben auf einer Demonstration. Ihr Mann ist auf den Pflegedienst angewiesen. „Wie soll das gehen, wenn es hier keine Parkplätze mehr gibt?“, fragt sie. Für Paketdienste, Handwerksunternehmen, Stadtreinigung und Besucher könne das ebenfalls zum Problem werden.

Anwohner aus Övelgönne wollen in Planung einbezogen werden

Die Menschen aus Övelgönne und Umgebung wollen in die Planung der Politik einbezogen werden. „Die Anwohner kennen ihren Bürgersteig am besten, das kann kein Planer vom Schreibtisch aus ausrechnen“, sagt Barckhan. Es gehe darum, eine Verkehrsplanung zu schaffen, die alle Interessen berücksichtigt. „Wir wollen keinen Grabenkrieg zwischen Fahrradfahrern und Autofahrern, sondern Verkehrsfrieden, bei dem alle flüssig von A nach B kommen.“

Das könnte Sie auch interessieren: Umbau-Zoff um wichtige Straße im Hamburger Osten: Richter verkünden Beschluss

Nach etwa einer halben Stunde stellen sich die Demonstranten für ein letztes Foto auf, dann zerstreut sich die Gruppe im Regen. „Danke euch, wir regeln das“, ruft Barckhan abschließend und reckt die Fäuste in die Luft.