„Mit der Angst ein Geschäft gemacht“: Block-Anwalt überrascht mit neuer Version

Will um einen Freispruch kämpfen: Dr. Ingo Bott, Düsseldorfer Strafrechtler und Krimi-Autor, ist der neue Verteidiger von Christina Block
Will um einen Freispruch kämpfen: Dr. Ingo Bott, Düsseldorfer Strafrechtler und Krimi-Autor, ist der neue Verteidiger von Christina Block.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass Frau Block für das, was geschehen ist, nichts kann“, sagt Rechtsanwalt Ingo Bott, der kurz vor Prozessbeginn als zusätzlicher Verteidiger für Christina Block in das Verfahren eingestiegen ist. Im Gespräch mit der MOPO erklärt der renommierte Strafverteidiger, wer seiner Ansicht nach hinter der Entführung der Block-Kinder steckt. Bisher lautete die Verteidigungsstrategie, dass die verstorbene Großmutter der Kinder die Kidnapper beauftragt hat. Bott wartet nun überraschend mit einer neuen Variante der Geschehnisse auf.

Seine Mandantin habe „wahnsinnig viel unternommen“, nachdem ihre beiden jüngsten Kinder im Sommer 2021 nach einem Wochenendbesuch beim Vater nicht mehr zurück nach Hamburg gekommen waren: „Das Problem ist, dass der Sorgerechtsstreit auch in der Öffentlichkeit stattfand und dadurch auch Menschen angezogen wurden, die ein gutes Geschäft machen wollten, mit der Angst und der Hoffnung meiner Mandantin.“

Christina Block
Christina Block muss sich wegen der Entführung ihrer Kinder vor Gericht verantworten

„Geschäfte mit der Angst meiner Mandantin“

Viele Dienstleistungen seien ihr angeboten worden und sie habe viel Geld bezahlt. Tatsächlich wurde das Wohnhaus der Kinder in Dänemark rund um die Uhr von Privatdetektiven ihrer Mutter beobachtet. Eine Vielzahl von Sicherheitsunternehmen war beteiligt: „Aber nichts funktionierte, sie kam nicht an die Kinder ran.“ 2023 sei dann eine Firma auf sie zugekommen: Cyber Cupula, ein Unternehmen für Cyber-Sicherheit, das Ex-Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad beschäftigt. Laut Anklage waren es Cyber Cupula-Männer, die die Kinder, damals 10 und 13 Jahre alt, entführt, gefesselt und durch den Wald geschleppt haben – die mutmaßlichen Haupttäter sind längst wieder in Israel.

Auf dieses Unternehmen wird nun seitens der Verteidigung die volle Verantwortung für den Überfall in der Silvesternacht 2023 geschoben. Seine Mandantin habe die traumatische Entführung aus Dänemark nicht geplant, nicht gewollt und auch nicht bezahlt, sagt der Anwalt: „Ich bin überzeugt davon, dass dieses Ereignis auf Eigeninitiative des Unternehmens geschehen ist, aus finanziellen Interessen.“ Diese Rechnung sei aber nicht aufgegangen: „Nach meinem Verständnis ist für die Entführung seitens meiner Mandantin kein Geld geflossen.“

„Haben sich im Hotel breit gemacht“

Auch für die Vorwürfe, aus dem Umfeld der Block-Familie sei eine Rufmord-Kampagne gegen ihren Ex-Mann und dessen Anwalt betrieben worden, sei nicht Christina Block verantwortlich, sondern das Unternehmen Cyber Cupula: Dessen Mitarbeiter seien es gewesen, die ihr Unterlagen übergeben hätten, die nahegelegt haben, dass es im Umfeld ihres Ex-Mannes Interesse an Kinderpornografie geben könnte. Christina Block sei nur als besorgte Mutter zur Polizei gegangen.

Porträt Mann mit Bart
Will um einen Freispruch kämpfen: Dr. Ingo Bott, Düsseldorfer Strafrechtler und Krimi-Autor, ist der neue Verteidiger von Christina Block

Auch die monatelange Gratis-Unterbringung der Cyber Cupula-Leute im Elysée-Hotel der Familie Block sei ohne die Zustimmung der Hotelchefin erfolgt. Vielmehr hätten die Männer sich im Hotel „breit gemacht“: „Nach meinem Verständnis sollten die schon bezahlen“, sagt Bott: „Aber die hatten keine richtigen Namen angegeben, darum war es schwierig, die Zimmer in Rechnung zu stellen.“

Das Ziel: Freispruch für Christina Block

Cyber Cupula hat laut Verteidigung also aus eigenem Antrieb gehandelt, ohne Auftrag, dafür in der Hoffnung, später bezahlt zu werden. Und was ist mit der Erklärung des bisherigen Verteidigers Otmar Kury, wonach die verstorbene Großmutter die Auftraggeberin war? „Nach meinem Verständnis gab es einen Verweis der Entführer auf die Mutter meiner Mandantin. Es ist möglich, dass sie das in Auftrag gegeben hat, wir wissen es nicht.“ Bott und Kury wollen einen Freispruch für Christina Block erreichen. Die Steakhouse-Erbin steht ab dem 11. Juli zusammen mit ihrem Lebensgefährten und fünf Mitangeklagten wegen der Entführung ihrer Kinder aus Dänemark vor Gericht.

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Der Düsseldorfer Anwalt Ingo Bott wurde durch seine Rolle als Verteidiger im Loveparade-Verfahren bekannt, war an Prozessen um den Dieselskandal, Cum-Ex-Geschäfte und internationale Kindesentführungen beteiligt. „Zur Entspannung“ schreibt der Jurist Justizkrimis, ist Spiegel-Bestseller-Autor.